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Interview : Wolfgang Maier: „Medienorientierte Medaillengier der Österreicher ist unerträglich“

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Chef-Skilehrer: Wolfgang Maier Bild:

Wolfgang Maier, erfolgreichster Trainer des deutschen Skiverbandes, schreckt im Gespräch mit FAZ.NET vor deutlicher Kritik an den Verbandsstrukturen, der Bedeutung des Skisports und dem Verhalten der Österreicher nicht zurück.

          Wolfgang Maier hat Zeit. Zwei Ruhetage bei der alpinen Ski-Weltmeisterschaft in St. Anton geben dem 40-Jährigen die Gelegenheit, sich einmal zurückzulehnen. Bilanz zu ziehen, in Vergangenheit und Zukunft zu blicken. „Der Erfolg von Martina Ertl hilft uns auf allen Ebenen“, sagt der Damen-Cheftrainer, der noch erheblichen Handlungsbedarf im nationalen und internationalen Verband sieht.

          „Die Österreicher manipulieren im positiven Sinne“, sagt Wolfgang Maier im Gespräch mit FAZ.NET, das sei auch legitim. Doch die Deutschen könnten noch lernen, was die bessere Vermarktung des Skisports und die Förderung des Skitourismus angeht. „Einige haben immer noch nicht begriffen, dass wir ein Teil einer Unterhaltungsshow sind.“ Die Österreicher sind für Wolfgang Maier Vorbild und Feindbild zugleich.

          Die Goldmedaille von Martina Ertl hat den deutschen Skisport wieder in den Blickpunkt gerückt. Wie ist das jetzt am besten zu nutzen?

          Am besten auf allen Ebenen. Für den Nachwuchs aber auch für den Skisport in Deutschland im Allgemeinen. Wir haben mit den Damen seit 1993 bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen 19 Medaillen geholt, 240 Platzierungen auf dem Podium im Weltcup erreicht. Das ist überdimensional viel für unseren Verband mit 40, 45 Mädchen. Denn eines muss doch klar gestellt werden: Skifahren ist Randsport in Deutschland. Das Einzugsgebiet ist begrenzt. 100 Skigebiete in Österreich sind besser als das beste in Deutschland. Dabei müsste das gar nicht sein.

          Werden hier Fehler gemacht?

          Ja, ganz bestimmt. Ich wohne in Berchtesgaden, fahre eine halbe Stunde über die Grenze und bin auf bestens präparierten Pisten in Flachau. Warum ist das im Allgäu nicht möglich? Aber dann gibt es Einwände von der Politik. Da darf kein Lift stehen, da keine Beschneiungsanlage. Einige haben noch nicht erkannt, dass wir ein Teil einer Unterhaltungsshow sind. Die Österreicher machen das besser: Am Arlberg und in St. Anton ist der Kreislauf zu besichtigen: Skigebiet, Sport, Tourismus, Vermögen. Das alles gehört zusammen. Diese Möglichkeiten hätten wir teilweise auch, aber nur die Österreicher nutzen sie konsequent.

          Warum wäre das in Deutschland wichtig?

          Weil Skifahren doch der ideale Sport für unsere Jugend ist. Das macht den Kids Spaß. Die wollen Geschwindigkeit, keine übermäßige Anstrengung. Wenn du den Berg runterfährst, ist das erst einmal viel angenehmer als ihn hochzulaufen.

          Was können die Deutschen sonst noch von den Österreichern lernen?

          Die Österreicher manipulieren im Skisport viel. Ich meine das im positiven Sinne. Das ist hochprofessionell, wie sie das angehen. Schauen wir in die internationalen Gremien, sehen sie sich den Vorstand der FIS an: Überall sitzen Österreicher. Das spricht für sie - und gegen alle anderen Nationen. Die Deutschen schauen auch zu.

          Sind sie mit der Ski-WM in St. Anton nicht zufrieden?

          Nein, nein, das hat damit nichts zu tun. In der Außenwirkung kommt die WM wohl gut rüber. Ob Lech, Zürs oder St. Anton: Das sind schöne Skigebiete. Ich bin mit der Wahl des Ortes zufrieden. Zielstadion, Pressezentrum, Organisation, das ist alles professionell. Das Einzige, was mir nicht gefällt, sind die begrenzten Trainingspisten für die Athleten.

          Würden sie als Trainer im österreichischen Skiverband arbeiten?

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