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Interview, Teil III : Roland Baar: Ohne den Staat kann der Sport den Kampf gegen Doping nur verlieren

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Das IOC steht 2001 vor dem größten Umbruch seit 20 Jahren. IOC-Mitglied Roland Baar sieht weiteren Reformbedarf und fordert im Interview mit FAZ.NET mehr Einfluss für die Aktiven: „Der Athlet ist der Kunde des IOC.“

          Das IOC steht 2001 vor dem größten Umbruch seit 20 Jahren: Das Ende der Ära Samaranch, die juristischen Folgen des Korruptionsskandals von Salt Lake City und die Wahl des Gastgebers für Olympia 2008 nach den neuen Regeln. IOC-Mitglied Roland Baar sieht weiterhin enormen Reformbedarf und fordert mehr Einfluss für die Athleten. Um den Kampf gegen das Doping nicht zu verlieren, so Baar, „brauchen wir den Staat. Das wird ohne seine Hilfe nicht gehen.“

          Die Spiele in Sydney waren für das IOC ein großer Erfolg. Aber gerade im Umfeld dieser Spiele gab es wieder viele Vorwürfe, dass das IOC nicht ernsthaft gegen Doping kämpft. So wurden die Sportler etwa nicht auf den Missbrauch von Wachstumshormonen getestet.

          An dieser Stelle ist die Kritik so nicht angebracht. Das IOC hat eine Menge gegen Doping getan, es hat schließlich die Welt-Anti-Dopingagentur initiiert und die nationalen Regierungen auf der politischen Ebene bewegt, sich daran zu beteiligen. So sind die Rahmenbedingungen geschaffen worden, gegen Doping vorzugehen.

          Dennoch wurde in Sydney nicht nach Wachstumshormonen gefahndet.

          Das IOC verwendet nur Verfahren, die wirklich hundertprozentig anerkannt sind, und die Verfahren waren vor den Spielen noch nicht genügend abgesichert. Das muss man so akzeptieren. Man muss sich auf Experten verlassen, die sagen, wir können das noch nicht sicherstellen, dass diese Verfahren funktionieren. Da sichert sich das IOC ab. Aber der Kampf gegen das Doping, das weiß ich, wird sehr ernst genommen. Denn Doping ist die Gefahr überhaupt für die olympische Bewegung.

          Kann der Sport den Kampf gegen Doping alleine gewinnen oder brauchen die Verbände die Unterstützung des Staates ?

          Man kann den Kampf gegen Doping nicht gewinnen. Das muss man erst einmal akzeptieren. Man kann ihn aber verlieren. Es wird immer wieder neue Dopingmethoden geben. Die Nachweisverfahren und Kontrollmöglichkeiten werden immer erst hinterher kommen. Man kann aber den Kampf gegen das Verlieren führen, und dazu brauchen wir den Staat. Das wird ohne ihn nicht gehen.

          Weil die Sportverbände es nicht wollen oder weil sie es nicht können?

          Weil sie es nicht können. Weil das Doping eben nicht eine rein medizinische Frage ist, sondern neben den ethischen Aspekten vor allem eine juristische. Das ist von Verbänden allein nicht lösbar, weil immer das Persönlichkeitsrecht von Einzelnen eine Rolle spielt und die juristische Person des Athleten zu berücksichtigen ist. Für die Zukunft brauchen wir Rahmenbedingungen, die den Schutz der Unschuldigen absichern.

          Das Gespräch führte Cai Philippsen

          Roland Baar:

          Seine sportlichen Erfolge verschafften dem Deutschen weltweit Respekt: Fünfmal Ruder-Weltmeister, eine Bronzemedaille mit dem deutschen Achter Olympia `92 in Barcelona, Silber mit dem Paradeboot in Atlanta `96. Danach beendete er seine Karriere. Unter den Aktiven gilt er als ein Mann des offenen Wortes. Bei den Olympischen Spielen in Sydney wurde er von den Teilnehmern in die Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees gewählt. Baar (35) ist neben IOC-Vizepräsident Thomas Bach und Walther Tröger, dem NOK-Präsidenten, das dritte deutsche Mitglied in der mächtigen Sportorganisation. Der ehemalige Schlagmann musste für seine deutliche Kritik zuletzt Vorwürfe von anderen IOC-Mitgliedern einstecken.

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