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Unerwünschter Island-Boom : Ein Vulkan namens Hallgrímsson

„Ausgebrochen“: Heimir Hallgrimsson Bild: dpa

Diesmal ist nicht der Eyjafjallajökull ausgebrochen, sondern Islands Fußball-Nationaltrainer Heimir Hallgrímsson. Der Trainer wünscht sich ein „Ausverkauft“-Schild am Flughafen.

          Islands Fußball-Nationaltrainer Heimir Hallgrímsson weiß, wann es weh tut: er ist gelernter Zahnarzt. Bei der Europameisterschaft im vergangenen Sommer hat er mit seiner Mannschaft vor allem den Engländern Schmerzen zugefügt: der 2:1-Sieg der Isländer im EM-Achtelfinale ist unvergessen – auf beiden Inseln. Der unerwartete Siegeszug der Wikinger bei dem Turnier, - sie hatten zuvor schon die hoch gehandelten Österreicher aus dem Wettbewerb gekegelt und dem späteren Europameister Portugal ein Unentschieden abgetrotzt - , endete erst im Viertelfinale mit einer 2:5-Niederlage gegen Frankreich. Dennoch wurden die einstigen Fußball-Zwerge in ihrer kargen Vulkan-Heimat mit Begeisterung empfangen.

          Das unerschrockene Auftreten der unkonventionellen Mannschaft hat das sagenhafte Inselreich auch als touristisches Ziel noch populärer gemacht. Die Vulkaninseln im hohen Norden lockten schon seit Jahren Naturfreunde, wetterfeste Wanderer und Reiter an. Doch neben Geysiren, Vulkanen, Elfen und Nordlichtern sind nun auch die Fußballhallen Teil des Besichtigungsprogramms, da ihre weitsichtige Errichtung für den sagenhaften sportlichen Aufschwung mitverantwortlich gemacht wurden.

          Islands berühmtester Vulkan: Eyjafjallajökull

          Für Heimir Hallgrímsson zuviel des Guten, der Zahnarzt und Fußballtrainer hat nun gegen den Tourismus-Boom in seinem Land gewettert: „Ich finde, wir sollten ein „Ausverkauft“-Schild am Flughafen haben, bis wir bereit sind, mehr Menschen aufzunehmen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Reykjavík. „Jeder kommt nach Island, um sich die Natur anzusehen, und wir zerstören sie, indem wir sie mit Menschen überfrachten.“ Der Tourismus sei zwar für sein Land wichtig, das steile Wachstum von 25 bis 30 Prozent pro Jahr aber „gefährlich“.

          In der Tat übersteigen die Gäste die Zahl der Insulaner seit einigen Jahren um das Mehrfache. Als der Tourismus 1950 begann, reisten gerade mal 4000 Besucher auf das als eher unwirtlich empfundene Vulkangestein am Polarkreis. Erst in den 1990er Jahren stieg die Gästezahl langsam an. Im Jahr 2000 kamen aufs Jahr gerechnet erstmals mehr Besucher auf die Insel, als Einwohner dort dauerhaft lebten. Zuletzt wurde nun sogar die fünffache Zahl an Gästen gezählt. Allerdings kann von Übervölkerung des Gestades noch keine Rede sein: die 336.000 Isländer verteilen sich auf gut 100.000 Quadratkilometer Land. Das sind 3,3 Menschen pro Quadratkilometer. Zum Vergleich: in Deutschland liegt die Bevölkerungsdichte bei 230. Selbst die amtlichen 1,5 Millionen Island-Besucher in dieser Saison fanden also noch genügend Platz auf der Insel, zumal sie ja nicht alle gleichzeitig und dauerhaft kamen.

          Publikumslieblinge: Kriegstanz von Islands Nationalmannschaft mit dem „Huh“

          Doch natürlich kann man auch die Isländer verstehen, die es gewohnt sind, zwar Nachbarn zu haben, diese aber nicht zu sehen. In der Vergangenheit hatten sie schon versucht, Gäste dauerhaft abzuschrecken, doch die Idee, einen Vulkan explodieren zu lassen und Asche zu sprühen, ging nach hinten los: Damals konnte in ganz Europa erst mal kein Mensch verreisen und anschließend wollten alle gucken, wo denn die Asche herkam und wie der Berg mit dem unaussprechlichen Namen eigentlich aussieht.

          Und auch die nächstliegende Idee könnte eher anziehende als abschreckende Wirkung haben: Wenn Hallgrímsson seine bärtigen Männer am Flughafen den nordischen Kriegstanz mit dem „Huh“ aufführen lässt, kommen vermutlich noch mehr Gäste. Sieht so aus, als müssten die coolen Isländer mit ihrer Popularität leben lernen.

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