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Kommentar : Magie und Angst

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Olympier, schaut auf diese Stadt! Berlin stehe bereit für eine Olympiabewerbung, hat der Regierende Bürgermeister bei der Eröffnungsfeier des herausgeputzten Olympiastadions bekräftigt, angefeuert von der emotionsgeladenen Stimmung in der Arena.

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          Olympier, schaut auf diese Stadt! Berlin stehe bereit für eine Olympiabewerbung, hat der Regierende Bürgermeister bei der Eröffnungsfeier des herausgeputzten Olympiastadions bekräftigt, angefeuert von der emotionsgeladenen Stimmung in der Arena. Als die Enkelinnen von Jesse Owens und Luz Long, den Rivalen und Freunden von 1936, am Samstag symbolisch ein Feuer entzündeten, fühlten sich viele dem Ziel schon nahe: Olympische Spiele in Deutschland. Wer dachte in diesem magischen Moment noch an das Scheitern des Kandidaten Leipzig vor wenigen Wochen in der Vorauswahl, wer wollte sich noch an das Desaster der Berliner Bewerbung 1993 erinnern?

          Doch die Lust auf Olympia wird man als Deutscher auf absehbare Zeit nicht in der Heimat befriedigen können. 2016 frühestens könnte es etwas werden mit dem schnell ausgesprochenen und so schwer zu realisierenden Plan. Am Sonntag gab es im Berliner Olympiastadion erst einmal Regionalliga-Fußball. Der große Sport kommt später.

          Wie gut, daß am Sonntag der olympische Monat August begonnen hat, inzwischen auch in Deutschland griechische Sommertemperaturen gemessen werden und aus Athen lauter gute Nachrichten kommen. Wir sind gespannt auf Olympia! Wer schon mal dreieinhalb Stunden eingezwängt in einem aufgeheizten Taxi im Stau Richtung Stadtmitte durchlitten hat, kann den Wert der Nachricht, daß der Athener Flughafen nun angeschlossen ist ans öffentliche Verkehrsnetz, erst so richtig ermessen.

          Mit der Eröffnung des Olympischen Dorfes im Norden der Stadt hat am Wochenende zudem eine besondere Zeitrechnung begonnen: Der "Zeitraum der Olympischen Spiele" endet mit der Abschlußfeier am Abend des 29. August. Bedeutsam ist dies vor allem für das ab sofort in Kraft gesetzte Sicherheitskonzept, also die Terrorabwehr, sowie für den Kampf gegen Doping. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat für die kommenden vier Wochen die Hoheit über alle Kontrollen übernommen, die 10 500 für die Spiele angemeldeten Sportler aus 202 Ländern können zu jeder Zeit und an jedem Ort ohne Vorwarnung Ziel eines Dopingtests sein. Wer bislang nicht als Betrüger entlarvt worden sei, dem könne das IOC jetzt auch nicht mehr auf die Schliche kommen, meinen allerdings Fachleute. Die Mittel seien längst abgesetzt, alle Spuren verwischt.

          Echte Abschreckungskraft oder vorgegaukelte Sicherheit? Das ist in Sachen Doping eine wichtige Frage, aber keine auf Leben und Tod. Für die Sicherheitsmaßnahmen gelten andere Maßstäbe; Nachlässigkeiten, Pannen, unterlaufene Kontrollen darf es dabei einfach nicht geben. Und an diesem Punkt endet die Vorfreude auf die Spiele, beginnt die Angst vor Anschlägen auf das weltgrößte Fest. Von den Griechen und ihren olympischen Besuchern wird erwartet, daß sie sich beeindrucken und zugleich beruhigen lassen von großen Zahlen: von Zehntausenden von Sicherheitskräften, von gepanzerten Fahrzeugen, Flugzeugen, Schiffen, Frühwarnsystemen, Abwehrraketen, Überwachungskameras, von der unübersehbaren Allianz gegen den Terror.

          Es gibt noch freie Zimmer in Athen, der Kartenverkauf könnte weniger schleppend laufen. Ist das nun eine Folge hoher Preise oder der griechischen Mentalität, sich kurzfristig für den Besuch einer Veranstaltung zu entscheiden? Oder bleiben manche aus Furcht fern, überdeckt die Skepsis den Spaß an den Spielen? Alle Verantwortlichen geben sich unverdrossen zuversichtlich. Aber man kann es niemandem verdenken, den Spielen von Athen bei aller Faszination auch mit gemischten Gefühlen entgegenzublicken.

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