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Italienischer Fußball : Die Rückkehr der alten Antipoden in Italien

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Zwei Antipoden der italienischen Trainergilde sind zurück in der Serie A. Dino Zoff beim Meister Lazio Rom und Arrigo Sacchi beim AC Parma. FAZ.NET analysiert die beiden ehemaligen Coaches der squadra azzurra.

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          Zwei Ex Nationaltrainer traten in Italien am vergangenen Dienstag ihren neuen Dienst an. Dino Zoff betreut den Meister Lazio Rom, nachdem Sven Goran Eriksson zurücktrat und sich jetzt um den Patienten englische Nationalmannschaft bemüht. Arrigo Sacchi kehrt dahin zurück, wo sein Trainerabenteuer vor 15 Jahren begann.

          Der AC Parma entließ nach der 1:2 Heimniederlage gegen Reggina Alberto Malesani und erinnerte sich daran, dass Sacchi 1985 mit dem Team den Aufstieg von der dritten in die zweite Liga schaffte. In Parma ist man der festen Überzeugung, dass in dieser Zeit die Zuschauer im Stadio Ennio Tardini zum letzten Male wirklich attraktiven Angriffsfußball zu sehen bekamen.

          Neben dem gemeinsamen ersten Arbeitstag gibt es noch eine weitere Parallele zwischen den beiden alten Männer des italienischen Fußballs: Sowohl Arrigo Sacchi als auch Dino Zoff erreichten mit der squadra azzura zweite Plätze bei einem großen Turnier (Sacchi WM 94; Zoff Euro 2000), was auf dem Apennin aber jeweils als nationale Tragödie bewertet wurde. Nach endlosen Diskussionen mussten beide Trainer die Verantwortung für die squadra azzurra in Folge abgeben.

          Die großen Antipoden der italienischen Trainergilde

          Ansonsten sind dies die großen Antipoden der italienischen Trainergilde. Auch öffentlich bezeichnete Arrigo Sacchi den Kollegen Zoff als Dilettanten. Der eine, Sacchi, in der Emilia Romagna geboren, ausgestattet mit einem extrovertierten Charakter, schreibt und spricht ohne Unterbrechung immer und mit jedem. Der andere, Zoff, gilt als der große Schweiger, bevorzugt die Konversation mit seiner Frau und das auch nur gelegentlich.

          Die eigene sportliche Vergangenheit ist bei Sacchi sehr limitiert, im Prinzip könnte sich jeder Tifosi als ein besserer Fußballer bezeichnen. Und das auch ohne übersteigertes Selbstbewusstsein sogar mit Recht. Über den ehemaligen Nationaltorhüter „Dino nazionale“ muss man nicht viele Zahlen verlieren, Worte sagen alles. Ein nationaler Mythos, ein Denkmal, verewigt, geehrt auf einer Briefmarke, Weltmeister 1982 im Finale gegen Deutschland in hohem sportlichen Alter, noch als Aktiver ein Methusalem.

          Sacchi - der Protagonist des modernen Spiels, Zoff - der Traditionalist

          Seine DNA- Struktur halten die Italiener für exportwürdig. Sacchi dagegen ist davon überzeugt, den Fußball neu erfunden zu haben. Der charismatische Glatzkopf galt als Protagonist des modernen Spiels. Anfang der 90er Jahre in seiner Glanzzeit als Coach beim AC Mailand, setzte er auch dank Berlusconis Millionen mit einem edlen Ensemble Innovationen auf dem Feld um.

          Zoff hat eine andere traditionelle Interpretation des Spiels. Seine Philosophie begründet sich im Glauben, dass dieser Sport in seinen Grundfesten beibehalten werden muss und dass im Fußball auch noch nie etwas wirklich neu erfunden wurde. Wenn es denn doch eine Innovation gäbe, würde er sie auf keinen Fall kommunizieren. Zoff ist der geborene Pragmatiker, der auch Francesco Totti als Mittelstürmer aufstellt, wenn er meint, damit seinem Ziel näher zu kommen. Er musste sich immer mit dem Vorwurf auseinandersetzen ein „catenacciario“ also ein „Riegelbauer“ zu sein.

          Der eine sehnte sich nach der Rückkehr, der andere musste zu seinem Glück gezwungen werden

          In Sacchis Trainingseinheiten hören die Spieler vornehmlich drei Wörter: Pressing, Intensität und Angriff. Bei ihm ordnen sich alle Spieler einem Schema, einem System unter, dem 4:4:2! Wahrscheinlich hätte er selbst Franz Beckenbauer auf einer Linie mit Georg Schwarzenbeck spielen lassen. Widerspruch sinnlos.

          Sacchi wollte lieber heute als morgen wieder als Trainer anfangen. Dino Zoff musste durch Verhandlungsgeschick zu seinem Glück gezwungen werden. Er trat zum Training an mit einer Miene an, wie andere beim Gang zum Zahnarzt.

          Die Serie A hat zwei große Trainer und Darsteller zurück auf die Bühne geholt.

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