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Kommentar : Klebstoff

  • Aktualisiert am

Jetzt, da der Sport bis auf wenige Ausnahmen stillsteht, haben skurrille Geschichten Konjunktur in den Sportteilen der Zeitungen. In Marbella findet zum Beispiel eine Veranstaltung statt, die sich Freistoß-Weltmeisterschaft nennt.

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          Jetzt, da der Sport bis auf wenige Ausnahmen stillsteht, haben skurrille Geschichten Konjunktur in den Sportteilen der Zeitungen. In Marbella findet zum Beispiel eine Veranstaltung statt, die sich Freistoß-Weltmeisterschaft nennt. Das ist aber auch schon alles, was man über dieses obskure "Event" wissen muß. So wenden wir uns lieber einer Meldung zu, in der es um den Basketballspieler Dirk Nowitzki geht. Der baumlange Würzburger darf sich künftig zu der Schar derer zählen, deren Konterfei schon zu Lebzeiten eine Briefmarke schmückt. Daß diese 20-Cent-Briefmarke in Mikronesien, einer Inselgruppe im Pazifischen Ozean, erscheint, hängt mit postalischen Gesetzen zusammen: Weder in Deutschland noch in den Vereinigten Staaten dürfen Briefmarken Gesichter von Lebenden zeigen. Da die nordamerikanische Profiliga aber trotzdem Geld verdienen muß, um die außerirdischen Gehälter ihrer Helden bezahlen zu können, werden die Bestimmungen eben elegant umgangen. Die in Sierra Leone, auf den Antillen oder eben in Mikronesien erscheinenden Briefmarken der NBA-Berühmtheiten sollen jedenfalls saftigen Profit versprechen.

          Hier in Deutschland ist alles eine Nummer kleiner, und deshalb müssen sich herausragende Sportler mit weniger spektakulären Ehrungen begnügen. Nach dem Rennfahrer Michael Schumacher und dem Skispringer Martin Schmitt ist in ihren Heimatgemeinden immerhin eine Straße benannt. Die Erfurter Eisschnelläuferin Gunda Niemann kann, ebenso wie die Nürnberger Schwimm-Weltmeisterin Hannah Stockbauer, in einer Halle trainieren, die nach ihr benannt ist. Aber selbst das war und ist umstritten: im Fall der Eisschnelläuferin wegen des sperrigen Namens (Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle); und bei der Taufe des Hannah-Stockbauer-Bades in Erlangen legte sich die örtliche SPD quer, weil die Schwimmerin mal Wahlwerbung für die CSU gemacht hatte. Derlei kleinkarierte Diskussionen ersparten sich die Würzburger bislang. Die Halle, in der die Nowitzki-Story begann, trägt bislang (noch) nicht seinen Namen, was vielleicht auch an ihrer Vergangenheit liegt. Die Halle war nach Carl Diem benannt, bis sich die Würzburger vor ein paar Jahren dazu entschlossen, den Namen des umstrittenen Sportführers wieder loszuwerden. Momentan trägt die Halle den Namen eines Sponsors.

          Apropos: Der einzige deutsche Sportstar, der es auf die Haut eines anderen Sportstars gebracht hat, ist Franziska van Almsick. Ihr Gesicht kann man auf der Wade des Magdeburger Handballers Stefan Kretzschmar bestaunen. Dummerweise sind die beiden seit Weihnachten kein Paar mehr, und womöglich wird sich Kretzschmar eines Tages wünschen, er könnte die Tätowierung so einfach loswerden wie etwa die Würzburger ihren Hallennamen. Aber das soll nicht unsere Sorge sein. Nicht mal in den Tagen nach Weihnachten.

          Gerd Schneider

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