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IOC gegen Wettbetrug und Doping : Gold geschützt, Gold genommen

  • -Aktualisiert am

Jones mit einer ihrer Medaillen: Ein letzter Kuss Bild: dpa

Die olympische Bewegung lässt sich über die Abwehr illegaler Wetter beraten. Die Bedrohung ähnelt der des Dopings, aber im Umgang mit unlösbaren Problemen hat das IOC bereits Übung: Marion Jones verlor alle Medaillen von Sydney.

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          Das Erscheinen Lord Condons sagt normalerweise mehr als der zurückhaltende Lord selbst. Wo der ehemalige Chef von Scotland Yard, ein Experte in der Korruptionsbekämpfung, in seinen korrekten Anzügen auch auftaucht, wird schnell klar: Hier hat eine Sportorganisation ein Problem ausgemacht und will es bekämpfen. Lord Paul hat sich darum verdient gemacht, den in den neunziger Jahren moralisch völlig heruntergekommenen Internationalen Cricket-Verband wieder salonfähig zu machen. Er ist außerdem seit einigen Monaten von der Internationalen Reiterlichen Vereinigung damit beauftragt, interne ethische Schwachstellen auszumachen. So wird schnell klar: Der feine Herr steht für das Gute.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Am Mittwoch nun adelten sich Lord Condon und das Internationale Olympische Komitee (IOC) gegenseitig. Vor der Spitzen-Auswahl der Welt-Sportfunktionäre, der IOC-Exekutive, legte er in Lausanne die Probleme und Lösungsansätze rund um illegale Wetten und verschobene Spiele im Sport dar. Hinweise auf gesetzeswidriges Treiben gab es in letzter Zeit schließlich zuhauf, von möglicherweise 15 verschobenen Spielen im Fußball-Uefa-Cup bis zu verdächtigen Matches im Tennis und Schiedsrichter-Skandalen im amerikanischen Team-Sport. „Die Olympischen Spiele sind nicht das wichtigste Ziel“, sagte Condon in Lausanne. Das IOC allerdings will wachsam sein.

          Nächste Runde im Fall Marion Jones

          Illegale Wetten, hatte IOC-Präsident Jacques Rogge schon vorher postuliert, seien eine ähnlich schwerwiegende Bedrohung für die olympische Bewegung wie das Doping-Problem. Die Doper allerdings sind in ihrer fatalen Entwicklung schon wesentlich weiter. So ging während der dreitägigen Exekutivsitzung auch der Fall der geständigen amerikanischen Leichtathletin Marion Jones in die nächste Runde.

          Wie erwartet disqualifizierte das IOC-Spitzengremium Jones von allen Wettbewerben der Olympischen Spiele 2000 in Sydney. Sie verliert also nun offiziell die drei goldenen und beiden bronzenen Medaillen, die sie bereits zurückgeschickt hat. Auch ihr fünfter Platz im Weitsprung-Wettbewerb von Athen 2004 wird gestrichen. Über die Frage, ob die hinter ihr Plazierten nachrücken werden, wurde noch nicht entschieden.

          Wer bekommt jetzt die Medaillen?

          Man wartet auf die Akten vom amerikanischen Prozess gegen den Laborleiter Victor Conte und auf die Ergebnisse des Gesprächs, das Conte am Mittwoch in New York mit Richard Pound, dem Präsidenten der Welt-Anti-Doping-Agentur geführt hat. Man wolle schließlich nicht eine Medaille an eine Athletin weitergeben, der man sie möglicherweise später wieder abnehmen müsse, erklärte IOC-Vizepräsident Thomas Bach, der Vorsitzende der mit dem Fall beauftragten Disziplinarkommission. Des Weiteren darf Marion Jones bei den Olympischen Spielen 2008 in keiner offiziellen Funktion auftauchen.

          Die amerikanischen Staffelläuferinnen, die in Sydney zusammen mit Marion Jones Sieger (400-Meter-Staffel) und Dritte (100-Meter-Staffel) wurden, werden erst rechtliches Gehör erhalten, bevor das IOC darüber entscheidet, ob auch sie - mitgefangen, mitgehangen - ihre Medaillen verlieren. Bis Januar hat das amerikanische Nationale Olympische Komitee Zeit, die Statements der acht betroffenen Sprinterinnen weiterzureichen. Der Fall soll bis zur nächsten Exekutivsitzung im April in Peking entschieden werden.

          Sportwetten zum Zweck der Geldwäsche

          Zyniker könnten nun darauf wetten, ob das IOC diesen Termin schafft. Das Internet bietet schließlich Quoten auf fast alles an. Der Sport wiederum ist anfällig für Manipulationen. „Dies ist ein Thema des ganzen Sports“, sagte Rogge bei der Abschlusspressekonferenz am Mittwoch. Es gebe im Moment keine unmittelbaren Probleme mit illegalen Wetten für die Olympischen Spiele. „Wie Doping muss diesem Thema aber in einer konzertierten Aktion begegnet werden.“ Gerade in den Ländern der nächsten Spiele, nämlich China und England, sind Sportwetten populär. In Asien wiederum gibt es keine Restriktionen für den Wett-Markt - man geht sogar davon aus, dass Sportwetten dort zum Zweck der Geldwäsche genutzt werden.

          Das IOC hat anhand seines Ethik-Codes den Teilnehmern der Spiele das Wetten bereits verboten. Auch sind Wett-Anbieter als olympische Sponsoren nicht erwünscht. Als weitere Maßnahme kündigte Rogge ein Seminar mit den internationalen Sportverbänden an, zur Bestandsaufnahme und mit dem Ziel, die Wett-Prävention ins Regelwerk aufzunehmen. Dazu sollen Erziehungsprogramme kommen. „Wenn nötig noch vor den Spielen in Peking“ will das IOC eine Zusammenarbeit mit Wettanbietern einrichten. Diese sollen bei eventuellen Auffälligkeiten Alarm geben.

          Außerdem wird die Kooperation mit solchen Ländern angestrebt, in denen das Wettgeschäft gesetzlich reguliert ist. „Die Maßnahmen unterscheiden sich nicht sehr von denen gegen Doping“, sagte Rogge: Verankerung im Regelwerk, Prävention, Testprogramm und Zusammenarbeit mit den Regierungen. Was wieder einmal zeigt: Man hat bereits Übung im Kampf gegen unlösbare Probleme.

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