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Kommentar : Irrtum inklusive

  • -Aktualisiert am

Mit Vorsicht ist zu genießen, daß so mancher schon Langeweile an der Tabellenspitze befürchtet, nur weil der Spitzenreiter ganz ungewohnt mal Bayern München heißt.

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          Natürlich müßte inzwischen jeder Fußballfan wissen, daß Prognosen gefährlich sind. Meist liegt man sowieso falsch und muß später krampfhaft das Thema vermeiden. Am besten natürlich dadurch, daß man auf die Vorhersage ablenkt, die eingetreten ist: Ich hab's doch damals schon gesagt.

          Zum Beispiel, daß der SC Freiburg mit Volker Finke den Abstieg nicht verhindern wird. Wer es vergessen hat, der sei daran erinnert, daß der Freiburger Trainer einer der meistgenannten Kandidaten war, als im Sommer ein Nachfolger für den verlorengegangenen Teamchef Rudi Völler gesucht wurde. Im Verlosungstopf war auch Jupp Heynckes, aber der Schalker Trainer lehnte gleich ab, weil er seine Aufgabe in Gelsenkirchen noch nicht als erledigt ansah. Da irrte er sich genauso wie die voreiligen Kritiker, die Lienen in Hannover schon entlassen sehen wollten oder Bielefeld als allerersten Abstiegskandidaten vorhersagten.

          Mit Vorsicht ist also zu genießen, daß so mancher schon Langeweile an der Tabellenspitze befürchtet, nur weil der Spitzenreiter ganz ungewohnt mal Bayern München heißt. Kaum hat es der Rekordmeister geschafft, seine nach 47 Spieltagen Abstinenz errungene Tabellenführung zu verteidigen, da beginnt schon das Wehklagen. Noch leise, aber vernehmbar: Wer soll bloß mit diesen tollen Münchnern mithalten, die daheim binnen einer Woche gegen Giganten der Auswärtsstärke wie den 1. FC Kaiserslautern und Maccabi Tel Aviv triumphierten und nun auch den Aufsteiger aus Mainz beherrscht haben? Genau so sollte man Hoeneß die Frage besser nicht stellen, aber der Bayern-Manager hat auch ungefragt verraten, wen die Münchner offenbar als potentiellen Gegner ausgemacht haben: den FC Schalke 04, und wenn es denn wirklich so kommen sollte, dann wird die Bundesliga alles, aber nicht langweilig.

          Hoeneß versus Assauer - da stehen der Bundesliga gehaltvolle Zeiten ins Haus. Assauer scheint nicht abgeneigt, denn überaus keß hatte der Herausforderer aus dem Westen die erste Runde eröffnet. "Sollen sie doch ein Bayern-Studio aufmachen und fetten Gänsen den Arsch schmieren" - wer so die Entscheidung des Fernsehens kommentiert, ein Bayernspiel live zu übertragen, macht sich keine Freunde in München. Zwar fiel die Rummenigge-Antwort - "Was kümmert es die Eiche, wenn sich eine Wildsau daran reibt" - vergleichsweise höflich aus, aber so souverän beginnt die Bayern-Zermürbungstaktik häufig. Erst wenn es irgendwann tatsächlich zwischen den beiden Vereinen um den Titel gehen sollte, wird die verbale Hoeneß-Walze auf Hochtouren laufen und nicht mehr zu bremsen sein. Und das ist keine Prognose, sondern ein Déjà-vu.

          Darauf wird auch Jörg Berger hoffen. Bei seiner letzten Großtat waren sie kurz davor, in Frankfurt ein Denkmal für ihn zu errichten. "Er hätte auch die Titanic gerettet", hatte Jan-Age Fjörtoft damals behauptet, als die Eintracht am letzten Spieltag auf wundersame Weise die Klasse hielt. Nun, so scheint es, kann Berger beweisen, ob sein norwegischer Stürmer damals richtiggelegen hat. In Rostock hat er die Titanic offenbar gefunden. Oder ankert sie etwa doch in Dortmund?

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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