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NBA : Der Grund für Nowitzkis Scheitern

  • -Aktualisiert am

Hipster in der NBA: James Harden von den Houston Rockets Bild: AFP

James Harden ist der beste Scorer und die Schaltstelle der Houston Rockets. Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks müssten schon ihn lahmlegen, um in den NBA-Playoffs doch noch weiterzukommen.

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          Wer wissen will, was hinter dem Gesicht eines der besten Basketballspieler der Welt abgeht, braucht einen Blick für Subtilitäten. Der muss dem Mann schon in tiefdunkle Augen schauen. Die blitzen kurz und immer ein wenig anders auf, je nachdem, ob James Harden mal wieder auf irgendeine listige Weise einen Korb erzielt hat. Oder ob er sich über die Entscheidung eines Schiedsrichters ärgert. Oder wenn er seine Unschuld beteuert, nachdem er kurz davor auf dem Boden liegend einem Gegner kurz in die Weichteile getreten hat. Denn der Rest des Mienenspiels bleibt im Verborgenen, weil ein dichter, langer Bart die untere Hälfte des Gesichts verdeckt. Den züchtet der 25 Jahre alte Harden seit ein paar Jahren, womit er allen Hipstern mit ähnlichen Anwandlungen etwas voraus hat: die Haartracht ist tatsächlich zum Markenzeichen geworden. Neulich stand Harden für den Werbespot einer Computerspielefirma vor der Kamera – zusammen mit einem Schauspieler mit einem albernen deutschen Akzent, der einen fiktiven „Bart-Guru“ aus den Alpen namens Fritz spielte.

          Hardens wahre Kreativität liegt aber natürlich ganz woanders: im Umgang mit dem Ball, in der Präzision beim Wurf aus beinahe allen Lagen und in einem unerschütterlichen Selbstbewusstsein. Das kam erst vor kurzem wieder zum Vorschein, als der Shooting Guard der Houston Rockets gebeten wurde, ein Resümee zur Saison abzugeben. „Ich habe durchaus das Gefühl, dass ich der wertvollste Spieler bin“, erklärte er.

          Der MVP der Liga? Eine derartige Selbsteinschätzung ist keineswegs aus der Luft gegriffen. Denn der wichtigste Mann der Rockets kam in dieser Saison auf 27,4 Punkte pro Spiel und war damit der zweitbeste Scorer in der Liga. Die vielen Punkte halfen der Mannschaft, sich bis auf den zweiten Platz in der Western Conference vorzuarbeiten und ihre Ausgangslage für die Playoffs zu verbessern. Hier bekamen die Rockets in der ersten Runde die schwächelnden und unter Verletzungen leidenden Dallas Mavericks vorgesetzt und gewannen die ersten beiden Spiele. Jetzt brauchen sie nur noch zwei Siege gegen das Nowitzki-Team, um sich für die letzten acht zu qualifizieren.

          Auf die Bank gezwungen

          Harden entnervte dabei unter anderem den auf ihn abgestellten Rajon Rondo, der bei seinen hautnahen Störmanövern etwa am Dienstag gleich einigen unangenehm auffiel. Zunächst den Schiedsrichtern, die ein Foul nach dem anderen gegen ihn verhängten und ihn so für die meiste Zeit auf die Bank zwangen. Und dann Mavericks-Trainer Rick Carlisle, der ankündigte, den kapriziösen und überaus lustlosen Aufbauspieler in dieser Saison nicht mehr einsetzen zu wollen.

          Harden spielt seit knapp drei Jahren in Houston, wo man mit ihm und Center Dwight Howard ein Wiederaufbauprogramm begann, das dieser Tage erstmals vielversprechende Konturen zeigt. Dabei könnte der 1,96 Meter große Kalifornier, 2012 in London Mitglied des amerikanischen Goldmedaillen-Teams, noch immer für den Klub spielen, der ihn 2009 gedraftet hatte. Doch die Lust dazu verging ihm, als er 2012 ein neues Vertragsangebot erhielt. Für die Oklahoma City Thunder war er – nach Kevin Durant und Russell Westbrook – nur die dritte Wahl. Seine Reaktion? Er habe „schon genug geopfert“, sagte er, „weil ich immer nur von der Bank aus ins Spiel gekommen bin, um der Mannschaft zu helfen. Aber die war nicht willens, mir zu helfen.“ Die Thunder gaben ihn nach Houston ab.

          Dabei war Harden zu jener Zeit nicht mal verhältnismäßig teuer. Die Rockets konnten ihn für fünf Jahre und 80 Millionen Dollar an sich binden und zahlen ihm sogar fünf Millionen Dollar weniger als Dwight Howard, dem stärksten Center der Liga. Allerdings hatte die Fehlkalkulation Folgen für Oklahoma City. Das Team überschritt rasch den Zenit und verpasste in dieser Saison sogar die Playoffs. Die Konsequenz: In dieser Woche musste Trainer Scott Brooks gehen. Eine allzu ausführliche Beschäftigung mit den Äußerlichkeiten oder dem Werdegang verdeckt allerdings leicht, worin das besondere Können von James Harden besteht. Er trifft nicht nur den Korb. Er ist auf seinen Sololäufen mit dem Ball nur schwer zu decken. Kein anderer NBA-Spieler holt so viele Fouls heraus wie er, und so steht Harden konsequenterweise häufiger als jeder andere an der Freiwurflinie. Dort versenkt er fast 90 Prozent seiner Versuche, was ein wesentlicher Baustein für seine und Houstons Punktebilanz ist.

          Um die Rockets noch zu bremsen, müssten Nowitzki und seine Mavericks schon deren Schaltstelle lahmlegen – Harden eben.

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