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Jahresrückblick 2014 : Sportsfrauen, die begeistern

Atemlos durch Berlin: Helene Fischer als Ehrenspielführerin der deutschen Nationalmannschaft Bild: dpa

Haltung, Lebensfreude und Kampfgeist spielen die entscheidenden Rollen in diesem Ranking. Deshalb stehen Steffi Böhler und Antje Möldner-Schmidt ganz oben auf der Top-Five-Liste. Und was hat Helene Fischer damit zu tun?

          Sportler-Wahlen sind immer subjektiv, deshalb soll hier gar nicht der Eindruck erzeugt werden, es ginge um das Gewichten und Abwägen von Medaillen und Titeln. Vielmehr spielen Haltung, Lebensfreude und Kampfgeist die entscheidenden Rollen in diesem Ranking.

          Steffi Böhler: Die Diagnose ist niederschmetternd: Schilddrüsenkrebs. Das Ende? Von wegen! Steffi Böhler gibt nicht auf, übersteht die Operation, kämpft sich zurück - ins Leben und in den Leistungssport. Sie schafft es zwei Jahre später zu den Olympischen Spielen. Schon die Qualifikation empfindet sie als Wunder. In Sotschi angekommen verbreitet sie pure Lebensfreude: Platz sechs über zehn Kilometer ist für die 32-Jährige eine gefühlte Medaille - als Zwischen-Erste genießt sie sichtlich ihren Platz in der Leaderbox. Und in der Staffel gelingt dem jugendlich wirkenden Leichtgewicht dann der Lauf ihres Lebens, gemeinsam mit Nicole Fessel, Claudia Nystad und Denise Herrmann gewinnt sie Bronze. Wäre die Teamkollegin im Teamsprint nicht auf der Zielgeraden übersprintet worden, hätte es sogar noch mal Bronze gegeben. Herrmann heult, Böhler tröstet: „Wir haben doch schon eine Medaille. Heute haben wir den vierten Platz gewonnen, nicht Bronze verloren.“

          Pure Lebensfreude: Steffi Böhler (2.v.l.) feiert mit Nicole Fessel, Claudia Nystad und Denise Herrmann (v.l.) ihre Olympia-Medaille

          Antje Möldner-Schmidt: Auch die Hindernisläuferin aus Potsdam hat eine schweren gesundheitliche Hürde überwinden müssen: Im Januar 2010 war bei der Polizistin Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert worden. Ihr musste ein Tumor aus der Schulter entfernt werden. Nach einer Chemotherapie kehrte sie im Sommer 2011 in den Leistungssport zurück. Und wie: Bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Zürich gewinnt sie die Goldmedaille im 3000-Meter-Hiundernislauf. Der größte Erfolg ihrer Leichtathletik-Karriere, der zweitgrößte Sieg ihres Lebens - so ordnete sie den Titelgewinn im Züricher Letzigrund ein. Sie merke, dass sie seit ihrer Krankheit emotional mehr angekratzt sei als früher, sagte Antje Möldner-Schmidt. Andererseits genieße sie das Leben nun mehr, insbesondere auf ihren Trainingsläufen in der Natur.

          Antje Möldner-Schmidt: der zweitgrößte Sieg ihres Lebens

          Carina Vogt: Als das Punktrichter-Votum endlich passt, Haltungsnoten, Windbonus und Weitenpunkte amtlich zusammenaddiert sind, und Carina Vogt als Olympiasiegerin feststeht, fällt die junge Skispringerin im Skistadion von Krasnaja Poljana einfach um. Sie ist überwältigt von der Situation, und es ist überwältigend, ihr dabei zuzusehen, wie sie diesen berauschenden Moment erlebt. Ihre Teamkolleginnen stürzen herbei, werfen sich auf sie, nehmen sie in ihre Arme, leisten erste Goldmedaillen-Hilfe und erklären ihr, dass sie gerade Sportgeschichte geschrieben hat. Die unerwarteten Erfolge sind einfach die schönsten Siege!

          Carina Vogt: in Schwäbisch-Gmünd weltberühmt

          Caroline Wozniacki: Die Hochzeitskarten waren schon verschickt, da trennte Golfstar Rory McIlroy die Beziehung mit Caroline Wozniacki. Die dänische Tennisspielerin fiel erst mal in ein Loch, blieb aber nicht lange drin, sondern kämpfte sich wieder heraus, und wie. Die Tochter eines Fußballprofis und einer Volleyball-Nationalspielerin arbeitete mit Boxen und ausgerechnet Golfen an ihrer körperlichen und mentalen Fitness. Sie begeisterte das Tennis-Publikum so, dass der Neil-Diamond-Klassiker „Sweet Caroline“ fast wieder in die Charts stürmte. Sie erreichte erstmals seit 2009 wieder ein Grand-Slam-Finale, nämlich in New York. Und blieb gleich dort, um den berühmtesten Marathon der Welt zu absolvieren - und schaffte bei ihrem Debüt die starke Zeit von 3 Stunden 26 Minuten und 33 Sekunden. Wer braucht da schon einen Golfspieler?

          Heute eine Siegerin: Caroline Wozniacki schafft ihr Marathon-Debüt in 3:26:33 Stunden

          Ana Ivanovic: Sie war schon immer unsere Lieblingstennisspielerin. Und im Jahr 2008 stand sie sogar zwölf Wochen lang an der Spitze der Weltrangliste. Danach ging es mal hoch, mal runter, aber immer mit einem Lächeln im Gesicht. Derzeit steht die „schöne Serbin“, wie sie allenthalben in der Boulevardpresse genannt wird, mal wieder in den Top-Ten der Weltrangliste. Das ist super! Aber keine Ahnung, ob da was dran ist an der Geschichte mit dem bayerischen Fußballprofi.

          Lieblingstennisspielerin: Ana Ivanovic

          Sonderpreis für Crossover der Popkultur

          Jelena Petrowna Fischer: Es wäre alles anders gekommen, hätte Campino seinen letzten Rest Bedenken gegen persönliche Vereinnahmung durch die Massenkultur über Bord geworfen. Doch für den begeisterten Fußballfan (allerdings der englischen Nationalmannschaft, weil er halber Engländer ist) und Frontmann der „Toten Hosen“ war es nicht vorstellbar, beim Empfang der Fußball-Weltmeister in Berlin den schwarz -rot-goldenen Vorturner zu geben. Obwohl seine „Tage wie diese“-Hymne eine wohlkalkulierte Steilvorlage für das Partyvolk unserer Zeit ist. Aber weil es dem einstigen Punk-Rocker reichte, dass selbst die CDU darauf tanzte, oder es zumindest versuchte, sagte er den Fußballern ab. Und so kam es, dass Helene Fischer die  atemlose Polonäse durch Berlin anführte. Und seien wir ehrlich: die super sportliche, immer gut gelaunte und strahlend schöne Schlagersängerin, Tänzerin und Entertainerin aus Krasnojarsk passte auch besser in das kurze Deutschland-Trikot, das ihren Sixpack-gestählten Bauch nur knapp verhüllte, als der etwas aus der Form geratene Ex-Punker.

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