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Interview, Teil II : Roland Baar: Peking, das ist ein ganz schwieriges Thema

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Das IOC steht 2001 vor dem größten Umbruch seit 20 Jahren. IOC-Mitglied Roland Baar sieht weiteren Reformbedarf und fordert im Interview mit FAZ.NET mehr Einfluss für die Aktiven: „Der Athlet ist der Kunde des IOC.“

          Das IOC steht 2001 vor dem größten Umbruch seit 20 Jahren: Das Ende der Ära Samaranch, die juristischen Folgen des Korruptionsskandals von Salt Lake City und die Wahl des Gastgebers für Olympia 2008 nach den neuen Regeln. IOC-Mitglied Roland Baar sieht weiterhin enormen Reformbedarf und fordert mehr Einfluss für die Athleten. Um den Kampf gegen das Doping nicht zu verlieren, so Baar, „brauchen wir den Staat. Das wird ohne seine Hilfe nicht gehen.“

          Im Sommer stehen für Sie zum ersten Mal entscheidende Wahlen im IOC an. Präsident Samaranch hat die Bewerberstädte noch einmal eindringlich auf die neuen Regeln “keine Geschenke, keine Besuche“ eingeschworen. Warum war das nach dem Skandal von 1998 nötig, gab es erneut Gerüchte von Bestechungsversuchen?

          Nein, ich stehe ja auf den Listen und bekomme Informationen und Broschüren, nicht mehr. Ich habe bisher überhaupt nichts erfahren. Seit den Skandalen ist das Thema beendet.

          Haben Sie schon einen Favoriten?

          Auf der Basis der aktuellen Informationen habe ich meinen persönlichen Favoriten schon gewählt. Aber den werden ich sicherlich nicht nennen. Es sind hochklassige Bewerbungen dabei. Alle sind interessant. Jede Bewerbung, die man sich anschaut, hat ihre Stärken. Für die Entscheidung zählen bestimmte Kriterien, nach denen knallhart bewertet wird.

          Wie bewerten Sie den Plan von Peking, das Beach-Volleyball-Turnier auf dem Platz des Himmlischen Friedens, dem Ort des Massakers von 1989, auszutragen?

          Das ist natürlich ein ganz schwieriges Thema. Es gibt so ein paar Grundvoraussetzungen für mich, um Olympische Spiele austragen zu können. Dazu gehört sicherlich auch die politische Positionierung eines Landes. Da wird man sehen müssen, wie weit das ins Gewicht fällt.

          Neben der Olympiastadt 2008 wird nach der 20 Jahre dauernden Ära Samaranch auch der IOC-Präsident gewählt, was Erwarten Sie von einem neuen Präsidenten?

          Ein Wechsel bringt immer Bewegung und die Chance, etwas Neues zu machen. Zwei Dinge erhoffe ich mir ganz konkret. Zum einen, dass der Einfluss der Athleten weiter wächst und in stärkeren Maße für die Sportler gearbeitet wird. Außerdem muss der begonnene Reformprozess weitergeführt werden. Es muß darüber nachgedacht werden, wie man das IOC weiter so reformieren kann, dass es langfristig überlebensfähig ist.

          Jacques Rogge und Richard Pound gelten als Favoriten um den Posten an der IOC Spitze. Haben Sie ihren persönlichen Favoriten? Oder würden Sie gerne Thomas Bach an der Spitze des IOC sehen?

          Noch gibt es ja gar keinen offiziellen Kandidaten. Ich habe aber ehrlich gesagt noch keinen Favoriten. Wir erwarten noch direkte Gespräche zwischen der Athletenkommission und den einzelnen Kandidaten, und wir werden sicher denjenigen unterstützen, der unsere Ziele am besten verfolgt und dem wir vertrauen.

          Das Gespräch führte Cai Philippsen

          Roland Baar:

          Seine sportlichen Erfolge verschafften dem Deutschen weltweit Respekt: Fünfmal Ruder-Weltmeister, eine Bronzemedaille mit dem deutschen Achter Olympia `92 in Barcelona, Silber mit dem Paradeboot in Atlanta `96. Danach beendete er seine Karriere. Unter den Aktiven gilt er als ein Mann des offenen Wortes. Bei den Olympischen Spielen in Sydney wurde er von den Teilnehmern in die Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees gewählt. Baar (35) ist neben IOC-Vizepräsident Thomas Bach und Walther Tröger, dem NOK-Präsidenten, das dritte deutsche Mitglied in der mächtigen Sportorganisation. Der ehemalige Schlagmann musste für seine deutliche Kritik zuletzt Vorwürfe von anderen IOC-Mitgliedern einstecken.

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