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Interview : Wolfgang und Friedhelm Funkel: „Diese Bruderliebe werden wir auch erhalten“

  • Aktualisiert am

Wolfgang Funkel: „Was ist Vetternwirtschaft?” Bild: dpa

Das Rostocker Fußball-Trainergespann Friedhelm und Wolfgang Funkel redet im Gespräch mit FAZ.NET über ihre Liebe zum Fußball, zur Ordnung und übereinander.

          6 Min.

          Die Premiere im nagelneuen Rostocker Ostseestadion ist auch für Wolfgang und Friedhelm Funkel ein ganz neues Gefühl. Erstmals sitzt ein Brüderpaar gemeinsam auf der Bank.

          Im Gespräch mit FAZ.NET verraten die Funkel-Brüder viel über sich, über Vorurteile, Risiken und die Alltagsarbeit im Fußball.

          Was macht eigentlich Ihre Schwester Gabi beruflich?

          Wolfgang Funkel: Die arbeitet als Sekretärin, halbtags in einer Stahlfirma...

          Engagierter Trainer: Friedhelm Funkel
          Engagierter Trainer: Friedhelm Funkel : Bild: dpa

          Friedhelm Funkel: ... die Frage hat noch keiner gestellt. Warum wollen Sie das wissen?

          Es interessiert, welchen Job Gabi beim FC Hansa übernimmt.

          Friedhelm Funkel: Also die Sekretärinnen-Sellen sind hier gut besetzt. Das kommt nicht in Frage.

          Bei Ihrem Dienstantritt in Rostock vor zehn Monaten haben Sie auch gesagt, Sie würden nie Ihren Bruder holen. Zitat: „Das würde nicht gutgehen. Die Spieler hätten das Gefühl, der eine trägt dem anderen laufend was zu."

          Friedhelm Funkel: Hätte ich nur einen Co-Trainer, wäre das auch unmöglich. Aber wir sind ja zu dritt. Der andere Assistenztrainer Juri Schlünz, ein Hansa-Idol, war es, der sich für Wolfgang ausgesprochen hat. Die beiden haben sich beim Trainerlehrgang in Köln super verstanden. Auch deshalb haben wir es gemacht. Wolfgang: Die Spieler haben am Anfang schon genauer auf mich geguckt, aber schnell gemerkt, dass ich kein Spinner bin und auch Juri nicht verdrängen will.

          Ein Co-Trainer ist oft Beichtvater für unzufriedene Spieler. Können Sie diese Aufgabe überhaupt erfüllen?

          Wolfgang Funkel: Warum nicht?

          Friedhelm Funkel: Der wird seine Geheimnisse vor mir haben, das ist mir schon klar

          In Rostock war bereits von „Vetternwirtschaft" beim FC Funkel die Rede.

          Wolfgang Funkel: Was ist Vetternwirtschaft...? Fakt ist, dass mein Bruder noch einen zusätzlichen Mann holen wollte, das stand schon lange fest.

          Friedhelm Funkel: Es kann doch keiner davon ausgehen, dass die Funkels jetzt jegliche Entscheidungsgewalt im Verein haben. Das ist alles Blödsinn. Aber weil wir kein Gerede wollen, hat mein Bruder die ersten Tage, bis er eine Wohnung hatte, im Hotel gewohnt - und nicht bei mir. Wir haben überhaupt diese Woche zum ersten Mal gemeinsam was gemacht: Pferderennen in Bad Doberan.

          Sie haben ja durchaus unterschiedliche Interessen. Stichwort Schützenfest.

          Friedhelm Funkel: Das hat Tradition am letzten August-Wochenende in Neuss. 5000 Menschen marschieren da durch die Straßen in Uniform. Auch mein Vater war stets dabei, was mich fasziniert hat. Seit 15 Jahren lege ich auch immer meine Grenadieruniform an: Weiße Hose, weißes Hemd, Fliege, Schärpe, Frack und Zylinder. Ich habe meinen Spaß - aber mein Bruder lehnt das ab.

          Wolfgang Funkel: Ich gucke mir das Spektakel lieber von draußen an...

          Friedhelm Funkel: ...würdest Du es gut finden, wärst Du im Zug dabei.

          Wolfgang Funkel: ...Hmhh.

          Wie sieht denn die Arbeitsteilung bei Ihnen aus? Man hört, Ihr Bruder ist für das bei den Spielern unbeliebte Lauftraining zuständig.

          Friedhelm Funkel: Ja, weil er noch topfit ist. Ich bin da schon in einem Alter, wo ich nicht mehr so gut mithalten kann.

          Wolfgang Funkel: Er ist bescheiden, er ist in Wirklichkeit noch ganz gut drauf.

          Welchen Einfluss hat überhaupt ein Assistenztrainer bei einem dominanten Trainer wie Ihnen?

          Friedhelm Funkel: Ich frage schon nach dessen Meinung: Wen lassen wir spielen, wer soll zuhause bleiben? Dann lasse ich das in meine Entscheidung mit einfließen. Es ist nicht so, dass Juri und mein Bruder nur die Hütchen aufstellen. Wir sind gleichberechtigte Partner - aber entscheiden muss ich. Ich halte den Kopf hin.

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