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Kommentar : Die falschen Sieger

  • -Aktualisiert am

Nicht einmal mehr ein tragischer Held: Martin Schmitt Bild: dpa

Den Skispringern verdankt der Verband neun Zehntel seiner Einnahmen, sie versorgen mit ihren RTL-Millionen alle andere Disziplinen mit. Doch bei der WM gewinnen die Langläufer und Kombinierer - ein Problem für den DSV.

          Der Deutsche Skiverband (DSV) hat, stark zugespitzt formuliert, ein neues Problem: die falschen Sieger. Seine Haupteinnahmequelle ist das Fernsehen. Auf der einen Seite sorgt dies für Unabhängigkeit von öffentlichen Mitteln, die in Zukunft für den Sport insgesamt sparsamer fließen werden. Auf der anderen Seite besitzt der Verband in RTL einen Geldgeber mit einem, zumindest bislang, ganz speziellen Interesse: Skispringen - sonst nichts.

          Um den großen Rest dürfen sich andere Sender kümmern. Dies bedeutet, die Sparte Springen muß erfolgreich sein, sehr erfolgreich. Sie soll Stars und Siege produzieren, um in einer bestimmten Zielgruppe hohe Marktanteile für RTL zu erreichen. Schließlich ist sie ja die „Formel 1 des Winters“. Michael Schumacher als Verlierer? Bloß nicht dran denken. Aber genau das ist dem DSV mit Hannawald, Schmitt und Co. bei den nordischen Weltmeisterschaften in Val di Fiemme passiert.

          Den Springern die Last von den Schultern nehmen

          Das „Paket Deutschland“ - die Springer bedienen sich gerne der Formel-1-Jargons - kam nicht bis zum vorgesehenen Bestimmungsort. Die Olympiasieger als geschlagene Athleten. Martin Schmitt, der als Schlußspringer in Salt Lake City die Goldmedaille mit einem Zehntelpunkt Vorsprung sicherte, war diesmal schwach und blaß, fühlte sich getrieben von öffentlichen Erwartungen und Sponsorenverpflichtungen; nicht einmal mehr ein tragischer Held.

          Dagegen die Langläufer um Evi Sachenbacher und Axel Teichmann, die Kombinierer um Ronny Ackermann - alles strahlende Gewinner. Aber daß sie künftig die Galionsfiguren für den Sender RTL werden, ist nur schwer vorstellbar. „Wir werden mal mit unserem Partner reden“, hieß es im Verband am Montag am Rande der Weltmeisterschaften. Nämlich darüber, wie man auch bei RTL die breite Palette der starken DSV-Disziplinen besser unterbringen und damit den Springern etwas Last von den Schultern nehmen könnte.

          Furcht vor einer schnellen Trennung

          Ihnen verdankt der Verband neun Zehntel seiner Einnahmen, sie versorgen alle andere Disziplinen mit. Man kann einem privaten Fernsehsender seine Geschäftspolitik überhaupt nicht vorwerfen. Schließlich muß er das Geld ja erst einmal erwirtschaften, daß er bis zum Jahr 2007 an den DSV zahlt, in der Summe über siebzig Millionen Euro.

          Als RTL am Neujahrstag 2000 mit seinen Skisprung-Übertragungen begann, stand man gerade am Beginn eines Booms dieser Sportart. Am Sonntag in Predazzo hat die Erfolgskurve einen Knick bekommen. Wie schnell der Sender bereit ist, sich von Inhalten zu trennen, die an Wert verlieren, zeigt der Verzicht auf Boxen nach dem Abschied von Henry Maske oder auch der angekündigte Rückzug bei der Champions League.

          Skispringen muß so schnell wie möglich neue Erfolgsgeschichten liefern, sonst wird man in Köln wohl ungeduldig. Es wird eine spannende Aufgabe für den DSV, die von den Skispringern erwirtschafteten Mittel so einzusetzen, daß deren Schwächen beseitigt, aber gleichzeitig die Stärken der übrigen nordischen Abteilung erhalten werden.

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