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Kommentar : Gleiches Pech für alle

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Wasser zeigt oft Wirkung, wo man mit Worten nicht mehr weiterkommt. Aber die Tränen einer jungen Frau, in diesem Fall der Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf, oder die Schweißtropfen eines gestandenen Mannes, hier des Zehnkämpfers Mike Maczey, dürfen die Nominierungsrichtlinien nicht aufweichen.

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          Wasser zeigt oft Wirkung, wo man mit Worten nicht mehr weiterkommt. Aber die Tränen einer jungen Frau, in diesem Fall der Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf, oder die Schweißtropfen eines gestandenen Mannes, hier des Zehnkämpfers Mike Maczey, dürfen die Nominierungsrichtlinien nicht aufweichen. Diese harte Haltung, auf die sich Bernd Schubert als Cheftrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) nach dem Mehrkampf-Meeting in Ratingen (siehe obenstehenden Artikel) berufen hat, ist selbst für Betroffene leicht zu verkraften - falls sie konsequent vertreten wird. Auch gegen sogenannte sinnvolle Argumente, die es natürlich immer gibt.

          Ist es gerecht, daß Lilli Schwarzkopf als eine von nur zwei doppelten Normerfüllerinnen nicht nach Athen darf? Immerhin konnte die hochtalentierte Mehrkämpferin am letzten Mai-Wochenende in Götzis, wo Sonja Kesselschläger ihre erste Olympiaqualifikation geschafft hat, nicht starten. Weil sie nicht eingeladen war. Sie machte ihr vorolympisches Examen eine Woche später in Bernhausen - und konnte sich folglich eine Woche weniger erholen: sicher ein körperlicher Nachteil gegenüber den Konkurrentinnen, die in Ratingen ihren ersten Auftritt in dieser Saison hatten.

          Pech gehabt, liebe Lilli, gibt der DLV der aufstrebenden Athletin zu verstehen: Zweimal Olympianorm war ja nicht gefragt, sondern nur einmal in Ratingen. Richtig - aber dann auch bitte dabei bleiben und nicht, wie es Zehnkampf-Bundestrainer Claus Marek zunächst mit Mike Maczey abgesprochen hat, eine Woche später noch nachbessern dürfen. Der verdiente Kämpe kann sich zwar darauf berufen, daß er nach einer Verletzung im Frühjahr jeden einzelnen Tag Erholung braucht und sich erst am kommenden Wochenende beim Zehnkampf-Europacup in Tallinn startklar und konkurrenzfähig fühlt. Aber Gerechtigkeit für alle muß sein, weil niemand jedem einzelnen gerecht werden kann. Deshalb muß der DLV-Text für den bedauernswerten Mike Maczey - oder auch für den in Ratingen mit Schleimbeutelbeschwerden ausgestiegenen Athen-Aspiranten André Niklaus - der gleiche sein wie für die arme Lilli Schwarzkopf: Pech gehabt!

          hjo.

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