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Kommentar : Contes Beichte

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Die Fernseh-Beichte von Victor Conte, einem der Köpfe des nordamerikanischen Doping-Netzwerks, zu beurteilen fällt leicht, was dessen Anschuldigungen gegen Marion Jones und Tim Montgomery betrifft: Endlich ...

          Die Fernseh-Beichte von Victor Conte, einem der Köpfe des nordamerikanischen Doping-Netzwerks, zu beurteilen fällt leicht, was dessen Anschuldigungen gegen Marion Jones und Tim Montgomery betrifft: Endlich packt einer aus, legt alles auf den Tisch, macht Schluß mit Lug und Trug! Weitere Reaktion: Das haben wir schon immer geahnt, aber erst jetzt haben wir den Kronzeugen!

          Zu den persönlich gehaltenen Enthüllungen kommen noch ganz grundsätzliche Vorwürfe Contes, die man nicht ohne weiteres akzeptieren mag. Alle Weltrekorde seien mit verbotenen Mitteln zustande gekommen, die Anti-Doping-Bestimmungen babyleicht zu umgehen und die Olympia-Historie ein einziges großes Betrugsmanöver. Die Äußerungen zu Jones und Montgomery bereitwillig zu glauben, die übrigen Einlassungen dagegen als Wichtigtuerei, Übertreibung oder Falschaussage abzutun, fällt nicht so leicht.Sicherlich, Conte dürfte alles unternehmen, um in den anstehenden Strafverfahren die eigene Haut zu retten, glimpflicher davonzukommen nach dem Motto: Ich bin doch nur ein kleines Rädchen im der großen Betrugsmaschinerie! Und wenn seine Behauptungen doch stimmen?

          "Doping ist kein Betrug, wenn es alle tun. Und wenn sie das Wissen haben, daß es das ist, was alle tun, und daß dies die eigentlichen Regeln des Spiels sind: Dann betrügen sie nicht." Die Dummen sind dann nur noch die Unwissenden; die begeisterungsfähigen Zuschauer, die idealistischen Journalisten sowie die gutgläubigen Förderer des Sports aus Politik und Wirtschaft. Darüber nachzudenken heißt, sich den Spaß an einem Sportwochenende vollends verderben zu lassen. Auf deutsche Erfolge, wie auf der winterlichen Bühne von Trondheim bis Bern, fällt auf diese Weise der Schatten des Zweifels. Die Athleten sagen, sie wären sauber und würden ständig kontrolliert. Was soll, was darf man noch glauben?

          "Kurz gesagt: Die Olympischen Spiele sind Betrug", so Conte. "Es ist fast so, als wäre ich hier, um ihnen zu sagen, daß es den Weihnachtsmann nicht gibt, aber auch keinen Osterhasen. Die ganze Geschichte der Olympischen Spiele ist einfach voll mit Korruption, Verheimlichung und Doping. Es ist nicht das, was die Welt glaubt."

          Contes TV-Auftritt ist zum Glück nicht der Schlußpunkt der Affäre gewesen: Sportverbände und Gerichte haben die Chance und die Verpflichtung zur völligen Aufklärung.

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