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Italiens Fußball : Reich finanziert Arm: Serie A startet

  • Aktualisiert am

Ohne Hemmungen: In Italien darf wieder gespielt werden Bild: dpa

Die Serie A startet an diesem Wochenende: Ein Krisengipfel hat weitere Streiks im italienischen Fußball verhindert.

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          Italiens reiche Fußball-Clubs finanzieren ihre ärmeren Gegner, damit die Serie A am Wochenende endlich starten kann. Auf dem Krisengipfel bei Sportminister Giuliano Urbani einigten sich die Clubchefs am Dienstag auf eine Solidaritätsabgabe der sechs reichsten Clubs an den Rest der Liga, der damit seine Einnahme-Verluste aus den Pay-TV-Verträgen auffangen kann. Die acht Rebellen zogen nach dreistündigen Verhandlungen ihre Streikdrohung zurück.

          Mit zweiwöchiger Verspätung starten die erste und zweite Liga nun am Samstag und Sonntag. „Das wichtigste ist, dass das Land zur Normalität zurückfindet“, erklärte der sichtlich erleichterte Liga- Präsident Adriano Galliani, der Minister Urbani die magischen Worte überließ: „Die Serie A startet!“

          Italien atmet auf

          „Endlich rollt der Ball wieder“, jubelten die „Tifosi“. Und mit den Fans atmen auch die Top-Clubs auf. Eine weitere Verzögerung des Ligastarts hätte die Clubs in den Europacup-Wettbewerben extrem benachteiligt.

          Darf wieder spielen: Roberto Baggio
          Darf wieder spielen: Roberto Baggio : Bild: dpa

          „Die fehlende Spielpraxis ist ein großes Problem“, klagte Juventus Turins Trainer Marcello Lippi. Ein wegen des erneut verschoben Ligastarts verschuldetes frühes Aus in den lukrativen Cup- Wettbewerben wäre den Spitzenvereinen viel teurer zu stehen gekommen, als die Solidaritätsabgabe. Über die Höhe der Abgaben schwieg man sich aus. „Die einnahmestärksten vier Clubs werden mehr geben, als Lazio und Parma, die ebenfalls Zahlungen leisten“, verriet Galliani.

          Franco Sensi als Robin Hood

          AS Roms Präsident Franco Sensi durfte sich als Robin Hood des italienischen Fußballs feiern lassen. Er nahm von den Reichen und gab den Armen. Die Solidaritätsabgabe war seine Idee. „Der gute Wille hat gesiegt“, meinte Sensi, der sich auf die Seite der Rebellen Bergamo, Brescia, Chievo, Como, Empoli, Modena, Perugia und Piacenza geschlagen hatte.

          Den kleinen Clubs wollen die beiden Pay-TV-Sender „Stream“ und „Tele +“ statt der geforderten insgesamt 64 Millionen Euro für die nächste Saison nur 52,47 Millionen zahlen. Daraufhin streikten die Provinzclubs nach dem Motto: „Ohne lukrative Fernsehverträge kein Fußball.“

          Zumutbares Opfer für die Spitzenvereine

          Da weder die Clubs noch die eingeschaltete Regierung die unabhängigen Sender zu höheren Zahlungen zwingen konnten, mussten die von den kleinen Clubs mit dem Ligaboykott erpressten Spitzenvereine nun die Differenz aufbringen. Ein zumutbares Opfer, weil reiche Clubs wie Rekordmeister Juventus Turin allein 54 Millionen Euro pro Jahr vom Pay-TV kassieren.

          Auch die kleinen Clubs hätten Opfer gebracht, behauptete Comos Präsident Enrico Preziosi: „Wir mussten einen Riesenschritt zurück gehen.“ Die Provinzclubs wollen jetzt einen eigenen Pay-TV-Sender gründen, um ihre Spiele in Eigenregie zu übertragen.

          „Wir hoffen, dass der Sender im nächsten Jahr arbeitsfähig ist und dass die Liga ihre TV- Rechte wieder gemeinsam vermarktet“, erklärte Galliani die Forderungen der kleinen Clubs zum gemeinsamen Ziel aller Serie A- Clubs. Die Regierung hat bereits Unterstützung signalisiert. Rom will eine weitere Pay-TV-Lizenz genehmigen.

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