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Kommentar : Keine Chance für Doktor No

  • -Aktualisiert am

Wie kann man Ferrari aufhalten? Den Kaufleuten unter den Teamchefs schwant nichts Gutes: sinkende Einschaltquoten, schwindende Einnahmen. Dagegen muß doch was zu machen sein.

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          Das ganze Wochenende hat die Formel 1 über das langweilige Format des Qualifikationstrainings diskutiert. Nun hat sie ein ganz anderes Problem. Wie kann man Ferrari aufhalten? Denn den Kaufleuten unter den Teamchefs schwant nichts Gutes: sinkende Einschaltquoten, schwindende Einnahmen. Dagegen muß doch was zu machen sein.

          Für gewöhnlich, heißt es, greift Chefmanager Bernie Eccelstone im Moment der größten Gefahr ein. Jedenfalls wird gerne das Bild vom fiesen Doktor No in seiner Schaltzentrale bemüht. Wie der Bösewicht im Agententhriller der Bond-Serie 007 den Hebel umlegt, um den Lauf der Dinge zu seinen Gunsten zu manipulieren: Mehr Spannung, höhere Einschaltquoten, größere Einnahmen.

          Allen tollkühnen Geschichten zum Trotz: So funktioniert es nicht. Dafür steht zuviel Geld, zuviel Prestige auf dem Spiel. Mit Argusaugen beobachten die Rennställe und ihre Konzerne im Hintergrund jeden gefährlichen Gegner und jeden Schritt der Funktionäre. Delinquenten werden umgehend beim Internationalen Automobil-Verband angeschwärzt, die Regelübertretungen unterbunden oder sogar geahndet. Dieses inoffizielle Überwachungssystem ist der beste Schutz vor dem Zerfall der Formel 1 in ein abgekartetes Spiel. Auf krummen Umwegen wird Ferrari also nicht zu bremsen sein. Und das ist gut so. Anderfalls verlöre die Formel 1 ihren Anspruch, Sport zu sein.

          Die meisten Gegner Ferraris haben ihre Niederlage am Sonntag sportlich genommen. Sie krempeln die Ärmel hoch, obwohl sie wissen, daß der knappe, aber doch ungefährdete Sieg Schumachers in Malaysia eher als Zeichen für die Herrschaftserweiterung Ferraris als ein Signal für eine Annäherung zu deuten ist. Es war wie ein knapper Wahlsieg in einer Hochburg des Rivalen. Der Wettkampf auf heimischem Terrain kommt erst noch. Bei Williams spricht man deshalb hinter vorgehaltener Hand schon von einem (in dieser Saison) uneinholbaren Vorsprung der Roten.

          Der Pilot eines anderen namhaften Rennstalls schlug am Sonntagnachmittag sogar vor, eine Art Verfolgergemeinschaft zu bilden. Man solle die besten Teile zusammenschrauben. Heraus käme dann ein BMW-Renault. Das war natürlich nicht ernst gemeint, aber ein deutlicher Hinweis, wer die freie Fahrt für Ferrari eigentlich verhindern müßte: BMW-Williams und McLaren-Mercedes, Renault, Toyota, mithin die geballte Automobilindustrie.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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