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Interview : "Terrorismus darf die Olympischen Spiele nicht stoppen"

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„Sicherste Veranstaltung der Welt”: Cheforganisator Mitt Romney Bild: dpa

Olympia 2002 in Salt Lake City: Das Thema Nummer eins - die Sicherheit. Drohen Festungsspiele? Mitt Romney, Chef des Organisationskomitees im FAZ.NET-Interview.

          Der Countdown läuft: Heute in 71 Tagen beginnen die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City. Das Thema Nummer eins ist dabei natürlich die Sicherheit. Drohen Festungsspiele oder kann sich der olympische Geist vom 8. bis 24. Februar tatsächlich entfalten? Mitt Romney, Chef des Organisationskomitees (SLOC), im Gespräch mit FAZ.NET-Mitarbeiter Stefan Liwocha.

          FAZ.NET: Mister Romney, Sie sind um ihre Aufgabe wahrlich nicht zu beneiden. Sie müssen das Image von Salt Lake City aufpolieren, darüber hinaus die Welt von sicheren Spielen überzeugen. Ein unmögliches Unterfangen?

          Romney: Dies ist ohne Frage der bei weitem schwierigste Management-Job meiner Karriere. Als ich vor drei Jahren als Chef des Organisationskomitees anfing, bemühte ich mich nach dem Bestechungsskandal um Schadensbegrenzung. In dieser schwierigen Zeit hatte SLOC enorme finanzielle Probleme, so dass wir große Geldmengen auftreiben mussten. Und jetzt geht es darum, die Welt von unserem Sicherheitskonzept zu überzeugen, während der Krieg gegen den Terrorismus geführt wird. Das sind fürwahr große Herausforderungen.

          The Games must go on. Ohne wenn und aber?

          Glücklicherweise herrscht bei unseren Mitarbeitern und in der Bevölkerung nach wie vor eine große Begeisterung für die Winterspiele. Die Athleten von der ganzen Welt fühlen sich verpflichtet hierherzukommen, um die Chance dieses einmaligen Auftritts zu nutzen. Und ich denke, dass auch die verschiedenen Länder erkannt haben, dass Terrorismus die Olympischen Spiele nicht stoppen darf.

          Am tragischen 11. September waren Sie gerade in Washington D.C.. Gab es einen Moment, an dem Sie gedacht haben, man muss die Winterspiele absagen?

          Am 11. September hatte ich ein Treffen mit Kongressabgeordneten. Es ging darum, dass unser Sicherheitsetat genehmigt wird. Wie man sich denken kann, gab es sofort grünes Licht. Wir haben über alle möglichen Szenarien diskutiert. Und ein jeder meiner Gesprächspartner, ob aus Regierungskreisen oder der olympischen Gemeinschaft, unterstrich dabei, dass die Spiele stattfinden müssen. Eine Absage war nie ein Thema. Und ich habe mich nach dem ' warum ' gefragt. Ich denke, dass man sich im Klaren darüber ist, dass die Athleten enorme Opfer bringen, um an den Spielen teilzunehmen. Nichts sollte ihnen die Chance rauben, ihre Fähigkeiten, ihre Leidenschaft und ihre Courage zu demonstrieren.

          Das Sicherheitsbudget wurde auf 300 Millionen Dollar aufgestockt. Sind Sie damit zufrieden?

          Ja, denn ich denke, dass alle Wünsche der verschiedenen Sicherheitsdienste von der US-Regierung erfüllt wurden. Nichts wird zurückgehalten. Dabei geht es aber nicht nur um Geld sondern auch um zahlreiches Personal vom Militär und den Geheimdiensten. Wir alle wissen, dass jeder Schritt getan werden muss, um die Sicherheit von Athleten und Zuschauern zu gewährleisten. Durch den 11. September wird der Luftverkehr stärker als vorher geplant eingeschränkt. Ich gehe davon aus, dass während besonders kritischer Phasen wie der Eröffnungs- und Schlussfeier kein Flugzeug in der Nähe von Salt Lake City fliegen darf. Militär-Jets werden regelmäßig den Luftraum patrouillieren und das Verbot überwachen.

          Demnach schließt das Sicherheitskonzept auch den terroristischen Schlimmstfall mit ein...

          Wir haben bei unseren Anti-Terror-Maßnahmen doch den großen Vorteil, dass wir genau wissen, wo und wann wir Bürger, Athleten und Besucher während der 17 olympischen Tage schützen müssen. Uns stehen alle erdenklichen Mittel zur Verfügung, um auf biologische und chemische Bedrohungen sowie jenen aus der Luft zu reagieren. Gleiches gilt auch für die Verhinderung von Bombenattentaten. Der Sicherheitsplan wurde vom CIA und FBI entworfen und wir denken, dass er erstklassig funktionieren wird. Dies soll schließlich die sicherste Veranstaltung der Welt werden.

          Klingt ganz nach Festungsspielen. Kann sich da überhaupt der olympische Geist entfalten und echte Freude aufkommen?

          Ohne Frage. Es wird während der Spiele viele Orte geben, an denen die Menschen ohne Sorge um die Sicherheit feiern können. Größere Gebiete werden eingezäunt und dort kommt man nur nach einer intensiven Kontrolle hinein. Innerhalb dieser Zäune halten sich dann natürlich auch viele Sicherheitsbeamte auf. Nur kann man die meisten nicht erkennen, weil sie keine Uniform tragen werden.

          Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Olympischen Dorf. Droht den Athleten ein Sicherheits-Albtraum mit unzähligen Kontrollen?

          Romney: Natürlich ist die Sicherheit im Olympischen Dorf großgeschrieben. Doch trotz aller Vorsichtsmaßnahmen werden die Athleten eine wunderbare Zeit haben. Die Anlage ist nagelneu und bietet viele Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und Erholung. Natürlich ist das Olympische Dorf von einem Zaun umgeben, sogar einem doppelten, und das Militär steht Wache. Doch die Athleten können ohne Probleme nach Downtown Salt Lake City fahren und sich dort an Konzerten von Star-Entertainern erfreuen und kulinarische Köstlichkeiten aus der ganzen Welt genießen.

          Viele Menschen auf der ganzen Welt sind besorgt und fragen sich, ob Sie tatsächlich nach Salt Lake City kommen sollen. Ihre Botschaft?

          Ich weiß, dass man sich Sorgen wegen der Sicherheit macht. Und das ist sehr gut zu verstehen. Die Sicherheit stand aber immer im Mittelpunkt unserer Planungen und hier beim SLOC sowie in der US-Regierung hat man daher viel Energie und Zeit investiert. Grundsätzlich geht es doch bei Olympischen Spielen in erster Linie um die Athleten und ihre hervorragenden Leistungen. Daher soll sich auch in Salt Lake City alles um den Sport drehen. Es wird eine tolle Zeit und die Menschen werden ihren Spaß haben.

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