https://www.faz.net/-gtl-2nv6

Kirchentag : „Ja gut. Schalke ist natürlich Religion“

  • -Aktualisiert am

„Sport”-Talkrunde beim Kirchentag Bild: dpa

Schalke-Manager Rudi Assauer und der Bremer Willi Lemke stellt sich auf dem Kirchentag zur Ethikdiskussion im Sport. Thema: „Die Würde des Menschen ist antastbar“.

          Wieviel Talkrunden über Fußball gibt es eigentlich in Deutschland? Jede Menge. Die wunderbarsten finden für gewöhnlich im Deutschen Sportfernsehen (DSF) statt, dort trifft man sich zum „Doppelpass“, bei der „Viererkette“ oder „Auf Schalke“. Und weil Fußball allgegenwärtig ist, darf er auch beim Evangelischen Kirchentag in Frankfurt nicht fehlen.

          Über die „Würde des Körpers“ sollte gesprochen werden in der Diskussionreihe Sport und Religion, das ist ein schönes Thema. Zuerst versuchten sich daran eine „Miss World Fitness“, eine Perfomancekünstlerin, die Gummibäume bestickt, der Herausgeber eines Laufmagazins und eine Buchverlegerin. Die Aufgabe für dieses Quartet: Sich zu unterhalten zum Thema: „Die Würde des Körpers ist ertastbar“.

          Ethikdiskussion als Nullrunde

          Der Begriff Nullrunde steht gemeinhin für ergebnislose Anstrengungen. Natürlich ist alles sinnlich, ertastbar und ganz bewusst, irgendwie ein Stück weit zumindest. Was für ein Quatsch.

          Glücklicherweise gibt es richtige Profis, die so einen Quatsch so präsentieren können, dass man glaubt, sie sagen etwas wirklich Wichtiges. Rudi Assauer ist Manager des Fußball-Bundesligavereins Schalke 04, Willi Lemke war mal in der gleichen Position bei Werder Bremen angestellt, wirkt jetzt als Bildungssenator der Hansestadt.

          Wer sich regelmäßig den Quasselbuden á la „Doppelpass“ aussetzt, der gleitet auch sicher durch ein Thema das heißt: „Die Würde des Körpers ist antastbar.“ Man hatte den beiden als Moderator den Frankfurter Sportjournalisten und künftigen DFB-Pressechef Harald Stenger beiseite gestellt und als Mittalkerin die Münchner Pfarrerin Brigitte Enzner-Probst.

          Zwischen Fair-Play und Erfolgsdruck

          Und dann ratterten sie los, die beiden Fußballmanager, korrekt in Sakko und Krawatte, während im Parkett das jugendliche Publikum auf Pappkartons saß und dankbar klatschte, als sie hörten dass „99 Prozent der Profis nicht absichtlich foulen“ (Assauer), dass Fair-Play trotzdem manchmal nur „ein Lippenbekenntnis ist“ (Lemke), dass Erfolgsdruck das „beste ist, was ein Fußballspieler spüren kann“ (wieder Assauer).

          Und was ist mit dem vielen Geld im Profisport? Das gibt es wohl, „aber während des Spiels denken die Profis nicht daran“, sagte Assauer und versicherte, dass die Schalker Mannschaft auf die Meisterschaftsprämie verzichtet hätte, wenn sie doch noch den Titel gewonnen hätte. Und das fand Harald Stenger „superehrlich“. Und sonst?

          Willi Lemke fand, dass Bundesligaprofis Vorbilder sein müssen und schimpfte über das notorische Spucken in den Stadien. Das machten die jungen Leute dann nach. Schlimm. Glücklicherweise sind die Bundesligaprofis in Sachen Doping keine Vorbilder, „denn Doping ist kein Problem der Bundesliga“, betonte Lemke. Was verboten sei, sei ja geregelt. Und im Fußball bringe ja Doping sowieso nichts. Widerspruch? Nein.

          Fußball eine Ersatzreligion ?

          Nächstes Thema. Und endlich wurde auch Brigitte Enzner-Probst angespielt. Fußball sei doch auch eine Art Ersatzreligion? Ja, aber sicher. Wie ein gutes Ritual sei ein gutes Spiel. Ein guter Beginn, ein guter Mittelteil, ein gutes Ende. Alles gut. Und was ist denn nun Fußball, Herr Assauer? „Ja, gut. Schalke ist natürlich Religion.“ Natürlich für Schalker Fans. Und deswegen gibt es ja im neuen Superstadion eine Kapelle, wo man sich trauen lassen kann und die Babys taufen.

          Frau Enzner-Probst wirkte dann langsam irritiert, brachte sich aber noch einmal mit der warmen Frage zurück ins Spiel und wollte wissen, ob denn die Spielerfrauen so einfach die vielen Vereinswechsel ihrer Männer mitmachten? Man sei doch verwurzelt, irgendwie.

          In diesem Moment wirkte Rudi Assauer so, als bräuchte er sofort ein kaltes Bier. Aber er lächelte mit seiner ganzen Smartheit und parierte diese Naivität dem kühlen Hinweis auf verbesserte Einkommens- und Arbeitsmöglichkeiten. Das sei eben im Profifußball so. Und auch in anderen Berufen. Frau Enzner-Probst nickte. So ist das also.

          Dann wurde es langsam stickig in der Frankfurter Eissporthalle. Schnell noch einen Standardhinweis von Willi Lemke, dass die Spieler unter rassistischen Beschimpfungen sehr litten. „Aber pfeifen gehört zum Fußball. Das ist nicht schlimm.“ Im Hintergrund machte sich derweil die nächste Tanzgruppe warm. Noch Fragen? Nein. Willi Lemke flog dann förmlich aus der Halle. Frau Enzner-Probst sonnte sich noch ein wenig in der Aura von Rudi Assauer. Viel Zeit blieb ihr nicht. Die Termine. Ja. Gut, dass man aber mal geredet hat. Über was? Egal. Abpfiff. Das nächste Spiel ist sowieso das schwerste.

          Weitere Themen

          Abteilung Torwartverteidiger

          Hoeneß versus ter Stegen : Abteilung Torwartverteidiger

          Das Schauspiel um die deutschen Torhüter geht weiter: Uli Hoeneß macht sich in einem Fernsehinterview die Welt, wie sie ihm für Bayern-Torwart Manuel Neuer gefällt. Er fordert unter anderem von süddeutschen Medien mehr Rückhalt und droht dem DFB.

          Topmeldungen

          Björn Höcke beim Wahlkampfauftakt der AfD Thüringen

          AfD-Wahlkampf in Thüringen : „Extrem bürgerlich“

          Beim Wahlkampfauftakt der Thüringer AfD in Arnstadt versucht die Partei, sich ein bürgerlich-konservatives Image zu geben. Doch vor allem die Aussagen eines Redners lassen daran Zweifel aufkommen – und es ist nicht Björn Höcke.

          Hoeneß versus ter Stegen : Abteilung Torwartverteidiger

          Das Schauspiel um die deutschen Torhüter geht weiter: Uli Hoeneß macht sich in einem Fernsehinterview die Welt, wie sie ihm für Bayern-Torwart Manuel Neuer gefällt. Er fordert unter anderem von süddeutschen Medien mehr Rückhalt und droht dem DFB.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.