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Interview : Völler: „Die Hauptschuld trage ich“

  • Aktualisiert am

Getroffen: Rudi Völler Bild: AP

Der deutsche Teamchef über die Blamage der Nationalmannschaft in Rumänien: Was er beim 1:5 falsch gemacht hat und welche Konsequenzen er daraus ziehen will.

          2 Min.

          Das 1:5-Debakel in Rumänien war für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft die höchste Niederlage seit der Heimpleite in der WM-Qualifikation mit dem gleichen Ergebnis im September 2001 in München gegen England. Höher verlor eine Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zuletzt vor 50 Jahren
          auf dem Weg zum Titelgewinn beim 3:8 bei der WM 1954 in der Schweiz. Insgesamt verlor Deutschland nur fünfmal höher als am Mittwoch abend.

          1:5 in Rumänien - wie konnte das passieren?

          Wir haben eine Katastrophen-Leistung geboten, vor allem in der ersten Halbzeit. Dafür gibt es keine Entschuldigung, auch die kurzfristigen Ausfälle sind keine. So etwas darf nicht passieren. Aber die Hauptschuld dafür trage ich. Ich bin jetzt vier Jahre Teamchef, aber trotzdem lerne ich nicht aus.

          Wie meinen Sie das?

          Es wird mir in Zukunft nicht mehr passieren, daß ich mit einem dezimierten Kader zu solch einem schweren Auswärtsspiel fahre. Ich habe niemanden nachnominiert, weil ich keine Unruhe in die U21 und ins Team 2006 bringen wollte, die ja auch gespielt haben. Dieses Risiko bin ich gegangen, und das mache ich mir sehr stark zum Vorwurf.

          Weil Sie nach den Absagen von Jens Nowotny und Frank Baumann plötzlich ohne Abwehrspieler waren und in Carsten Ramelow und Jens Jeremies zwei Mittelfeldspieler in der Innenverteidigung aufbieten mußten?

          Ich will nicht auf die beiden draufhauen, aber das war sicher der Schlüssel. Es war auch eine falsche Entscheidung, daß ich mit ihnen Vierer-Kette spielen ließ. Wir hätten mit einer Dreier-Kette spielen müssen, wie wir es in der zweiten Halbzeit getan haben.

          Hätte man von der Mannschaft nicht auch unter diesen Voraussetzungen erwarten können, daß sie sich wenigstens wehrt?

          Natürlich gibt es für diese Vorstellung keine Entschuldigung. Wenn wir 0:1, 1:2 oder 1:3 verloren hätten, hätten wir damit leben können, aber nicht mit einem 0:4 in einer Halbzeit. Das war unterirdisch. Ich hätte nicht gedacht, daß wir uns so abschießen lassen. Aber der eine oder andere war wirklich schwach auf seiner Position. Das behalte ich im Hinterkopf.

          Werden Sie nach diesem Spiel noch einmal die Zusammensetzung ihres EM-Kaders überdenken?

          Es ist zu früh, irgendetwas über Konsequenzen zu sagen. Ich brauche Zeit, um über das Spiel und die Leistung des ein oder anderen nachzudenken. Aber die Hauptschuld trage ich, und ich verspreche, das wird mir nicht mehr passieren.

          Welche psychischen Auswirkungen hat die Pleite im Hinblick auf die EM?

          Vielleicht ging es uns zu gut. Vielleicht hat man nach den Siegen in Kroatien und gegen Belgien geglaubt, daß alles von selbst geht. Schade ist nur, daß wir jetzt nicht sofort wieder ein Länderspiel haben. So müssen wir uns lange mit diesem 1:5 beschäftigen. Aber ich weiß, wie ich dieses Spiel einordnen muß.

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