https://www.faz.net/-gtl-84w76

Qual der Wahl für U21 : Volland will lieber EM spielen

  • Aktualisiert am

Größter Fußball-Erfolg für westdeutsche Männer bei Olympia: Bronze 1988 Bild: dpa

Für Klinsmann war die Teilnahme 1988 ein Höhepunkt seiner Karriere, doch er bildet eher die Ausnahme. Volland würde 2016 lieber bei der EM mitspielen. Olympia und Fußball - das sind zwei paar Schuhe.

          Auch als Kabinen-DJ Leonardo Bittencourt die „Samba do Brasil“ einwarf, kam bei den Mannschaftskollegen nicht wirklich Partystimmung auf. Rio de Janeiro war für die deutschen Fußball-Junioren nach der historischen Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 noch zu weit weg. Erstmals seit 1988 nimmt ein deutsches Team an einem olympischen Fußball-Turnier teil. Dennoch überwog zunächst die naheliegende Erleichterung, das Halbfinale bei der U21-EM nach einem nicht gerade souveränen 1:1 (0:0) gegen Gastgeber Tschechien erreicht zu haben.

          In die Zukunft geblickt, würde sich Kapitän Kevin Volland für die A-Nationalmannschaft und die Teilnahme an der Fußball-EM 2016 entscheiden. „Wenn ich die Möglichkeit bekomme, bei der EM mitzuspielen, wäre das ein Traum“, sagte der Kapitän. „Ich will mich auf den Verein und die A-Nationalmannschaft konzentrieren“, betonte Volland. Die EM findet vom 10. Juni bis 10. Juli in Frankreich statt, die Spiele in Rio vom 5. bis 21. August.

          Ein „Höhepunkt“ der Karriere für Klinsmann

          Zuletzt war eine deutsche Fußball-Mannschaft 1988 bei Olympia dabei. Jürgen Klinsmann beschreibt die damalige Teilnahme in Seoul als einen „Höhepunkt“ in seiner Karriere. Für Chefcoach Hannes Löhr war der Gewinn der Bronzemedaille ein „außergewöhnlicher Moment“. Neben Klinsmann standen auch Frank Mill und Wolfram Wuttke im 20-köpfigen Kader. Alle drei waren wenige Wochen zuvor auch bei der EM-Endrunde unter Teamchef Franz Beckenbauer dabei. Dazu kamen Thomas Häßler, Holger Fach und Karl-Heinz Riedle, die zwei Wochen vor der Abreise nach Südkorea in der Nationalelf debütierten.

          Laut Reglement dürfen beim olympischen Fußball-Turnier drei Spieler über 23 Jahre alt sein. Darauf hatte sich das Internationale Olympische Komitee mit dem Fußball-Weltverband Fifa verständigt, der kein Gegenprodukt zu seiner WM-Endrunde haben wollte. Durch die kleine Ausnahme konnten schon einige Stars auch im fortgeschrittenen Alter ihren Olympia-Traum verwirklichen.

          Lahm, Mertesacker und Klose zu Olympia?

          2012 führte der damals 38-jährige Waliser Ryan Giggs die britische Mannschaft an. Spanien bot die beiden frisch gekürten Europameister Javi Martinez und Juan Mata auf. Bei Uruguay stürmte das Traumduo Luis Suárez und Edinson Cavani, während für Brasilien der gestandene Verteidiger Thiago Silva zum Einsatz kam. Genutzt hat es nichts, Olympiasieger wurde Mexiko.

          EM oder Olympia? Für Volland wäre die Wahl klar

          In Peking 2008 gehörten Ronaldinho (Brasilien), Roy Makaay (Niederlande) und Roman Riquelme (Argentinien) zu den großen Attraktionen des Turniers. Und vier Jahre zuvor in Athen schickte Argentinien Roberto Ayala, Kily Gonzalez und Gabriel Heinze aufs Feld und holte Gold.

