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Kommentar Sport : Der ewige Zabel

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Seltsame Gefühlslage: Ein Mann redet von Liebe und von Leidenschaft, er bezieht das eine auf seine Familie und das andere auf seine sportliche Passion, in diesem Fall auf den Radsport. Er war ja nun so weit, sich von diesem Sport zu lösen, zugunsten seiner Frau und seines Sohnes.

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          Im Umbruch kann
          Zabel Rat und auch ein wenig Halt geben.

          Seltsame Gefühlslage: Ein Mann redet von Liebe und von Leidenschaft, er bezieht das eine auf seine Familie und das andere auf seine sportliche Passion, in diesem Fall auf den Radsport. Er war ja nun so weit, sich von diesem Sport zu lösen, zugunsten seiner Frau und seines Sohnes. Das konnte natürlich auch nicht verwundern bei einem Athleten, der 36 Jahre alt ist und schon beträchtlichen Lorbeer eingeheimst hat; der längst im Herbst seiner Karriere steht. Aber nun drehen sich die Räder doch weiter für Erik Zabel, und es ist eine kuriose Fügung, daß darüber am Sonntag nachmittag in Salzburg nur wenige Zentimeter entschieden. Als Radweltmeister wäre Zabel zurückgetreten. Hochdekoriert, als gefeiertes Idol im Regenbogentrikot. Weil er aber "nur" Zweiter geworden ist, geschlagen lediglich von dem italienischen Olympiasieger Paolo Bettini, will Zabel weiter in die Pedale treten. Zwei Jahre noch, so lange läuft sein Kontrakt mit dem Team Milram.

          Den häuslichen Frieden wird das wohl kaum beeinträchtigen, so gerne sie ihn in Unna als Ehemann und Vater öfter als in der Vergangenheit bei sich haben würden. Vermutlich spüren sie aber auch, daß Zabel immer noch Feuer und Flamme für den Radsport ist, daß er noch etwas bewegen möchte, ein bißchen jedenfalls. Daß er dem Radsport just in Zeiten, da er von Dopingskandalen schwer erschüttert wird, guttut. Auch als ein kritischer Begleiter des Metiers. Als ein Mann, der einem bei all den erschreckenden Nachrichten über gravierende Betrügereien und Manipulationen, bei einem Generalverdacht die Hoffnung gibt, von ihm nicht getäuscht zu werden. Und dazu als ein erfahrener Rennfahrer, der im Umbruch vor allem den Aufsteigern der Branche wie dem jungen deutschen Sprinter Gerald Ciolek Rat und auch ein wenig Halt geben kann.

          Zabel war ein Grüner aus Überzeugung. Das Grüne Trikot der Tour de France, das er sechsmal gewann, hat seine sportliche Vita maßgeblich geprägt. Grün scheint inzwischen außer Reichweite zu sein, Zabel muß seinem Alter Tribut zollen, er hat das auch im vergangenen Sommer in Frankreich gemerkt. Der Berliner versucht den Eindruck zu erwecken, dies gelassen hinzunehmen. Mit dem Hinweis darauf, sich nichts mehr beweisen zu müssen. Und doch verfolgt er noch Ziele als ein unermüdlicher Kämpfer, der nicht zuletzt einen Fersenbeinbruch, der ihn aus der Bahn warf, überwunden hat. Die Weltmeisterschaften im nächsten Jahr in Stuttgart zum Beispiel, die für Zabel noch einmal ein "absolutes Highlight" sind. Er stellt sich ja auch als "Botschafter" in den Dienst dieser Sache. Eine Rolle, die der volksnahe, populäre Profi generell im Radsport einzunehmen scheint. Mit deutlichen Worten zu den Problemen dieses Sports, auch zum Thema Doping.

          In Salzburg kritisierte er etwa das Verhalten des Internationalen Radsportverbandes; Zabel nannte es traurig, daß immer noch keine beglaubigten Unterlagen vorlägen, die es ermöglichten, Verfahren gegen Beschuldigte wie Jan Ullrich zu eröffnen. Er betonte auch, daß die Krise immer noch nicht überwunden sei, trotz des intensiver geführten Kampfes gegen Doping. Das "dicke Ende", glaubt Zabel, ist noch nicht erreicht. Eine Bemerkung, die auf das Engagement der Sponsoren zielt, auf ihren möglichen Ausstieg nach dem Auslaufen von vertraglichen Bindungen. Es spricht für Zabel, daß er sich ernsthaft mit seinem in Verruf geratenen Berufsstand auseinandersetzt, auch im Schlußbogen seiner Laufbahn. Man wird wohl noch manches von ihm hören. Von einer Galionsfigur des Radsports, die auch in Niederlagen wie in Salzburg immer an Profil und Sympathien zu gewinnen scheint.

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