https://www.faz.net/-gtl-upoo
 

Kommentar Sport : Ein moralisches Angebot

  • Aktualisiert am

Natürlich gibt es auch im Volleyball jede Menge Ehrungen. Stelian Moculescu hat die meisten davon erhalten. Die eindrucksvollste aber, die erreichte den Trainer des VfB Friedrichshafen und der Volleyball-Nationalmannschaft jetzt aus Italien.

          2 Min.

          Moculescus Erfolg zeigt selbst im Volleyball-Paradies Italien Wirkung

          Natürlich gibt es auch im Volleyball jede Menge Ehrungen. Stelian Moculescu hat die meisten davon erhalten. Die eindrucksvollste aber, die erreichte den Trainer des VfB Friedrichshafen und der Volleyball-Nationalmannschaft jetzt aus Italien. Es war ein Angebot jenes Vereins, "der weltweit wohl der einzige ist, der für ihn interessant wäre", so VfB-Manager Stefan Mau: Sisley Treviso. Viermal Sieger der Champions League, viermal Sieger des CEV-Pokals, achtmal Meister in der stärksten Liga der Welt. Und von Donnerstag an wohl neunmal, denn ein Sieg nur gegen Piacenza trennt Sisley Treviso vom nächsten Eintrag in die schon jetzt ehrfurchtgebietende Liste der Titelgewinne.

          Es ist der Fluch der guten Tat, der den VfB Friedrichshafen da ereilt. Als erstes Team überhaupt gewannen Moculescus Mannen in diesem Jahr Meisterschaft, nationalen Pokal und Champions League. Sie taten es mit jungen, selbst ausgebildeten Spielern, und der Erfolg dieses Konzepts zeigte selbst im Volleyball-Paradies Italien Wirkung - zusammen mit den zwei herausragenden Spielen, mit denen der VfB in der Champions League Sisley Treviso aus dem Feld schlug. Deshalb soll Moculescu als Nachfolger von Daniele Bagnoli nun in Treviso junge Spieler in das langsam in die Jahre kommende Starensemble einbauen. Ein Angebot wie ein Traum für einen Trainer wie Moculescu. Und eines wie ein Albtraum für einen Verein wie den VfB Friedrichshafen.

          Denn Moculescu ist das Herz des VfB. Er führte ihn an die Spitze in Deutschland und nun gar an die Spitze in Europa - mit einem international zweitklassigen Etat von rund zwei Millionen Euro. "Er ist die bekannteste und beliebteste Figur des Vereins", sagt Stefan Mau, "ein charismatischer Typ, wie es nur wenige auf der Welt gibt." Moculescus Weggang hinterließe eine gewaltige Lücke. Eine Lücke, die der VfB, gerade erst durch seine Erfolge über Volleyball-Grenzen hinaus weithin beachtet, kaum adäquat schließen könnte. Diese Einsicht beginnt sich nun auch in Friedrichshafen durchzusetzen. Immer wieder hatte Moculescu mehr Unterstützung durch die Stadt, die Region, die Wirtschaft gefordert, um das erreichte Niveau weiter zu steigern. Er hält nicht damit hinterm Berg, dass die künftige Perspektive beim VfB seine Entscheidung für oder gegen Treviso massiv beeinflusst. Nun, unter dem Eindruck des drohenden Endes der Ära Moculescu, bewegt sich auf einmal "eine ganze Menge", wie Manager Mau sagt. Und diese Bewegung tut not. Ob Nationalmannschaftszuspieler Simon Tischer, eine der Säulen des Teams, bleibt, ist noch offen. Dazu kommt, dass der absehbare Verlust der zweiten großen Stütze, des umworbenen Angreifers Jochen Schöps, kompensiert werden muss. Im Gespräch ist eine Rückkehr des Italien-Profis Christian Pampel - was freilich einen finanziellen Kraftakt erforderte.

          Und Moculescu? Sitzt zu Hause, berät sich mit seiner Frau und ist hin- und hergerissen, "eine Stunde so, die nächste so". Er hat in Friedrichshafen seine dritte Heimat gefunden, nach der Zeit in Rumänien und in München. "Ich bin jetzt zehn Jahre hier, habe vieles aufgebaut, das ist wie ein Kind, das man hat", sagt er. Moculescu ist 57, er weiß, "das wird vielleicht eine endgültige Entscheidung". Letzten Endes, sagt er, wird sie aus dem Bauch fallen. Wie bei seiner Flucht 1972 in München. Es hängt viel von ihr ab, für ihn und für den VfB Friedrichshafen. Am Freitag soll es so weit sein.

          Weitere Themen

          Die Dauerprobleme des BVB

          Trotz Bundesliga-Spektakel : Die Dauerprobleme des BVB

          Eine alte, aber immer noch offene Wunde: Borussia Dortmund zeigt in der Bundesliga zwar eine weitere beeindruckende Offensivleistung. Dennoch gibt es Kritik. Und die kommt vor allem aus den eigenen Reihen.

          Topmeldungen

          Mitarbeiter einer lokalen Wahlkommission leeren am Sonntag eine Wahlurne in einem Wahllokal in Moskau.

          Duma-Wahl : Ließ Putin mit E-Voting das Wahlergebnis fälschen?

          Einiges Russland ist laut offiziellen Zahlen der klare Sieger der Duma-Wahl. Doch die Auszählung der online abgegebenen Stimmen deutet auf Betrug hin. Die Opposition spricht von „irrwitzigen Ergebnissen“.
          Mehr Geld künftig fürs Haareschneiden? In einem Frankfurter Friseursalon

          Kandidatenduell : Kampf um den Mindestlohn

          SPD-Kandidat Scholz punktet mit dem 12-Euro-Versprechen und stellt die Arbeit der Mindestlohnkommission infrage. CDU-Kandidat Laschet pocht auf politische Verlässlichkeit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.