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Interview : Thomas Bach: „Am Ende des Weges steht interaktives Fernsehen“

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Thomas Bach Bild:

IOC-Vizepräsident Thomas Bach hat die Internetstrategie des IOC verteidigt. Es sei der richtige Weg die Internetrechte an Fernsehanstalten zu vergeben, sagte Bach in einem FAZ.NET-Interview.

          Thomas Bach ist in Sydney zum Vizepräsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt worden. Bis dahin gehörte der Fecht-Mannschaftsolympiasieger von 1976 bereits vier Jahre lang dem IOC-Exekutivkomitee an. Seit 1991 ist er IOC-Mitglied. Als Seniorpartner einer Anwaltskanzlei in Tauberbischofsheim hat sich der 47-Jährige auf Wirtschafts- und Finanzrecht spezialisiert.

          Die Fernsehrechte für die Olympischen Spiele sind bis 2008 vergeben. Wie ist die aktuelle Situation bei den Internetrechten?

          Bach: Die Internetrechte sind zusammen mit den TV-Rechten vergeben bis 2008. Soviel kann man sagen, nach dem heutigen Vormittag bei der 'IOC World Conference on Sport an New Media'. Und das ist nicht unbedingt von Schaden, wenn man sich die Zahlen und die Entwicklung im Internet ansieht.“

          Ist es nicht richtig, dass schon 2004 extra für die Internetrechte gezahlt werden muss?

          Bach: „Ja, aber es wird immer deutlicher, dass es im Internet von Seiten der Sportveranstalter und vom IOC nicht darum gehen kann, Geld zu verdienen. Das ist mit dem Internet gegenwärtig nicht möglich. Das zeigen alle anderen Erfahrungen bei Veranstaltungen. In soweit ist diese Frage sekundär.“

          Sie haben die Internetrechte mit den TV-Rechten verknüpft und fordern gleichzeitig, dass die nationalen Sender auch im Internet die Bilder nur national verbreiten dürfen. Das widerspricht dem Sinn des Internets.

          Bach: „So sind die Rechte vergeben. Die Fernsehrechte sind national oder regional vergeben. Und das ist genau die Problematik, der wir uns im Moment gegenüberstehen, das das mit den Möglichkeiten und Erfordernissen des Internets nicht übereinstimmt. Darüber befinden wir uns in Gesprächen mit den Sendern. Aber noch einmal, ich sehe keine Konkurrenz zwischen Fernsehen und Internet. Wenn sie sich die Statisken ansehen. Weltweit 3,7 Milliarden Haushalte haben sich die Olympischen Spiele im Fernsehen angesehen, 20 Millionen haben sich im Internet informiert. Selbst wenn die Prognosen zutreffen, dass im Jahr 2005 500 Millionen Menschen Zugang zum Internet haben werden, wird es weiße Flecken in Afrika und Asien geben. Nur 50 Prozent der Leute, die Zugang haben, werden ihn nutzen. Dann sind wir schon bei 250 Millionen, davon wird noch einmal die Hälfte nur E-Mails schreiben und nicht auf die Olympiaseiten blicken. Das zeigt die Relationen. Selbst wenn das Fernsehen stagnieren sollte, was es nicht tun wird, stehen dem gegenüber vier Milliarden Fernsehzuschauer.“

          Sie müssen schon heute die Rechte-Verhandlungen für die Spiele 2010 entwerfen. Ist es nicht unmöglich jetzt zu planen, wie die Medienlandschaft in zehn Jahren aussehen wird?

          Bach: „Ich glaube, das wir im Jahr 2010 schon jenseits des Internets sind, das wir bis dahin interaktives Fernsehen haben werden. Da werden sich viele Fragen, die wir heute mit dem Internet haben, gar nicht mehr stellen. Es wird eine Konvergenz zwischen Fernsehen und Internet geben.“

          Wie wird das IOC selbst in der Zukunft mit dem Internet umgehen?

          Bach: „Wir sollten das Internet nicht aus der Sicht der Rechte betrachte. Sondern die stärken nutzen. Und das ist individualisierte Kommunikation mit den Zielgruppen. Wir sollten gar nicht versuchen, Geld zu verdienen, sondern die Zielgruppen direkt ansprechen. Wenn es dennoch Einnahmen gibt, werden wir uns nicht dagegen wehren. Aber ich sehe es auch aus dem Sichtwinkel, Kosten zu sparen. In Sydney wurden fünf Prozent der Karten über das Internet verkauft. In Salt Lake City werden es 80 Prozent sein. Das spart viel Geld. Aber Profitmaximierung ist nicht unser Ziel.“

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