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Kommentar : Das Eis ist heiß

  • -Aktualisiert am

Mannhaft: Lukaschenka beim Sport Bild: LAIF

Die Eishockey-WM 2014 ist an Weißrussland vergeben worden - ins Reich der Folter, Willkür-Urteile und Genickschüsse. Das ist eine politische Handlung der Beschränktheit von Sport-Funktionären.

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          Gut, dass Eishockeyfunktionäre so beschränkt sind. Wären sie umsichtig und verantwortungsbewusst, hätten sie ihre Weltmeisterschaft 2014 nämlich nicht nach Weißrussland vergeben, ins Reich der Folter, Willkür-Urteile und Genickschüsse.

          Und kein Mensch würde jetzt fragen, ob der internationale Sport eigentlich richtig tickt. Ob er wirklich so schmerzfrei ist, dass er nicht merkt, wenn sich prestigesüchtige Diktaturen mit ihm tarnen, ihre politischen Systeme aufwerten und ihr ökonomisches Potential demonstrieren wollen. Ob er wirklich so blind ist für seine eigene Wirkung, dass es ihm gleichgültig ist, wer seine Großereignisse zahlt, Hauptsache, es lohnt sich.

          Beschränktheit der Eishockey-Funktionäre

          Wissen die Leute, die einst die Eishockey-WM an Lukaschenka-Land vergeben haben, wirklich nicht, dass man für alles, was man bekommt, auch einen Gegenwert liefern muss? Und dass Leute wie der Diktator von Weißrussland ganz wild darauf sind, solche Ereignisse in ihr Land zu holen, weil sie sich dadurch als anerkannte Mitglieder der internationalen Gemeinschaft fühlen können?

          Von der Politik missbraucht: Die Eishockey-WM findet 2014 in einer Diktatur statt

          Wir müssen dankbar sein für die Beschränktheit der Eishockey-Funktionäre. Womöglich wäre ohne diese Auffrischung über den Olympischen Spielen dieses Jahr in London die Demütigung ganz in Vergessenheit geraten, die Chinas Diktatur im Jahr 2008 dem internationalen Sport zugefügt hat. Man hat die Athleten damals in Peking nach Herzenslust laufen und springen lassen, sich in einem wochenlangen Welt-Werbespot als jung, effektiv und dynamisch gefeiert, und gleichzeitig das Internationale Olympische Komitee an der Nase durch seine eigene Arena geführt.

          Warnendes Beispiel Peking

          Nicht einmal die blutige Niederschlagung der Aufstände in Tibet durften die Olympier kritisieren, und auch die Athleten wurden zum Schweigen verdonnert. Ein Welt-Maulkorberlass - welch ein Traum für eine Diktatur! Man hoffe darauf, ließen die Olympier damals lediglich wissen, dass der scharfe Blick der internationalen Beobachter die Chinesen ganz von selbst dazu bringen werde, ihre Missachtung von Menschenrechten zu hinterfragen. So kam es aber nicht. Stattdessen verdoppelten sie im Jahr 2008 die Zahl ihrer vollstreckten Todesurteile.

          Wahrscheinlich werden die Sportfunktionäre jetzt wieder so tun, als stünden sie über der Politik und seien so eine Art schwitzender Vatikan. Aber die Vergabe der Eishockey-Weltmeisterschaft an Weißrussland war eine politisch relevante Handlung. Sie hätten es wissen müssen. Und in Wirklichkeit wissen sie es auch.

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