https://www.faz.net/-gtl-oh1a
 

Kommentar : Freundschaft mit Pferdefuß

  • Aktualisiert am

Wäre der Hengst eine Stute, alles wäre gut. Doch der Hengst ist ein Hengst, und zwar ein so guter, daß die Welt viele Fohlen von ihm will. Und damit fängt der Schlamassel an, in den der reichste Fußballklub der Welt geraten ist.Manchester ...

          2 Min.

          Wäre der Hengst eine Stute, alles wäre gut. Doch der Hengst ist ein Hengst, und zwar ein so guter, daß die Welt viele Fohlen von ihm will. Und damit fängt der Schlamassel an, in den der reichste Fußballklub der Welt geraten ist.

          Manchester United hat da nämlich ein Problem: Erfolgstrainer und Großaktionär waren so gut befreundet, daß der Aktionär dem Trainer ein halbes Pferd überließ. Nun sind sie spinnefeind, nachdem das Pferd mit sieben Siegen in Folge in Gruppe-I-Rennen zu einem Beckham unter den Galoppern wurde. Zu mehr sogar. Für Beckham erlöste United nur 25 Millionen Pfund. Für "Rock of Gibraltar" rechnen Experten mit einem Ertrag, wie ihn noch kein Kicker erbracht hat - vermutlich weil noch niemand die Idee hatte, Erbgut-Vermarktungsrechte in Fußballverträge aufzunehmen: 100 bis 200 Millionen Pfund an Deckprämien, steuerfrei. Davon will Alex Ferguson, Trainer des englischen Fußballmeisters, die Hälfte. Er zog vor Gericht, schlug einen Vergleich über sieben Millionen Pfund aus. John Magnier, der irische Milliardär, der mit seinem Partner J. P. McManus ein Viertel der Klubaktien hält und über seine Frau die andere Pferdehälfte, findet, Ferguson stehe neben fünf Prozent der Preisgelder nichts zu. Und nahm dessen Klage offenbar als Kriegserklärung.

          Es geht um viel Geld, mehr als der erfolgreichste Klubtrainer der Welt in 18 Jahren bei United verdient hat. Doch es geht auch um einen Kampf der Egos, die in ihren beiden Revieren - Englands Fußball, Irlands Turf- und Wettszene - noch jeden kleingekriegt haben. Nun haben sie sich ineinander verbissen wie Kampfhunde. Und der Klub jault auf. Magnier ließ Ferguson und dessen finanzielles Gebaren von Detektiven untersuchen, worauf Details von Spielertransfers publik wurden. Vor allem die Umwegfinanzierungen mancher Vermittlerhonorare schienen dubios, zumal Endabnehmer einiger Provisionen offenbar die Agentur von Fergusons Sohn Jason war.

          Um zu schlichten, kündigte United am Montag eine interne Untersuchung an. Dabei wird der Klub wenig echtes Interesse daran haben, Licht in die Transfer- und Vermittlergeschäfte zu bringen, mit denen sich selbst große börsennotierte Klubs oft immer noch in einer Grauzone bewegen. Doch der Großaktionär sieht hier offenbar den Hebel, um den großen Trainer kleinzukriegen. Er droht mit einer außerordentlichen Aktionärsversammlung und dem Auftrag an unabhängige Gutachter, die Transfers der vergangenen Jahre zu untersuchen; für den Fall, daß Ferguson den laut Presseberichten fertig verhandelten Neuvertrag über vier weitere Jahre bekommen sollte. Magnier will nur einem Einjahresvertrag zustimmen.

          Bei einer solchen Demütigung bliebe Ferguson ein letzter Trumpf: der empörte Rücktritt. Der Aktienkurs würde wohl einbrechen und Magnier und McManus, deren Anteile rund 175 Millionen Pfund wert sind, viel Geld kosten. Aber vielleicht käme ihnen das nicht ungelegen: um bei fallenden Kursen die rund fünf Prozent zuzukaufen, die als Voraussetzung für ein Übernahmegebot für den ganzen Klub noch fehlen. Sicher ist nur, daß niemand mehr sicher wäre in der Branche, wenn ein Ferguson fiele. Fußball als Ereigniskarte im großen Monopoly, passé die Regel, daß Erfolge zählen: Es zählt, aufs richtige Pferd zu setzen.

          Weitere Themen

          Das besondere Happy End des Owen Wright

          Surfen bei Olympia : Das besondere Happy End des Owen Wright

          Italo Ferreira gewinnt die olympische Premiere des Surfens. Im Fokus steht aber Owen Wright, der vor sechs Jahren um sein Leben kämpfen musste. Sein Leidensweg findet nun in der „Badewanne“ ein Ende.

          Topmeldungen

          Krisenmanagement : Was man aus der Katastrophe lernen kann

          Nach der Flut mehren sich Stimmen, die fragen, wie man in Zukunft mit Katastrophen umgehen sollte. Es brauche moderne Tieflader, Bagger und Hubschrauber, sagt ein Krisenmanager. Das Kernthema bleibt aber das Training.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.