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Kommentar Sport : Abgeschmettert

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Im Volleyball, da läuft das so: Da gibt es einen Verein, in diesem Fall den VfB Friedrichshafen, der wird deutscher Meister, und er wird deutscher Pokalsieger, und dann zieht er dazu noch ins Halbfinale der Champions League ein, in den Kreis der vier besten Volleyball-Mannschaften Europas.

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          Im Volleyball, da läuft das so: Da gibt es einen Verein, in diesem Fall den VfB Friedrichshafen, der wird deutscher Meister, und er wird deutscher Pokalsieger, und dann zieht er dazu noch ins Halbfinale der Champions League ein, in den Kreis der vier besten Volleyball-Mannschaften Europas. Ist ja gut gelaufen, denkt man, da tut sich was, das wird mächtig Interesse wecken, bei Zuschauern, bei Sponsoren, bei Medien. Tut es auch. Nur: Wir sind, das ist entscheidend, im Volleyball. Und da geschieht es dann eben, daß der Fernsehpartner des VfB Friedrichshafen, der Südwestrundfunk (SWR), nach einer Saison, wie sie der VfB gespielt hat, sagt: Danke, das genügt. Wir steigen aus.

          Das ist an sich schon ärgerlich genug. Bedrohlich wird es dadurch, daß der VfB an diesem Mittwoch die Unterlagen für die nächste Champions-League-Saison einreichen muß. Darin enthalten ist laut Regularien des Europäischen Volleyball-Verbands (CEV) die Bedingung, daß die Champions-League-Heimspiele ausführlich im Fernsehen zu sehen sind - ein echtes K.-o.-Kriterium: kein Fernsehpartner, keine Champions League. Dem VfB Friedrichshafen droht nun ohne eigenes Verschulden das Schicksal, als letztjähriger Halbfinal-Teilnehmer international abgeschmettert zu werden. So läuft das im Volleyball.

          Der Rückzug des SWR hat zwei Gründe - finanzielle und prinzipielle. Da sind zum einen die Sparzwänge, die sich auch auf die Sportberichterstattung auswirken. Entscheidend aber, so der SWR, seien die "brutalen Vorgaben" des CEV gewesen. Der verlangt, daß ein national empfangbarer Sender innerhalb von 24 Stunden mindestens 54 Minuten von den Champions-League-Spielen berichtet. Selbst die Zahl der Kameras ist vorgeschrieben. "Wir können diesen rigiden Forderungen nicht nachgeben, zumal wir damit einen Präzedenzfall für Forderungen anderer Sportarten schaffen würden", sagt eine Sprecherin des SWR. Nur: Die Vorgaben sind dieselben wie in der vergangenen Saison - und da hieß der Fernsehpartner auch SWR. Die Übertragungen liefen meist zu nachtschlafender Zeit, kurz vor Mitternacht. So war es kein großes Wunder, daß die Quoten "nicht wie erwünscht" ausfielen. Deshalb versuchte der SWR, dem CEV andere Modelle schmackhaft zu machen - eine Verlegung der Spiele auf Freitag etwa, um am Samstag berichten zu können. "Doch der Verband hat sich null bewegt", sagt die SWR-Sprecherin. Woraufhin sich auch der SWR nicht mehr bewegte. Und kurzerhand das Aus verkündete.

          Der abgeblockte Meister bemüht sich nun, einen privaten Fernsehpartner zu gewinnen. Das würde bedeuten, daß der Verein die Produktionskosten übernehmen muß. Die Anmeldeunterlagen für die Champions League hat der VfB trotzdem eingereicht, für das ominöse "Formblatt TV-01" hat Manager Bernd Hummernbrum mit CEV-Präsident Andre Meyer eine Fristverlängerung ausgehandelt. Der Frust in Friedrichshafen ist groß. Und verständlich. Wie ein Verein trotz sportlicher Spitzenleistungen im Kampf zweier übermächtiger "Partner" zerrieben werden kann, das läßt sich selten so anschaulich beobachten wie im Volleyball. Bernd Steinle

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