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Kommentar : Auf der Suche nach einem neuen Ziel

  • -Aktualisiert am

Nachdenklich: Martin Schmitts beste Jahre liegen wohl hinter ihm Bild: dpa

Bis 2001 feierte Martin Schmitt Triumphe in Serie. Doch dann stürzte der Skispringer in ein chronisches Leistungstief. Lange kämpfte Schmitt darum, dass es wieder so wird wie früher. Doch seine grundsätzlichen Probleme scheinen zu groß.

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          Es mag auf den ersten Blick ein bisschen gewollt wirken, Lars Ricken und Martin Schmitt zu vergleichen. Aber es gibt Karriere-Parallelen zwischen dem Fußballprofi und dem Skispringer. Zum Beispiel spielt das Jahr 1997 für beide eine große Rolle; Ricken wurde damals mit seinem unvergesslichen Champions-League-Tor bei der ersten Ballberührung nach der Einwechslung im Münchner Finale zum Dortmunder Fußball-Helden.

          Im selben Jahr erlebte Schmitt seine WM-Premiere, in Trondheim in Norwegen; bis 2001 feierte er dann Triumphe in Serie. Auch als Kritiker der Mechanismen der Sportbranche fielen beide auf, mit starken Worten hielten sie sich nie zurück. Auf der anderen Seite nahmen sie gerne mit, was der Profizirkus ihnen (finanziell) zu bieten hatte.

          Zweitklassiger Continental-Cup statt Weltcup

          Irgendwann aber entsprachen ihre Leistungen nicht mehr dem Bild der strahlenden Stars. Ricken landete in der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund, nun wird er als Fußballprofi aufhören und sich auf eine Laufbahn in der Verwaltung seines Vereins vorbereiten. Ein kluger Schritt in ein neues, selbstbestimmtes Leben.

          So weit, an den Abschied zu denken, ist Schmitt noch nicht, obwohl sich die Zeichen mehren, dass seine beste Zeit wirklich vorbei ist. In Trondheim, wo er vor einem Jahrzehnt ins Rampenlicht trat, wurde er von Bundestrainer Peter Rohwein kürzlich nach verpasster Qualifikation dazu degradiert, als Vorspringer Praxis zu sammeln. Am Wochenende darf Schmitt nicht beim Weltcup im schweizerischen Engelberg - der Generalprobe für die Vierschanzentournee - dabei sein, sondern muss beim zweitklassigen Continental-Cup zur Eröffnung der neuen Schanze in Partenkirchen antreten.

          Er gehörte nicht zur Weltspitze, er war die Weltspitze

          Das sind keine populären Maßnahmen, doch Rohwein muss handeln, um sich nicht weiter dem Vorwurf auszusetzen, den durch eine Erkrankung zusätzlich geschwächten Schmitt wider besseres Wissen zu hofieren und den Nachwuchs zu blockieren. Vier Jahre lang gehörte Martin Schmitt im Skispringen zur Weltspitze, genauer, er war die Weltspitze. Länger kämpft der viermalige Weltmeister nun schon darum, dass es wieder so wie früher wird.

          Es ist unwahrscheinlich, dass sich seine Hoffnungen noch einmal erfüllen. Immer wieder sprach Schmitt nur von kleinen Fehlern, die abzustellen seien. Irgendwann konnte er nicht mehr wegreden, dass er grundsätzliche Probleme hat, technisch, athletisch. Schmitt ist auf der Suche - nach der Form auf der Schanze, wie er behauptet. Womöglich sucht er aber einfach verzweifelt nach einem neuen Ziel im Leben, bevor er als Sportler zurücktritt.

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