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Kommentar : Kein Ersatz

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Es ist keine Schande, als Vorjahresfinalist bei einem Grand-Slam-Turnier auszuscheiden wie Rainer Schüttler am Montag bei den Australian Open. Das ist anderen vor ihm auch schon passiert. Selbst Titelverteidiger hat es schon im Auftaktspiel in Melbourne erwischt.

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          Es ist keine Schande, als Vorjahresfinalist bei einem Grand-Slam-Turnier auszuscheiden wie Rainer Schüttler am Montag bei den Australian Open. Das ist anderen vor ihm auch schon passiert. Selbst Titelverteidiger hat es schon im Auftaktspiel in Melbourne erwischt. Erinnert sei nur an Boris Becker, der 1997 als Champion vom Spanier Carlos Moya gestürzt wurde. Natürlich kann man Schüttler nicht mit Becker vergleichen, aber der Rückblick auf jenes Jahr zeigt, woran das deutsche Tennis schon seit einigen Jahren krankt. Vor sieben Jahren spielten noch Steffi Graf, Anke Huber und Michael Stich Tennis. Alles Akteure, die im Januar 1997 ebenfalls früh scheiterten. Stich verabschiedete sich in der zweiten Runde, für Steffi Graf und Anke Huber war im Achtelfinale Schluß. Aber das konnte niemand ahnen, als Becker seine Fans enttäuschte. Damals herrschte noch Hoffnung: Es gab ja nicht nur Becker.

          Das ist heutzutage anders: Außer Schüttler kann das deutsche Tennis keinen Weltklassespieler, ob männlich oder weiblich, vorweisen, der für den gescheiterten Spitzenmann in die Bresche springen könnte. Thomas Haas, einst die Nummer zwei der Weltrangliste, kuriert noch immer in Florida seine zweimal operierte Schulter aus. Ob und wann er wieder bei Turnieren antritt, weiß wohl derzeit nicht einmal er selbst. Nicolas Kiefer, der in den frühen Morgenstunden deutscher Zeit gegen den Italiener Filippo Volandri spielte, ist als 58. der Branchenhackordnung der derzeit zweitbeste deutsche Tennisspieler. Dem Niedersachsen, 1999 mal kurz Viertbester seiner Zunft, drohte allerdings für den Fall eines Sieges in der zweiten Runde ein übermächtiger Gegner, der spanische French-Open-Sieger und Weltranglistendritte Juan Carlos Ferrero. Lars Burgsmüller (75.) und Tomas Behrend (103.) schieden am Montag ebenso aus wie die Qualifikantin Angelika Bachmann (203).

          Jeder Sport mit der Ausnahme des Volkssports Fußball ist auf deutsche Aushängeschilder angewiesen. Nur mit Stars aus dem eigenen Land läßt sich die Unterhaltungsware Sport an den Konsumenten, insbesondere den Fernsehzuschauer, bringen. In diesem Jahr läuft der Fernsehvertrag der ARD mit den Australian Open aus. Die Neigung, ihn zu verlängern, war ohnehin nicht groß. Mit Schüttlers Ausscheiden ist sie wohl gen Null gesunken.

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