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Kommentar Sport : Auf der Suche

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Vier Jahre lang gehörte Martin Schmitt im Skispringen zur Weltspitze, genauer, er war die Weltspitze. Genauso lang kämpft der viermalige Weltmeister nun aber schon darum, daß es wieder so wie früher wird: so leicht, so schön, so erfolgreich.

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          Vier Jahre lang gehörte Martin Schmitt im Skispringen zur Weltspitze, genauer, er war die Weltspitze. Genauso lang kämpft der viermalige Weltmeister nun aber schon darum, daß es wieder so wie früher wird: so leicht, so schön, so erfolgreich. Doch er fliegt nicht mehr, er fällt bloß noch zu früh vom Himmel. Seine "Formkurve" ist leicht zu beschreiben: Meist kann er sich nicht qualifizieren, oder er landet am Ende des Feldes. Das war am Sonntag, seinem 28. Geburtstag, beim Wettkampf im Zakopane nicht anders. Nur eines ist geblieben: die Zuneigung seiner Fans. In einer Umfrage ist er der deutsche Springer, dem für die bevorstehenden Olympischen Winterspiele in Turin am meisten zugetraut wird. Mit der sportlichen Wirklichkeit hat das nichts mehr zu tun - denn Alexander Herr, Michael Neumeyer, Georg Späth und Michael Uhrmann sind objektiv besser als Schmitt. Aber in der Sympathie-Rangliste steht der, so schwer das auch zu erklären ist, unverändert vorne - ganz so wie von 1998 bis 2001, als er den Weltcup dominierte. Bewundert man ihn für seine Unverdrossenheit, die manche schon als Trotz bezeichnen, mit der er ungeachtet aller Rückschläge immer weitermacht? Vielleicht ist ihm das Publikum so treu, weil er auch in seinen besten Tagen stets natürlich, freundlich, wohlerzogen gewesen und seinen Anhängern ganz nahe geblieben ist: Schmitt ist populär (was letztlich den bis heute laufenden gutdotierten Werbevertrag für einen Schriftzug auf seinem Springerhelm erklärt).

          "Basta, weiter geht's", sagte er Anfang des Monats, nachdem er sich bei der Vierschanzentournee nur ein einziges Mal hatte plazieren können. Das Bild des strahlenden Helden erfüllt er schon lange nicht mehr. Er jedoch spricht unverändert vom Spaß, von der Freude am Springen, vom guten Gefühl und von dem Glauben, daß noch immer mehr in ihm stecke. Und wenn ihn sein Gefühl trügt? Schmitts Gelassenheit darf nicht so gedeutet werden, daß er keinen Ehrgeiz mehr hätte. Ganz schön grantig kann er werden, wenn es nicht wie gewünscht läuft. Aus diesem Grund haben ihn die Trainer bisweilen zu Hause gelassen, er sollte seine Kollegen nicht verrückt machen. Auch der ruhige Herr Schmitt kennt Ungeduld, aber er gehört nicht zu jenen im Spitzensport, die an Negativerlebnissen zerbrechen. Andere hätten längst die Ski in die Ecke gestellt, wären sie so ausdauernd mit ihrer eigenen Schwäche konfrontiert worden.

          Natürlich stellt sich die Frage, ob dieser Athlet olympischen Ansprüchen genügt. Schmitt ist ein Mann auf der Suche - nach der Form, wie er sagt. Vielleicht aber sucht er auch nach einem neuen Ziel, bevor er als Leistungssportler zurücktritt. Beim letzten Weltcup in Deutschland für diese Saison, am Wochenende in Willingen, wird er nicht starten. Wenn man so will, findet die Generalprobe für die Winterspiele ohne ihn statt. Und was passiert in Turin? Vielleicht geht seine Laufbahn als olympischer Ersatzmann ohne Einsatz zu Ende. Es wäre schade, aber nach Lage der Dinge nicht mehr überraschend.

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