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Kommentar Sport : Attraktive Defensive

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Angriff ist die beste Verteidigung - so lautete Klinsmanns mitreißendes Motto vor einem guten Jahr. Beschwingt, berauschend, begeisternd waren die Auftritte der deutschen Fußball-Elf vor einem Jahr. Zwar endete die Party im WM-Halbfinale; ...

          Angriff ist die beste Verteidigung - so lautete Klinsmanns mitreißendes Motto vor einem guten Jahr. Beschwingt, berauschend, begeisternd waren die Auftritte der deutschen Fußball-Elf vor einem Jahr. Zwar endete die Party im WM-Halbfinale; das vielzitierte und verfilmte "Sommermärchen" war's dennoch. Verteidigung ist manchmal wichtiger als bedingungslose Offensive - das ist das Credo, mit dem die deutschen Fußballfrauen derzeit bei der Weltmeisterschaft in China zu Werke gehen. Abgesehen vom 11:0-Auftaktsieg gegen eine allerdings hoffnungslos überforderte Auswahl aus Argentinien. Kühl, strategisch, rational - so geben sich die deutschen Frauen auf dem Platz. Verbissen wirken die Spielerinnen von Bundestrainerin Silvia Neid dabei keineswegs. Ganz im Gegenteil: So geduldig und konzentriert sie spielen, so locker und ungezwungen geben sie sich abseits des Fußballplatzes.

          Die Titelverteidigerinnen haben wahrhaft Erstaunliches geleistet. Bis zum Halbfinale am Dienstag haben sie kein Gegentor hinnehmen müssen. Nun stehen sie nach dem 3:0-Sieg gegen Norwegen im Endspiel - und sind noch immer ohne Gegentreffer. Das gab es noch nie in der Geschichte dieser Sportart. Dieser - im Vergleich mit Klinsmanns Hurra-Fußball - eher zurückhaltende Stil aber ist keineswegs unansehnlich und unattraktiv, sondern aller Ehren wert. Zumal die weiteren Zutaten des mittlerweile notorisch erfolgreichen Frauenfußballs made in Germany stimmen: technisches Geschick gepaart mit spielerischem Können. Und es ist eine Mannschaft, in der fast alle Hauptrollen perfekt besetzt sind. Ein Glücksfall für jede Trainerin. Spielführerin Birgit Prinz ist eine ebenso mitreißende wie kluge Stürmerin, die mittlerweile auch einen Blick für ihre Mitspielerinnen übrig hat. Ihre Frankfurter Angriffspartnerin Sandra Smisek ist quirlig und wieselflink. Mittelfeldspielerin Renate Lingor gibt eine Führungskraft mit viel Übersicht. Und Torfrau Nadine Angerer ist dieser Tage - genau: unüberwindbar. Mit anderen Worten: Der Finaleinzug ist verdient und erscheint fast logisch. Und hat noch einen weiteren Nebeneffekt. Der Auftritt der deutschen Frauen in China ist beste Werbung für eine Weltmeisterschaft in der Heimat. Im Jahr 2011 wird die WM aller Voraussicht nach in Deutschland stattfinden. Da kann man ja mal träumen - von einem Sommermärchen zum Beispiel.

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