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IOC-Präsident : Bach: Gaucks Absage hat keine politischen Gründe

  • -Aktualisiert am

„Er kann ohne einen vorangegangenen offiziellen Staatsbesuch kein Land besuchen“: Thomas Bach (links) über Joachim Gauck Bild: picture alliance / Robert Schles

Für die Sotschi-Absage von Bundespräsident Gauck sieht Bach keine politischen Gründe. Der IOC-Präsident nennt unter Bezug auf Gauck das Protokoll als Hauptgrund. Derweil sollen bei den Winterspielen Protestzonen eingerichtet werden.

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          Bundespräsident Joachim Gauck hat bisher keine öffentliche Interpretationshilfe seiner Entscheidung gegeben, warum er den Olympischen Winterspielen in Sotschi im kommenden Februar keinen Besuch abstatten wird. Aufgrund seiner Biographie – sein Vater war in den fünfziger Jahren vier Jahre lang in einem sowjetischen Straflager in Sibirien inhaftiert – liegen politische Motive nahe.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Einer der wenigen, die daran nicht glauben, ist Thomas Bach. Am Dienstag versuchte der neue Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) auf einer Pressekonferenz in Lausanne, dem Verzicht des deutschen Staatsoberhaupts den unangenehmen Stachel zu nehmen. Dieser trifft nicht nur das russische System, sondern auch das IOC, das die Spiele in Putins Reich vergeben hat.

          „Joachim Gauck ist ein sehr geradliniger Mann“, sagte Bach nach seiner ersten Exekutivsitzung im neuen Amt. „Und wenn seine Entscheidung politische Motive gehabt hätte, dann hätte er es bestimmt gesagt.“ Bach nannte unter Bezug auf Gauck das Protokoll aus Hauptgrund für dessen Verzicht. „Er kann ohne einen vorangegangenen offiziellen Staatsbesuch kein Land besuchen.“ Der 59 Jahre alte Bach erklärte, er kenne Gauck ein bisschen. „Er ist ein Mann, der seine Worte zu gebrauchen weiß.“

          Dies hatte am Vorabend auch EU-Kommissarin Viviane Reding bewiesen. Auch sie wird auf eine Reise nach Sotschi verzichten. Über Twitter nannte sie ausdrücklich die Menschenrechtslage in Russland als Grund für ihre Entscheidung. „Ich werde sicher nicht nach Sotschi fahren, solange Minderheiten auf diese Weise von der derzeitigen russischen Regierung behandelt werden“, schrieb sie.

          „Joachim Gauck ist ein sehr geradliniger Mann“: IOC-Präsident Thomas Bach

          Die Ausbeutung von Fremdarbeitern und die Diskriminierung von Homosexuellen stehen im Mittelpunkt der Kritik am olympischen Gastgeber. Bei den Vereinten Nationen in New York haben am Dienstag die Sportstars Martina Navratilova und Jason Collins vom IOC ein stärkeres Eintreten für homosexuelle Sportler gefordert.

          „Schwule und Lesben müssen in so vielen Ländern immer noch Schimpfwörter und Schikanen oder sogar Gefängnisstrafen über sich ergehen lassen. In sechs Ländern droht ihnen sogar die Todesstrafe. Der Sport hat die Macht, daran etwas zu ändern“, sagte Navratilova. Die Tennisspielerin hatte sich 1981 als homosexuell zu erkennen gegeben, NBA-Basketballspieler Collins als erster Sportler in einer großen Mannschaftssportart der Vereinigten Staaten im April dieses Jahres.

          Bach lobte derweil in Lausanne den Fortgang der Vorbereitungen auf das unbeliebteste Sport-Großereignis seit langem. Sogar eine seltsame Art von Meinungsfreiheit soll den Bürgern während der Winterspiele gewährt werden. In Sotschi, erklärte der Tauberbischofsheimer, würden eigens ausgewiesene Protestzonen eingerichtet, in denen jeder seine Meinung frei äußern oder für etwas demonstrieren dürfe.

          Dieses Thema sei schon seit geraumer Zeit zwischen den Organisatoren und dem IOC diskutiert worden. Auf die Frage, ob die russische Regierung auch garantiere, dass Protestierer in den Zonen später vor unangenehmen Konsequenzen sicher seien, antwortete Bach allerdings ausweichend: Dies sei ja schließlich der Sinn der Übung.

          In Lausanne leitete Bach zuvor seine erste Sitzung des IOC-exekutivkomitees

          Auch während der Sommerspiele 2008 in Peking hatte es Protest-Zonen gegeben, die von der Bevölkerung aus Furcht vor staatlicher Verfolgung allerdings weitgehend gemieden wurden. Zu diese Lage passt das knappe Statement des IOC zur plötzlichen Auflösung seines Medienpartners für die Winterspiele 2014, der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti: „Wir erwarten nicht, dass diese Entscheidung Auswirkungen auf den Ablauf der Spiele hat.“

          Der russische Staatspräsident Wladimir Putin hatte per Dekret die Medien-Kontrolle in seinem Land verschärft, indem er auch Ria Nowosti seinem neuen Staatspropaganda-Apparat unter dem Namen „Internationale Nachrichtenagentur Rossija Segodnja“ (Russland heute) eingliederte.

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