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Irak-Krieg und der Sport : „Saddam darf nicht unser Leben lenken“

Sport im „Sicherheitstrakt”: Gewohntes Bild schon in Salt Lake City Bild: dpa

Trotz des Krieges und der Furcht vor Terroranschlägen sollen weltweit vorerst keine großen Sportereignisse abgesagt werden.

          3 Min.

          Das Ultimatum des amerikanischen Präsidenten George W. Bush zwingt auch die Veranstalter großer Sportereignisse dazu, über das Thema Sicherheit nachzudenken. In den Vereinigten Staaten hat es allerdings bisher trotz des drohenden Krieges und der Furcht vor Terroranschlägen noch keine Absagen gegeben.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          So begann das Tennisturnier in Key Biscayne am Mittwoch planmäßig. Die Organisatoren gaben bekannt, daß die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden seien für die Spieler und die 200.000 Zuschauer, die in Florida erwartet werden. Immerhin ist im Crandon Park mit Ausnahme von Pete Sampras die gesamte Weltelite der Damen und Herren am Start.

          Absage zum Baseball-Saisonstart

          Der deutsche Profi Nicolas Kiefer, der an diesem Donnerstag mit dem Match gegen Michael Chang in das Turnier startet, fühlte sich allerdiengs ziemlich unbehaglich. Er bete, daß der Krieg erst beginne, wenn er wieder in Deutschland sei, sagte der Holzmindener. „Nachdem ich Bush habe reden sehen, ist mir eigentlich klar, daß das nichts hilft, doch ich gebe die Hoffnung nicht auf.“ Auch der Hesse Rainer Schüttler äußert bange Gefühle: „Je näher die Stunde X rückt, desto mehr denkt man über die möglichen Folgen nach.“

          Die Major League Baseball (MLB) hat erstmals ihr Saisoneröffnungsspiel abgesagt. Im Zuge der Globalisierung dieses Sports sollten Seattle Mariners und Oakland Athletics am 25. und 26. März zweimal in Tokio aufeinandertreffen. Die übrigen amerikanischen Profiligen spielen weiter wie geplant. Die Endrunde der College-Meisterschaft im Basketball (NCAA) beginnt ebenfalls wie vorgesehen an diesem Donnerstag.

          Zunächst hatte Ligapräsident Myles Brand noch erklärt, „aus Respekt vor unseren Frauen und Männern in Uniform“, seien die Spiele zu verlegen. Tags darauf meinte er jedoch: „Wir dürfen Saddam Hussein nicht unser Leben lenken lassen.“

          Frankreich will Spiel gegen Israel verlegen

          Der französische Fußball-Nationaltrainer Jacques Santini hat derweil um eine Verschiebung des Europameisterschafts-Qualifikationsspiels zwischen Frankreich und Israel am 2. April in Palermo gebeten. „Ich rede hier als Bürger“, sagte er. „Wir müssen über die Familien der Spieler nachdenken.“

          Aufgrund von Sicherheitsbedenken wurde die Junioren-Weltmeisterschaft, die für Ende März in den Vereinigten Arabischen Emiraten geplant war, bereits verschoben. Länderspiele in Bahrein und Kuweit wurden abgesagt. In der Fußball-Bundesliga geht man davon aus, daß die üblichen Sicherheitsvorkehrungen, sofern sie sorgfältig angewandt werden, ausreichen.

          „Washington, der sicherste Platz der Welt“

          Auch die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Washington, die am 24. März beginnen sollen, werden wohl wie geplant stattfinden. „Washington ist wahrscheinlich in den kommenden Woche der sicherste Platz“, sagte Leslie Gianelli, die Co-Präsidentin des Organisationskomitees gelassen. „Wir arbeiten mit den Bundesbehörden zusammen, um die Sicherheit der Aktiven zu gewährleisten.“

          Robin Wagner, der Trainer von Olympiasiegerin Sarah Hughes, hält allerdings einen Verzicht seiner Läuferin für möglich: „Sicherheit, Familie und Freunde haben Vorrang“, sagte er. „Wir müssen abwarten, wie sich die Dinge weiterentwickeln.

          Absage beim Golf?

          Sogar eine Absage des Masters-Turniers im Golf, das am 10. April beginnen soll, ist in der Diskussion. Allerdings hat Glenn Greenspan, der Sprecher der Veranstaltung in Augusta, klargestellt, daß man fest mit einer Austragung rechne und die Entwicklung der Lage weiter im Auge behalten wolle.

          Frauenrechtlerin Martha Burk hingegen, die während des Masters eigentlich dagegen protestieren wollte, daß der exklusive Golfklub nicht bereit ist, Frauen aufzunehmen, fordert die Absage im Falle eines Krieges. Greenspan parierte mit einem Gegenangriff: „Einen möglichen Krieg zu nutzen, um sich wieder in die Nachrichten zu bringen, ist die niedrigste Form der Eigenwerbung.“

          Woods bleibt in der Heimat

          Tiger Woods, die Nummer eins des Golf, ist jederzeit bereit, in den Vereinigten Staaten zu Turnieren anzutreten. Ins Ausland will er aber nicht mehr reisen, so lange der Konflikt anhält. Auf das Turnier in Dubai hatte er bereits verzichtet. An diesem Donnerstag schlagen er und Ernie Els gemeinsam mit anderen Golfstars in Orlando ab.

          „Wir wollen alle unsere Veranstaltungen planmäßig abhalten“, sagte Bob Combs, Tour-Direktor der PGA. Auch die Formel 1 will sich von einem möglichen Krieg nicht bremsen lassen.

          Formel 1 startet, NFL Europe in Florida?

          Der zweite Saisonlauf, der Große Preis von Malaysia in Sepang, finde auf jedenfall statt, verkündete das Management. Bis zum Wochenende sollen die Sicherheitsmaßnahmen an der Strecke verstärkt werden.

          Auch die Demonstrationen der Kriegsgegner in Deutschland könnten zu Konsequenzen führen: Das Management des europäischen Ablegers der National Football Leage (NFL) denkt darüber nach, die am 5. April beginnende Saison komplett in Florida auszutragen. In Frankfurt, Berlin und Gelsenkirchen sind die drei beliebsten Teams der NFL Europe zuhause.

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