          Hrubesch will erst mal die Jüngeren fragen

          Für die Spielen 2016 sollen nun die Weltmeister Philipp Lahm, Per Mertesacker und Miroslav Klose Interesse bekundet haben. „Ich werde erstmal die Spieler fragen, mit denen ich das Ziel hier erreicht habe“, sagte Trainer Horst Hrubesch und fügte mit Blick auf die drei Weltmeister an: „Vorstellen kann ich mir alles, ob es dann so kommt, weiß ich noch nicht.“

          Generell dürfen nur Spieler aus den Geburtsjahrgängen bis 1993 teilnehmen. Volland gehört zu den acht Spielern im Junioren-Kader, die Jahrgang 1992 sind und somit nicht automatische teilnahmeberechtigt bei den Olympischen Fußballspielen. Auch Marc-André ter Stegen, Bernd Leno, Robin Knoche, Julian Korb, Felix Klaus, Moritz Leitner und Yunus Malli haben aus dem U21-EM-Kader die Olympia-Altersgrenze überschritten.

          Deutsche Fußball-Bilanz bei Olympischen Spielen

          Olympische Spiele waren für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) keine Erfolgsgeschichte. An 14 der 23 Turniere nahmen deutsche oder bundesdeutsche Mannschaften gar nicht erst teil oder sie scheiterten in der Qualifikation. Nur 1988 gewann die aus Profis gebildete Mannschaft Bronze.

          Besser schnitten die Staatsamateure aus dem Osten Deutschlands. Die erste Medaille gewann eine DDR-Auswahl 1964, nach dem sie sich zuvor gegen eine bundesdeutsche Mannschaft in der Qualifikation durchgesetzt hatte. Bei den Olympischen Spielen in München 1976 kam es zum Aufeinandertreffen der beiden deutschen Mannschaften; die DDR siegte mit 3:2 und gewann später Bronze. vier Jahre später wurde die DDR in Montreal Olympiasieger, 1980 holte sie in Moskau noch einmal Silber.

          Weitere Themen

          Bayern-Fans heiß auf Neuzugang Coutinho Video-Seite öffnen

          Transfer-Neuzugang : Bayern-Fans heiß auf Neuzugang Coutinho

          Auf dem Spielfeld während des Trainings suchte man ihn noch vergebens. Der FC Bayern hatte aber bestätigt: Er und der FC Barcelona haben grundsätzlich eine Einigung über einen Transfer von Philippe Coutinho nach München erzielt.

          Neue Trainer, keine Tore

          Kein Vollgas-Fußball : Neue Trainer, keine Tore

          Im vermeintlichen Topspiel des ersten Bundesliga-Spieltags können Gladbach und Schalke den Vollgas-Fußball ihrer neuen Trainer Rose und Wagner noch nicht umsetzen.

          Topmeldungen

          Gletscher Okjökull : Das Eis verlässt Island

          Die Gletscherschmelze ist ein eindrückliches Merkmal der Klimaerwärmung: Der einstige Gletscher Okjökull auf Island ist heute keiner mehr. Die isländische Ministerpräsidentin appelliert an die Weltgemeinschaft.
          Angestellte von Google und Youtube beim Gay Pride Festival in San Francisco, Juni 2014

          Trump gegen Google : Man nennt es Meinungsfreiheit

          Ohne das Internet wäre Donald Trump wohl nicht amerikanischer Präsident geworden. Jetzt beschwert er sich über politische Ideologisierung bei Google. Aus dem Silicon Valley schallt es zurück.
          Im Jahr 2016 ist es in Kalkutta zwar noch wuseliger, aber die Anzahl der Läden und Fahrzeuge deuten auf einen Entwicklungsfortschritt hin.

          Wohlstand, Gesundheit, Bildung : Der Welt geht es immer besser

          Kurz bevor er starb, hat der schwedische Arzt Hans Rosling noch ein Buch geschrieben. Es hat eine zutiefst erschütternde These: Der Zustand der Welt verbessert sich, doch keiner bekommt es mit. Woran liegt das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.