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Kommentar Sport : Alles für die Tour

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Mut ist Erik Zabel keinesfalls abzusprechen. Er stürzt sich, im Schlußbogen seiner Karriere, in ein neues Abenteuer - obwohl er im Zeichen von Magenta über seine sportliche Laufbahn hinaus hätte wirken können.

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          Mut ist Erik Zabel keinesfalls abzusprechen. Er stürzt sich, im Schlußbogen seiner Karriere, in ein neues Abenteuer - obwohl er im Zeichen von Magenta über seine sportliche Laufbahn hinaus hätte wirken können. Doch lieber entschied er sich für eine neue Herausforderung mitsamt den damit verbundenen Risiken, als bei der vertrauten Farbe zu bleiben mit der Möglichkeit, ihr als Repräsentant zu dienen, wenn die Räder endgültig stillstehen. Dabei dürfte, selbst wenn Zabel dies nicht explizit sagt, auch die Enttäuschung darüber eine Rolle gespielt haben, in diesem Juli nicht Teil des größten Radsportspektakels gewesen zu sein. Von T-Mobile nicht für die Tour de France nominiert worden zu sein hat Zabel natürlich hart getroffen - schließlich stellt für ihn die Große Schleife, auch wenn der Berliner mit Wohnsitz Unna bereits 35 Jahre alt ist, noch immer einen hohen Reiz dar. Und mancher in der Branche vermutet sogar, daß der ehrgeizige Zabel einen "deutschen Rekord" in Sachen Tour brechen möchte: Udo Bölts, der schon vom Sattel gestiegen ist, hat sie zwölfmal bestritten, Zabel einmal weniger - er könnte den Pfälzer noch übertrumpfen.

          Offenbar hat Zabel in Domina Vacanze einen Rennstall gefunden, der seinen Bedürfnissen entgegenkommt. Die Italiener wollen, heißt es, künftig ganz auf spurtstarke Männer setzen. Auf Alessandro Petacchi, der sich auf den Giro d'Italia konzentrieren soll, auf Zabel, der sich wieder bei der Tour wird beweisen dürfen - sollte es so sein, würden Petacchi und Zabel wohl auch die passende Unterstützung bei diesen Rennen erhalten.

          Mit Zabel, der im Sprint nicht mehr so explosiv ist wie einst, der dafür im Laufe der Jahre Qualitäten als Allrounder entwickelte, verliert T-Mobile eine Galionsfigur. Damit, daß Zabel fast die ganze Saison über mit ausgeprägtem Arbeitsethos in die Pedale tritt, tat er nicht nur viel für sein Renommee, sondern trug auch wesentlich dazu bei, das Ansehen seines Teams zu steigern. Er geriert sich überdies als volksnaher Star und genießt große Beliebtheit in der Öffentlichkeit.

          Zabel ist nicht zu ersetzen; das gilt auch für den Kasachen Alexander Winokurow, der sein Glück demnächst in Spanien sucht. Keine einfache Situation für T-Mobile, für das sich nun aber auch zwei Problemfälle lösen. Die Bonner Equipe hätte Zabel vermutlich auch 2006 nicht zur Tour geschickt; es wären neue Diskussionen und neue Unzufriedenheit entstanden. Auch im Fall Winokurow wären neue Unstimmigkeiten programmiert gewesen. Diesmal hatte sich bereits gezeigt, wie schwierig es ist, eine auf Jan Ullrich ausgerichtete Strategie und die Ambitionen von Winokurow in Einklang zu bringen. T-Mobile wird ohne Zabel und ohne Winokurow seine Taktik in manchen Rennen modifizieren müssen. Olaf Ludwig, der designierte Teamchef, ist gleichwohl überzeugt, auch künftig etwa bei Klassikern erfolgreich sein zu können. Ludwig, der eine Verjüngung des Teams anstrebt, will insgesamt sechs neue Kräfte holen. Er wird darauf hoffen, durch die Neustrukturierung auch das Miteinander bei T-Mobile stärken zu können. Für das, was vor allem zählt: die Tour. Rainer Seele

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