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Kommentar Sport : Dubaiisierung

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Wenn das Geld ruft, setzt sich die Reiterkarawane in Bewegung. Das Springturnier in Dubai, das muß man zugeben, war aber auch eine echte pekuniäre Oase: 1,25 Millionen Dollar wurden dort bis zum Freitag unter die Leute gebracht, allein beim Großen Preis gab es 760000 Petro-Dollar.

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          Wenn das Geld ruft, setzt sich die Reiterkarawane in Bewegung. Das Springturnier in Dubai, das muß man zugeben, war aber auch eine echte pekuniäre Oase: 1,25 Millionen Dollar wurden dort bis zum Freitag unter die Leute gebracht, allein beim Großen Preis gab es 760000 Petro-Dollar. Dafür läßt man seinen frostigen Hof in Westfalen oder Niedersachsen schon einmal für ein paar Januartage im Stich und wagt den Schritt ins warme Wüsten-Monaco. Man ist ja nicht allein: Die Freunde der Reithose machten den Freunden der Lederhose selbstverständlich am Donnerstag ihre Aufwartung im Mannschaftshotel des FC Bayern. Auch den VfB Stuttgart hätten die Reiter noch besuchen können. Außerdem die motorisierte Familie Stuck, die beim 24-Stunden-Rennen auf dem Motodrom von Dubai ein Duell der Generationen austrug, wobei Vater Hans-Joachim die Offene und Sohn Johannes die Dieselklasse gewann. Aber natürlich war die Jagd auf das höchste Preisgeld der Welt den Reitern am Ende doch wichtiger.

          Ein Sandplatz war am Stadtrand sicher leicht zu finden, ist man versucht zu witzeln, wüßte man nicht, welch komplizierte Mischung verschiedener Materialien ein pferdefreundlicher Turnierboden erfordert. Und natürlich wurde von Dubais Herrscherfamilie alles getan, um ein Premium-Turnier auf die Beine zu stellen: Sogar große, goldfarbene Kaffeekannen made in Germany wurden aus Bayern an den Persischen Golf verschifft, wo sie den Parcours verzierten.

          Acht deutsche Spitzenreiter waren in Dubai am Start, neunzehn der zwanzig Besten der Weltrangliste. Und mit ihnen reiste ein Troß von Europäern an den Golf, der das Ganze noch ein bißchen olympia-ähnlicher machte. Die Dubaiisierung des Sports nimmt also ihren Lauf. Nicht einmal die Staatstrauer um den Anfang Januar verstorbenen Emir Maktoum Al Maktoum konnte daran etwas ändern. Das Springturnier wurde zu seinen Ehren kurzerhand in "Al Maktoum memorial Challenge" umbenannt.

          Und was steckt dahinter? Prinzessin Haya bint al Hussein, eine der Ehefrauen des neuen Emirs und visionären Dubai-Gestalters Mohammed al Maktoum, der sich selbst vor allem für Galopprennen und Distanzreiten begeistert, ist den Springreitern wohlbekannt, war sie doch mehrere Jahre lang als Teilnehmerin auf Turnieren in Europa hoch willkommen. Einer ihrer einstigen Trainer zum Beispiel, der Olympiareiter Otto Becker, war in Dubai am Start. Auch an den Olympischen Spielen in Sydney nahm die mutige Tochter des verstorbenen Königs Hussein von Jordanien teil - sie fiel damals vor den Augen der Weltöffentlichkeit vom Pferd.

          Doch keine Sorge, so etwas tut der Würde einer Prinzessin keinen Abbruch. Und so spricht seit der Ausrichtung des wohlausgestatteten Springturniers von Dubai noch mehr dafür, daß Haya im Mai mit guten Chancen um das höchste Amt der internationalen Reiterei kandidieren wird. Auch wenn in Benedikte von Dänemark neben dem Edelfunktionär Freddie Serpieri eine europäische Hochadelige dagegenhält. Alle drei bewerben sich um die Nachfolge von Reiterpräsidentin Dona Pilar de Borbon, der Schwester des spanischen Königs. Die wiederum übernahm das Amt von der britischen Prinzessin Anne, welche ihrem Vater Prinz Philip nachfolgte. Blaues Blut wohin man schaut - dem Prinzessin Haya nur allzugern einen Tropfen Öl hinzufügen würde.

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