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Klettern : Cliffhanger in Aktion

  • -Aktualisiert am

Bouldern - jeder Muskel bis aufs Aüßerste gespannt Bild: messe münchen / schelbert

Ohne Seil kletterten die Boulder-Cracks beim Weltcup auf der internationalen Sportmesse in München. Doch was ist Bouldern eigentlich? FAZ.NET klärt auf.

          2 Min.

          Wer kennt sie nicht, die Szene aus den James Bond Filmen, in denen 007 über dem endlosen Felsabgrund baumelt. Sein Körper hängt schon in der Luft - nur noch mit zwei Händen krallt er sich an einem Felsblock fest. Da droht auch schon die eine Hand abzugleiten, doch mit letzter Kraft schafft es der Held seinen linken Fuß am Ohrläppchen vorbeizuführen und seinen Körper langsam auf den Felsen zu schieben. Die Kameraführung geht in den kilometerlangen Abgrund. Gerettet!

          Wer glaubt, solche Szenen gäbe es nur im Film, der wurde auf der ISPO 2001 eines besseren belehrt. Denn am 21. und 22. Juli trafen sich in der Halle B 6 die besten männlichen und weiblichen Cliffhanger der Welt, um einen Boulder-Weltcup auszutragen. Boulder heißt auf Deutsch Felsblock, das Bouldering eine Klettersportart, die ohne Seil durchgeführt wird.

          Erst überlegen, dann klettern

          Neben den natürlichen Felsvorsprüngen gibt es in Kletterhallen künstliche Boulder aus einem Holz-/Harzgemisch, die den Vorteil haben, dass eine dicke Turnhallenmatte am Boden liegt, die den Abgestürzten weich auffängt. In der Halle wurden drei pilzartige Boulder aufgebaut. Jeder Pilz hat vier Kletterseiten mit unterschiedlichen Griffen und Tritten für Füße und Hände. Wettkampfziel ist es, die oberste Markierung mit der Hand zu erreichen, oder wenigstens die Zwischenmarkierung in der Mitte, die auch noch ein paar Punkte abwirft.

          Ertönt der Startpfiff, haben vier Boulderer fünf Minuten Zeit, sich aus eigener Kraft an den vier Seiten des Kletterpilzes drei Meter in die Höhe zu ziehen. Dafür braucht es Konzentration: Die Strategie für den Weg nach oben muss vorher genau im Kopf überlegt werden. Hängt der Kletterer erst einmal mit seinem Körper auf der linken Seiten des Boulders, der Weg nach oben führt aber rechts vorbei, dann ist es für ihn/sie dumm gelaufen und es bleibt nur der abgefederte Sturz auf die Matte. Dort bietet sich dann die Möglichkeit, es noch einmal mit der sturen Wand aufzunehmen oder aber den nächsten Boulder zu nehmen.

          Weltspitze an den Pilzen

          Klar, dass da viel Taktik im Spiel ist, denn die Kräfte müssen ausreichen, um die zwanzig Seitenwände der fünf künstlichen Felsnachbauten zu erklimmen. Es macht keinen Sinn, sich die Zähne an einem unbezwingbaren Boulderproblem auszubeißen. Besser ist es dann, die Pause gut zu nutzen und sich an der nächsten Kletterseite mit voller Energie nach oben zu hangeln und so das Ziel zu erreichen.

          In München wollten 49 Männer und 24 Frauen die Zielmarkierung abklatschen, die meisten von ihnen gehörten zur absoluten Weltspitze in diesem Sport. Je zwanzig von ihnen kamen ins Finale am 22. Juli. Auffällig viele Finalisten waren Franzosen, denn dort ist Wettkampfbouldern eine beliebte Sportart.

          So dominieren die französichen Kletterer das Gesamtbild sowohl in der Herren- also auch in der Damenrangliste, wie zum Beispiel Jérome Meyer, der auf Platz vier des World Cups landete und Sandrine Levet, die den World Cup bei den Damen gewann. Auch zwei Deutsche sind in der Ergebnisliste von München zu finden. Tanja Bauer zeigte beim World Cup in München eine beeindruckende Leistung und kam auf Platz acht und die 22-Jährige Nicola Haager belegte den zehnten Platz. Sieger bei den Herren wurde jedoch kein Franzose, sondern erwartungsgemäß der Favorit Chris Sharma aus USA.

          „Nicht gefährlicher als Skifahren“

          „Dieser Sport ist enorm anstrengend. Nach zwei Stunden Bouldern ist man völlig erschöpft.“ Dr. Wolfgang Wabel vom Deutschen Alpenverein ist überzeugt von der Zukunft dieses Sports. „Das Schöne ist die Unkompliziertheit. Du gehst nach dem Büro mit deinen Wanderschuhen los und das war ´s schon an Ausrüstung. Keine dicke Gepäcktasche.“

          Kletterhallen mit Bouldern gibt es inzwischen in ganz Deutschland und auch in der Natur finden sich genügend Felsbrocken, sie sich zum Üben eignen. Zur Vorbereitung auf diesen Sport muss man vor allen Dingen eines tun: Klettern. „Und noch ein paar Kraftübungen - aber das Bouldern selbst ist das beste Training, wenn man in diesem Sport gut werden will“, erklärt Dr. Wolfgang Wabel. Mit dem Risiko sich bei einem falschen Schritt den Fuss zu vertreten, muss man rechnen, nicht aber damit sich den Hals zu brechen. „Bouldern ist nicht gefährlicher als Skifahren.“

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