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Interview, Teil I : „Der Athlet ist der Kunde des IOC“

  • Aktualisiert am

Roland Baar: „Reformen müssen weitergehen” Bild: dpa

Das IOC steht 2001 vor dem größten Umbruch seit 20 Jahren. IOC-Mitglied Roland Baar sieht weiteren Reformbedarf und fordert im Interview mit FAZ.NET mehr Einfluss für die Aktiven:. „Der Athlet ist der Kunde des IOC.“

          Das IOC steht 2001 vor dem größten Umbruch seit 20 Jahren: Das Ende der Ära Samaranch, die juristischen Folgen des Korruptionsskandals von Salt Lake City und die Wahl des Gastgebers für Olympia 2008 nach den neuen Regeln. IOC-Mitglied Roland Baar sieht weiterhin enormen Reformbedarf und fordert mehr Einfluss für die Athleten. Um den Kampf gegen das Doping nicht zu verlieren, so Baar, „brauchen wir den Staat. Das wird ohne seine Hilfe nicht gehen.“

          Seine sportlichen Erfolge verschafften dem Deutschen weltweit Respekt: Fünfmal Ruder-Weltmeister, eine Bronzemedaille mit dem deutschen Achter Olympia `92 in Barcelona, Silber mit dem Paradeboot in Atlanta `96. Danach beendete er seine Karriere. Unter den Aktiven gilt er als ein Mann des offenen Wortes. Bei den Olympischen Spielen in Sydney wurde er von den Teilnehmern in die Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees gewählt. Baar (35) ist neben IOC-Vizepräsident Thomas Bach und Walther Tröger, dem NOK-Präsidenten, das dritte deutsche Mitglied in der mächtigen Sportorganisation. Der ehemalige Schlagmann musste für seine deutliche Kritik zuletzt Vorwürfe von anderen IOC-Mitgliedern einstecken.

          Beim letzten Zusammentreffen mit der IOC-Exekutive in Lausanne standen Sie plötzlich in der Kritik des olympischen Establishments. Ihr Engagement in der Athletenkommission wurde in Frage gestellt. Der Vorsitzende der Kommission, Peter Tallberg, hat sie als isoliert dargestellt. Es war sogar von einer Verwarnung gegen Sie die Rede. Hat es mittlerweile ein klärendes Gespräch gegeben ?

          Ich habe mit dem Herrn Tallberg gesprochen. Und er hat alles bestritten. Betont, er hätte das nie gesagt. Fakt ist für ihn, wie für mich, dass ich nie verwarnt worden bin. Die Vorwürfe hat er komplett als unrichtig hingestellt und mir bescheinigt, dass mein Engagement in der Athletenkommission außer Zweifel ist. Ich könnte jetzt darüber spekulieren, wie das alles zustande gekommen ist, will dies aber aus bestimmten Gründen nicht tun.

          Alle Mitglieder der Athletenkommission sind von Sportlern gewählt, nur der Vorsitzende Tallberg wurde bestimmt. Ist das nicht eine ungünstige und undemokratische Konstellation ?

          Das ist eine Regelung, über die wir immer nachgedacht haben - auch laut. Wir haben gesagt, wir wollen unseren Vorsitzenden selbst bestimmen. Es ist in allen Kommissionen so, dass der Vorsitzende der Kommission vom IOC-Präsidenten selbst bestimmt wird. Da haben wir einfach noch ein Ungleichgewicht. Auf der einen Seite ist die Athletenkommission gewählt, auf der anderen Seite arbeitet sie in den alten Strukturen. Ich hoffe, dass es da mittelfristig Änderungen geben wird.

          Versucht das IOC nach der öffentlichkeitswirksamen Wahl und Präsentation der Athletenvertreter in Sydney die Kommission nun wieder zu schwächen?

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