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Juventus Turin : Kinder schlagen Chaoten

  • -Aktualisiert am

Herzenssache: Juventus Turin macht Heimauftritte zum Kinderspiel Bild: AFP

Ein Heimspiel von Juventus Turin wird zum Kinderspiel: Als ungewöhnliche Maßnahme gegen Ausschreitungen lädt der Klub junge Gäste ein. Vielleicht lassen die das übliche Klientel alt aussehen.

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          Gebt den Kindern das Kommando! Das forderte schon Herbert Grönemeyer in seiner Hymne an die vermeintlich lieben und unverdorbenen Kleinen, und damit macht Juventus Turin jetzt Ernst – jedenfalls für ein Spiel in der ersten italienischen Fußball-Liga. Juve war unlängst, beim Spiel gegen Neapel, auf traurige Art typisch italienisch: Auf einigen Rängen wurde von Fans gepöbelt, verunglimpft und diskriminiert. Das kommt hier häufiger vor, nicht nur in Turin.

          Das Sportgericht der Serie A verhängte prompt eine Geldstrafe, 50.000 Euro, und die Sperrung zweier Tribünen im nächsten Spiel gegen Udine. Das ist am Sonntagabend. Dann sollen nicht mehr die notorischen Radaubrüder zu Wort kommen, sondern eine unverdächtigere Klientel: Kinder.

          Juventus hat damit begonnen, Anfragen von Sechs- bis Dreizehnjährigen zu sammeln, die die beträchtlichen Leerstellen auf den betroffenen Tribünen füllen sollen. Die Einladung durch den italienischen Rekordmeister war zuvor vom italienischen Fußball-Verband und von der Liga abgesegnet worden. Und damit das neue Publikum nicht zu spät ins Bett kommt und am nächsten Morgen verschlafen in die Schulen schleicht, wurde die Anstoßzeit verändert, von 20.45 auf 18.30 Uhr. Wer am nächsten Morgen ganz helle ist, könnte seinem Lehrer mal eine schlaue Frage stellen – auch wenn der sie vermutlich nicht beantworten kann: Warum ist da noch keiner früher draufgekommen?

          Ein Kinderspiel

          Das Modell Kinder statt Chaoten hat Charme, zumal viele Versuche der Zivilisierung in europäischen Fußballstadien schon gescheitert sind – auch in der Bundesliga. Was Hundertschaften an Polizisten oder wohlmeinende Gesprächsangebote gar nicht oder nur kurzzeitig geschafft haben, könnte die italienische Verjüngungskur vorantreiben: dass in den Stadien vor allem jene zu ihrem Recht kommen, die sich am Spiel berauschen, nicht an ihrer Form der Selbstinszenierung.

          Auch die umstrittene Ultra-Bewegung hierzulande hat ja einen elitären Ansatz, wonach sie mit ihrer Hingabe und Vereinstreue so etwa wie die Seele des Fußball sei – und deshalb auch bestimmen dürfe, wie laut es im Stadion krachen und wie lichterloh es brennen darf. Mal abgesehen davon, dass den chronisch schlecht frequentierten Stadien in Italien Publikum von morgen gut zu Gesicht steht: Womöglich leben die kindlichen Gäste bei Juventus ja eine unschuldigere Form der Begeisterung aus und lassen ihre Vorgänger auf den frei gewordenen Tribünen ganz alt aussehen. Müsste doch ein Kinderspiel sein.

          Uwe Marx
          Redakteur in der Wirtschaft.

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