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Serie A : Juventus Turin muss sich erneuern

Juventus Turin startet schlecht in die Saison: Erst im fünften Spiel konnte die Mannschaft das erste Mal gewinnen. Bild: dpa

Allegri kehrt vor der Saison als Trainer zurück und ist gleich mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Ronaldo wurde verkauft und der Saisonauftakt misslingt – nun muss der Anschluss gefunden werden.

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          Ausgerechnet die Jungen haben Massimiliano Allegri vor noch größeren Problemen bewahrt. Den alten und wieder neuen Trainer von Juventus Turin nennt man „il Generale“, und am Mittwochabend haben ihn seine jüngsten Gefreiten an der Küste Liguriens rausgehauen. Torschützen beim 3:2-Zittersieg waren Moise Kean (21 Jahre), Federico Chiesa (23) und Matthijs de Ligt (22). Juve hatte am fünften Spieltag während der ersten englischen Woche der Spielzeit bei Spezia Calcio anzutreten.

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          Vor dem Spiel im Stadio Alberto Picco am Hafen von La Spezia, Zuschauerkapazität 10 000, hatte Allegri festgestellt: „Wenn man auf die Tabelle schaut, ist es ein Sechs-Punkte-Spiel im Abstiegskampf.“ Das war die immerhin ungeschönte Bestandsaufnahme des Befehlshabers: La Spezia stand mit vier Punkten auf dem 13. Platz, Rekordmeister Juventus mit nur zwei Punkten auf Rang 18, einem von drei Abstiegsplätzen.

          So schlecht war die „vecchia signora“ seit 60 Jahren nicht in die Saison gestartet. Zwei Unentschieden und zwei Niederlagen, unter anderem im Heimspiel gegen Aufsteiger Empoli, waren die kümmerliche Einstiegsbilanz. Und befreiend war das 3:2 von La Spezia nur halbwegs. Die Abstiegsränge hat Juventus zwar verlassen, aber ein echter Aufwärtstrend war nicht zu erkennen. Juve spielte zwar überlegen, geriet zu Beginn der zweiten Hälfte in Rückstand, konnte das Spiel aber dank der individuellen Energieleistungen von Chiesa und de Ligt nochmals drehen.

          Ronaldo konnte Herzen nicht erobern

          Nach der missratenen Saison 2020/21 unter dem glücklosen Trainerdebütanten Andrea Pirlo, der im Schlussspurt gerade noch den vierten Platz und damit die Qualifikation für die Champions League erreichte, hatten die Vereinsbosse Andrea Agnelli und Pavel Nedved im Sommer Massimiliano „Max“ Allegri zurück nach Turin gerufen. Schließlich hatte der General mit dem Faible für schmucklose Siege Juventus schon von 2014 bis 2019 zu fünf Meistertiteln geführt und dazu zweimal am Sieg in der Champions League geschnuppert.

          Weil aber zwei knapp verpasste Finalsiege – gegen Barcelona 2015 und Real Madrid 2017 – den höchsten Triumph im europäischen Vereinsfußball nicht ersetzen, wurden für je ein Jahr zunächst Maurizio Sarri und dann Pirlo nach Turin geholt. Die scheiterten aber eher frühzeitig beim europäischen Gipfelsturm, trotz eines Cristiano Ronaldo als Torgarant.

          Christiano Ronaldo kam nicht richtig an bei Juventus Turin. Nun stürmt er für Manchester United.
          Christiano Ronaldo kam nicht richtig an bei Juventus Turin. Nun stürmt er für Manchester United. : Bild: AFP

          Den portugiesischen Superstar ließ Juventus zu Manchester United ziehen: nach drei Spielzeiten, in welchen Ronaldo ordnungsgemäß Tor um Tor erzielte, die Herzen der Fans im Piemont aber nicht wirklich erobern konnte. Bei einem rekordhohen Verlust von 210 Millionen Euro blieb der Vereinsführung gar nichts anderes übrig, als Ronaldo ein Jahr vor Auslaufen seines Vertrags in Turin zu verabschieden: So brachte er Geld in die klamme Kasse, die er als wegfallender Spitzenverdiener zudem weiter entlastete.

          Nun also soll es Allegri doppelt richten: Er soll Juventus wirtschaftlich und sportlich zu Erfolgen führen, in jedem Fall zum Scudetto, möglichst zum Sieg in der Champions League. Doch von Aufbruch, gar Erneuerung war bisher wenig zu sehen. Bis jetzt baute Allegri auf die (älteren) Spieler, die er von früher kennt, die (jungen) Zugänge aus der Zeit nach seinem Weggang setzte er auf die Bank.

          Schwierigkeiten beim Auftakt

          Beim 1:1 im Heimspiel gegen den AC Mailand am vergangenen Samstag ließ er acht Akteure im Durchschnittsalter von mehr als 30 Jahren auflaufen, auf welche er schon bis zu seinem Juve-Abschied von 2019 gesetzt hatte. Auf der Bank saßen mit Chiesa, de Ligt und dem 21 Jahre alten schwedischen Nationalspieler Dejan Kulusevski Investitionen, die sich der Verein rund 190 Millionen Euro hatte kosten lassen.

          Ob Allegri seine bislang verschmähte junge Garde nun endlich mit Überzeugung einsetzt, wird sich nach dem Sieg der jugendlichen Stürmer und Dränger vom Mittwoch zeigen. Die Statistik der ersten vier Spiele der Serie A ist deutlich: Ein mental und physisch ermattetes Team hatte in der zweiten Hälfte durchschnittlich weniger als 40 Prozent Ballbesitz, verlor nach Führung im ersten Spielabschnitt noch sieben Punkte und erzielte kein einziges Tor.

          Dass Juventus seit 20 Partien auf ein Spiel ohne Gegentor wartet, legt die Schwäche des Kaders offen, der bisher ein Konglomerat aus Einzelspielern, aber kein Team mit Mannschaftsgeist ist. Im Sturm steht mit dem Argentinier Paulo Dybala, der seinen Vertrag in Turin soeben verlängert hat, mit dem Spanier Alvaro Morata sowie Moise Kean und Federico Chiesa ein spielfreudiges und torgefährliches Quartett bereit.

          Das Mittelfeld um Adrien Rabiot, Rodrigo Bentancur, Aaron Ramsey, Weston McKennie und Neuzugang Manuel Locatelli hat sich allerdings noch nicht gefunden. Und in der Abwehr tun sich Löcher auf, wenn einer der Routiniers wie Giorgio Chiellini und Leonardo Bonucci wegen einer Blessur ganz ausfällt oder Schwäche zeigt. Allegri muss ganz schnell die richtige Mischung für das Erreichen der nach wie vor großen Ziele finden.

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