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Kampfsport : Der doppelte Judoka

Zupackend: Judoka Alexander Wieczerzak (in weiß) Bild: Picture-Alliance

Judoka sind Einzelkämpfer und Teamplayer gleichermaßen. Manche sogar doppelt: Alexander Wieczerzak wird Deutscher Meister und Zweitliga-Letzter - an einem Tag.

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          An einem einzigen Tag Bundesliga-Meister und Zweitliga-Letzter, das gibt es nur im Judo: Alexander Wieczerzak hat es geschafft – zumindest gefühlt. Mit dem TSV München-Großhadern gewann der 24-Jährige am Samstag den deutschen Mannschafts-Meistertitel. Mit dem JC Wiesbaden trauerte er am Abend über den letzten Platz im Unterhaus. Das Einzelstartrecht des Nationalkader-Kämpfers liegt noch bei den Hessen, sein Manager Philipp Eckelmann ist dort Vereinspräsident. Doch seit Wieczerzak die Riege verlassen hat, erlitt sie einen rasanten Absturz. Die aktuelle Saison endete ohne einen einzigen Sieg. „Jeder Verein braucht eine Leitfigur“, sagt er zutreffend – auch wenn es etwas unbescheiden klingt.

          Unterdessen hat im Oberhaus eine neue Zeitrechnung begonnen. Im Jahr eins nach dem Rückzug des Serienmeisters TSV Abensberg, der in den vergangenen 13 Jahren stets den Titel gewonnen hatte, nutzte der TSV Großhadern die sich bietende Lücke: 10:3 am Vormittag im Halbfinale gegen den Hamburger JT, 10:3 am Nachmittag im Finale gegen Endrunden-Ausrichter KSV Esslingen. Das war deutlich. „Wir wollten unbedingt deutscher Meister werden“, sagte Wieczerzak, der den Anspruch selbst umsetzte und drei Siege und ein Remis zum Gesamterfolg beisteuerte: „Ich war total zufrieden“.

          Für einen Mattenkämpfer mit Olympia-Ambitionen sind die Bundesliga-Begegnungen im Prinzip eine Nebenbeschäftigung. Was wirklich zählt, sind Einzelmeisterschaften. Gleichwohl leben die Judoka auch vom Teamgeist – noch konnte sich kein Kämpfer ganz alleine zum Meister ausbilden, sagen sie in der Szene. Der TSV Abensberg hatte dennoch seine Riege zurückgezogen, da sich die Macher nicht sicher waren, ob sie im vorolympischen Jahr eine schlagkräftige Truppe aufstellen könnten. Der TSV Großhadern war den anderen Weg gegangen und konnte einige Weltklasse-Athleten wie den WM-Zweiten Karl-Richard Frey (bis 100 Kilogramm) aufbieten.

          Zwischen C-Schein und Grand-Slam

          Zwar hatte auch Wieczerzak in der Liga-Vorrunde wegen Einzel-Verpflichtungen tatsächlich fast alle Kämpfe verpasst, am Finaltag war er dann aber präsent. Und das, obwohl er zuvor dreieinhalb Wochen lang bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr in einem Lehrgang verplant war: Theorie und Praxis zum Erwerb des Trainer-C-Scheins. „Das war kontraproduktiv“, kritisierte er den Zeitpunkt mitten in der Saison. Aber auch das ist überstanden – und er hat bestanden.

          Nun geht der 24-Jährige gestärkt in die kommenden Aufgaben, um sich seinen Traum von Olympia zu erfüllen. Am Wochenende steht der Grand Slam in Paris an, bei dem es um jede Menge Qualifikationspunkte geht. In der Weltrangliste der 81-Kilo-Klasse liegt der München-Wiesbadener auf dem elften Platz, der Olympia-Startplatz ist dennoch in Gefahr: sein deutscher Konkurrent Sven Maresch aus Berlin, der früher für die Abensberger kämpfte, liegt zwei Plätze vor ihm – und nur ein Deutscher darf in Rio starten. Doch Wieczerzak ist optimistisch, dass er ihn noch überholt. Und am Abend fand er auch in Wiesbaden noch einen Grund zum Feiern. Bei der „Olympischen Ballnacht“ im Kurhaus hieß das Motto: „Wir für Rio“. Da war er genau richtig.

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