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Kampf gegen Doping : Jeder kritisiert jeden

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Chancengleichheit? Pannen bei Olympia werfen ein schlechtes Licht auf den Anti-Doping-Kampf Bild: AP

Wer hat Schuld? Nach den Doping-Skandalen kommen die Schuldzuweisungen. Sportler und Politiker kritisieren die Sportverbände. DOSB-Chef Hörmann attackiert die Wada.

          Nach den Negativ-Schlagzeilen der vergangenen Wochen im Kampf gegen die Sportbetrüger ist die Diskussion über die Schuldfrage in vollem Gange. Sportler und Politiker verteidigen mit Kritik an den Sportverbänden die Einführung des Anti-Doping-Gesetzes in Deutschland, DOSB-Chef Alfons Hörmann attackiert indes die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada).

          „Man muss leider feststellen, dass Verbände gerade in den letzten Jahren und Monaten gezeigt haben, wie wenig sie die Doping-Diskussion interessiert. Rio war für mich als Sportliebhaber ein Schlag ins Gesicht. Ich habe mit einem weinenden Auge verfolgt, wie einander die Schuld zugeschoben wurde. Da bin ich dankbar, dass sich die Politik einschaltet“, sagte Ironman-Sieger Jan Frodeno bei einem Symposion zum Anti-Doping-Gesetz am Montag in Berlin. Auch Bundesjustizminister Heiko Maas und Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, verwiesen auf die Notwendigkeit der politischen Einflussnahme.

          Triathlet Jan Frodeno: „Rio war für mich als Sportliebhaber ein Schlag ins Gesicht“

          „Das Anti-Doping-Gesetz war lange überfällig. Das haben die Olympischen Spiele und der Ausschluss vieler Sportler gezeigt“, sagte Maas, und Freitag ergänzte: „Der Sport ist mit den Möglichkeiten, die er selbst hat, schlicht überfordert, das Doping-Problem in den Griff zu bekommen.“ Freitag betonte, dass sie sich mehr Kooperation von den Sportorganisationen, insbesondere der Dachorganisation des deutschen Sports, gewünscht habe.

          Alfons Hörmann wies die Kritik zurück. Man könne nach gut einem Jahr noch nicht sagen, ob die Bedenken des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hinsichtlich möglicher Probleme aufgrund von zwei Verfahrenswegen zu Recht vorhanden gewesen seien. Am 18. Dezember 2015 war in Deutschland das Anti-Doping-Gesetz in Kraft getreten. Bisher ist es noch in keinem Fall zu einem endgültigen Urteil gekommen. So sinnvoll das Anti-Doping-Gesetz auch sei, beklagte Maas aber auch, dass die Einstellung im Anti-Doping-Kampf in anderen Ländern nicht die gleiche sei. Da müsse man nicht nur nach Russland oder Afrika blicken, schon in Spanien sei die Kultur eine andere, sagte Maas und sprach von einer Wettbewerbsverzerrung.

          DOSB-Präsident Alfons Hörmann: „Die Politik hat noch viel weniger für einen guten Anti-Doping-Kampf getan.“

          Für Hörmann ist für ein Gelingen des Anti-Doping-Kampfes eine Neuaufstellung der Welt-Anti-Doping-Agentur zwingend erforderlich. „Wer, wie die Wada, über Monate, Jahre hinweg Hinweise auf ein russisches Staats-Doping negiert und dieses Land noch vorinformiert, muss sich nicht wundern, dass die Dinge dauerhaft völlig unbefriedigend laufen“, sagte Hörmann. Es sei inakzeptabel gewesen, was im Vorfeld der Rio-Spiele auf Wada-Ebene abgelaufen sei. „Wenn es nicht gelingt, die Chancengleichheit ansatzweise hinzubekommen, dann wird es ein schwieriges Unterfangen.“

          Zuletzt hatte die Wada Pannen bei den Doping-Kontrollen während der Sommerspiele eingeräumt. Zudem monierte DOSB-Chef Hörmann, dass die Politik lediglich auf miserable und inakzeptable Weise in der Wada vertreten sei. „Die Politik hat noch viel weniger für einen guten Anti-Doping-Kampf getan.“

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