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Kirch-Krise : Hersteller beraten über Formel-1-Zukunft

  • Aktualisiert am

Fällt die Formel 1 in die Hände der Hersteller? Bild: dpa

Nach der Insolvenz der Kirch Media soll bei einem Treffen am Rande des Großen Preises von San Marino über die Zukunft der Formel 1 beraten werden.

          Bei einem nach Brancheninfos avisierten Treffen der Autohersteller am Rande des Großen Preises von San Marino soll am Wochenende über die Zukunft der Formel 1 nach der Kirch-Pleite beraten werden.

          Der mit 6,5 Milliarden Euro verschuldete Konzern bemüht sich sichtlich um Ruhe. „Im Augenblick gibt es keine aktuelle Entwicklung in Sachen Formel 1. Weitere Kommentare geben wir nicht ab“, sagte Kirch-Sprecher Hartmut Schulz.

          Dem Kirch-Konzern gehören über seine bisher nicht von der Insolvenz betroffenen Beteiligungsgesellschaft über 60 Prozent an der Formel-1-Vermarktungsgesellschaft Slec. 16,7 Prozent von Slec mit einem Buchwert von 256 Millionen Euro stehen offiziell in der Bilanz des von Kirch protegierten Programmhändlers EM.TV.

          Kauft Ecclestone Anteile zurück?

          Diese Beteiligung ist jedoch bei Banken als Sicherheit für Kirch-Millionenkredite verpfändet. Im Insolvenzverfahren könnte das Slec-Paket an die Gläubiger gehen und später möglicherweise zum Verkauf stehen. Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone, der noch 23 Prozent an Slec hält, soll angeblich bereits Interesse an einem Rückkauf der Anteile für 800 Millionen Euro angemeldet haben. Der Verkauf an Kirch hatte zuvor 1,6 Milliarden Euro eingebracht.

          „Das ist ein phantastische Gelegenheit für Bernie und die Autohersteller, 75 Prozent von Slec für einen niedrigen Preis zu bekommen“, sagte eine Formel-1-Insider der Nachrichtenagentur „Reuters“. Eine Beteiligung der Autohersteller könnte auch den Streit um eine angedrohte Konkurrenzserie zur Formel 1 ab 2008 entschärfen. „Jeder muss bedenken: Die Summe von zwei Parallel-Meisterschaften wäre nicht so viel wert wie eine Serie“, sagte Präsident Max Mosley als Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA der „Welt“.

          Offizielle Dementis

          Die Automobilhersteller fordern für ihr Rieseninvestment schon seit längerem einen größeren Anteil an den Vermarktungserlösen der Formel 1. Als Druckmittel dient die nach dem Auslaufen des Concorde-Agreements der Formel 1 Ende 2007 mögliche Hersteller-WM. Dies hätte allerdings Rieseninvestitionen zur Folge - eine direkte Investition in Formel-1-Rechte dürfte wesentlich billiger sein.

          Offiziell lehnen die direkt oder indirekt involvierten Autohersteller Mercedes, Fiat (Ferrari), Renault, Ford (Jaguar), Toyota und Honda einen direkten Kauf der Slec-Anteile von Kirch derzeit noch ab - möglicherweise um den Preis weiter zu drücken. „Wir sind an den Anteilen nicht interessiert“, hatte BMW-Entwicklungvorstand Burkhard Göschel noch im März erklärt.

          Willkommener Investor

          Beim anstehenden Geheimtreffen in Imola (BMW-Motorsportdirektor Gerhard Berger: „Ich habe von dem Meeting gehört, will es aber nicht kommentieren“) dürfte darüber neu geredet werden. Die Autohersteller wären sicher auch für die FIA ein willkommener Investor, falls die Slec-Anteile - wie von Wirtschaftsexperten erwartet - wirklich zum Verkauf stehen.

          „Wir haben das über 100 Jahre getroffene Abkommen mit Slec, in dem Restriktionen für den Verkaufsfall festgeschrieben sind“, meint FIA-Chef Mosley. Derzeit sei durch ein Abkommen der Anteilseigner Bernie Ecclestone mit der Vermarktung der Formel-1-Rechte beauftragt.

          Auch nach der Kirch-Pleite werde es in der Premium-Rennsportserie ohne negativen Folgen weiter gehen. Mosley: „Irgendjemand wird die TV-Rechte der Formel 1 vermarkten. Das ist ein attraktives Produkt.“

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