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Kommentar : Olympia kann kommen

  • -Aktualisiert am

Ruhiger Augenblick für Sven Hannawald Bild: AP

Keine Nation ist derzeit so erfolgreich wie Deutschland. Hannawald, Friesinger und Gerg heißen die Hoffnungsträger auf deutsche Medaillen in Salt Lake City. Ein FAZ.NET-Kommentar.

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          Wenn dieser Tage vom Wintersport die Rede ist, fehlt nie der Hinweis auf die verbleibenden Tage und Wochen bis zu den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City. In vier Wochen sind die vier Jahre des Wartens für die Wintersportler seit Nagano vorbei; für 16 Tage werden die Biathleten, Ski-Rennfahrer und Eishockeyspieler dann im Mittelpunkt der Sportwelt stehen.

          Doch schon jetzt beherrschen die Olympischen Ringe die Gedanken von Sportlern, Trainern und Funktionären. Nicht die in den anderen Wintern dominierende Frage nach der Weltcupwertung in den verschiedenen Disziplinen ist von Bedeutung - alle vier Jahre gelten diese Wettbewerbe allein als Formbarometer für den Jahreshöhepunkt.

          Bilderbuchwinter mit strahlenden Siegern

          1998 in Nagano war die deutsche Delegation mit zwölf Gold-, neun Silber- und acht Bronzemedaillen die beste und vielseitigste in der allerdings inoffiziellen Länderwertung. Auch wenn der Medaillenspiegel als verpönt und in Zeiten von Globalisierung und europäischem Zusammenwachsen als nicht mehr zeitgemäß gilt, ist die zentrale Frage dennoch, ob Deutschland diese Position in der amerikanischen Mormonenstadt halten kann.

          Derzeit sieht alles danach aus. Passend zum Bilderbuchwinter, der den üblichen Schneematsch und Nieselregen vergessen lässt, strahlen die deutschen Winterstars auf den Siegerpodesten um die Wette.

          Langeweile bei den Rodlerinnen

          Allen voran Sven Hannawald. Der 27-Jährige reist nach seinem fünften Sieg in Serie beim Weltcup in Willingen und der bestandenen Nervenprobe Vierschanzentournee als absoluter Favorit auf den Olympiasieg in die USA. Das gleiche gilt für Anni Friesinger, die nach dem zehnten Sieg im zehnten Weltcuprennen, sogar von vier olympischen, möglichst goldenen Medaillen träumt.

          Bei den Rodlern sorgt die deutsche Dominanz bereits für Langeweile. Hinter der neuen Europameisterin Sylke Otto folgen drei weitere deutsche Rennrodlerinnen. Auf der Kunsteisbahn im Utah Olympic Park warten die gleichen Konkurrentinnen.

          Das Rodeln wird von den drei europäischen Nationen Italien, Österreich und Deutschland beherrscht. Georg Hackl wird es bei seinen fünften Olympischen Spielen schwerer haben, seinen vierten Sieg einzufahren.

          Biathleten unter Druck

          Trotz der imponierenden Abfahrtssiege in Saalbach wird es Olympiasiegerin Hilde Gerg schwer haben. Die Leistungsdichte bei den alpinen Skifahrern ist sehr hoch.

          Wie hoch die Erwartungen an die deutschen Wintersportler sind, mussten die Biathleten bei ihrem Heim-Weltcup in Oberhof erfahren. Kein Sieg an fünf Tagen, das ist eine Enttäuschung. Und bei den Frauen wächst die Gewissheit, dass die Weltspitze in diesem Winter nicht mehr einzuholen ist.

          Weniger Nationen am Start

          Dennoch sind viele deutsche Wintersportler zurzeit führend in der Welt. Was aber macht sie in der kalten Jahreszeit so stark? Ohne die Professionalität und das Talent der Athleten in Frage zu stellen: Es ist auch die mangelnde Konkurrenz, die den deutschen Winterassen das Siegen ermöglicht.

          Anders als in den Sommerdisziplinen sind im Winter weitaus weniger Nationen am Start. Rodeln ist ein Drei-Länder-Wettkampf. Die alpinen Medaillen machen die Alpenrepubliken und Skandinavien mit amerikanischer Beteiligung unter sich aus. 100-Meter-Sprinter und Fußballspieler gibt es dagegen auf der ganzen Welt.

          Verjüngungskur nach Salt Lake City

          Dazu kommt noch immer das Erbe des Konkurrenzkampfes zwischen DDR und Bundesrepublik. Die medaillenträchtigen Einzeldisziplinen wurden auf beiden Seiten stark gefördert. Heute können sich viele Athleten auch im Sommer ohne materielle Sorgen als Angestellte der Bundeswehr oder des Bundesgrenzschutzes unter Profi-Bedingungen vorbereiten. Nicht zu vergessen sind die Forschung für Bob, Schlitten und Ski sowie Erfolgstrainer wie Reinhard Heß im Hintergrund.

          In Salt Lake City werden die deutschen Sportler auch ihre Erfahrung ausspielen können. Von den Medaillenhoffnungen quer durch alle Disziplinen war ein Großteil schon in Nagano erfolgreich am Start, für einige sind es sogar bereits die dritten oder vierten Spiele.

          Wenn der Schnee im Frühling geschmolzen ist, müssen sich die Trainer und Funktionäre zusammensetzen und eine sanfte Verjüngungskur einleiten, damit die deutschen Wintersportler auch in Zukunft ein Vorbild für die Athleten der Sommerspiele bleiben.

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