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IOC : Rogge wird IOC-Präsident: Neue olympische Ära

  • -Aktualisiert am

Neuer Herr der Ringe: Jacques Rogge Bild: dpa

Jacques Rogge löst Juan Antonio Samaranch nach 21 Jahren an der Spitze des Weltsports ab. Von dem belgischen Chirurgen wird erwartet, dass er neue Akzente im Anti-Doping-Kampf setzt.

          4 Min.

          In der Olympischen Bewegung hat eine neue Zeitrechnung begonnen. Nach 21 Jahren unter dem Regiment von Juan Antonio Samaranch hat auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) den Jahrhundertwechsel vollzogen.

          Mit dem Belgier Jacques Rogge haben die IOC-Mitglieder am Montag zum Abschluss der historischen 112. IOC-Session einen neuen, den achten Präsidenten gewählt, der eine grundlegende Modernisierung der mächtigsten Sportorganisation der Welt erhoffen lässt.

          Kim hatte sich im FAZ.NET-Gespräch disqualifiziert

          Rogge erhielt schon im zweiten Wahlgang die absolute Mehrheit von 59 der 110 gültigen Stimmen. Klar hinter ihm landete der mitfavorisierte Südkoreaner Un Yong Kim mit 23 Stimmen auf dem zweiten Platz. Es folgten der Kanadier Richard „Dick“ Pound mit 22 und der Ungar Pal Schmitt mit sechs Stimmen. Im ersten Wahlgang hatten Rogge 46, Kim 21, Pound 20, Schmitt elf und die US-Amerikanerin Anita DeFrantz neun Stimmen erhalten.

          Hat als neuer IOC Präsident gut lachen: Jacques Rogge

          Die Wahl von Rogge hatte sich bereits am Sonntag abgezeichnet, nachdem sein Hauptkonkurrent Un Yong Kim im FAZ.NET-Gespräch seine Pläne bestätigte, jedes IOC-Mitglied jährlich mit mindestens 50.000 Dollar zu entlohnen. Damit löste der 70 Jahre alte Südkoreaner eine Welle der Empörung aus. Obwohl Kim einer Sanktion durch die von einem IOC-Mitglied angerufenen Ethik-Kommission entging, waren seine Chancen damit zunichte gemacht.
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          Zitat:

          „Dafür bin ich Kim dankbar. Jetzt weiß ich, dass höchstens 23 IOC-Mitglieder käuflich sind.“
          IOC-Mitglied Marc Hodler zu Kims 50.000-Dollar-Plänen
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          Die Reaktionen auf Rogges Wahl sind einmütig positiv. „Eine gute Wahl“, lobte das deutsche IOC-Mitglied Thomas Bach die Entscheidung, „bei der wichtig ist, dass Rogge eine breite Mehrheit erhalten hat.“ Damit werde es ihm gelingen, schnell wieder Einigkeit herzustellen, betonte Bach im Bezug auf den Wahlkampf, der noch nachklingt. Der unterlegene Kim ist zur Ernennung des neuen Präsidenten nicht erschienen. „Das ist eine unfaire Geste“, kritisierte Bach: „um es vorsichtig auszudrücken.“

          Der Schweizer Marc Hodler, Mitglied des IOC-Exekutivkomitees, wurde deutlicher: „Das ist die zweite Ungeschicklichkeit Kims.“ Zu Kims 50.000-Dollar-Plänen sagte Hodler, der im Dezember 1998 den IOC-Bestechungsskandal von Salt Lake City aufgedeckt hatte: „Dafür bin ich ihm dankbar. Jetzt weiß ich, dass höchstens 23 IOC-Mitglieder käuflich sind.“

          Vielfache Erwartungen an Rogge

          Thomas Bachs Erwartungshaltung an den neuen Präsidenten ist hoch. „Er hoffe“, sagte Bach gegenüber FAZ.NET, „dass Rogge integrativ wirkt, denn dafür ist er gewählt worden.“ Außerdem müsse er „das neue, reformierte IOC glaubwürdig vertreten, eine Verbesserung der internen und externen Kommunikation schaffen und neue Akzente im Anti-Doping-Kampf setzen.“

          Rogge konnte sein Stimmpotenzial in den europäischen Nationalen Olympischen Komitees, deren Vorsitzender er ist, optimal abrufen. „Er beherrscht all das, was das IOC braucht, mehr denn je“, lobte NOK-Präsident Walther Tröger, der Rogge als „belgischen Freund“ bezeichnet.

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