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Interview : Stelian Moculescu: „Wir brauchen Zirkus auf hohem Niveau“

  • -Aktualisiert am

Meistertrainer Moculescu: „Deckel auf den Topf” Bild: Günther Kram

Der Star ist der Trainer. Seit Jahren hat der deutsche Volleyball bei den Männern nur einen prominenten Protagonisten: Stelian Moculescu. Prägnant , provokant, polarisierend - so gibt sich der Bundestrainer auch im FAZ.NET-Interview.

          3 Min.

          Der Star ist der Trainer. Seit Jahren hat der deutsche Volleyball bei den Männern nur einen prominenten Protagonisten: den Coach Stelian Moculescu - in Personalunion Honorar-Bundestrainer des Nationalteams und Meistermacher beim VfB Friedrichshafen.

          Prägnant , provokant, polarisierend. Mit seiner Art hat sich Moculescu in der Szene nicht nur Freunde gemacht. Am Sonntag spielt er mit Friedrichshafen (Halbfinale 3:0 gegen Leipzig) das Pokalfinale in eigener Halle gegen den TV Düren (3:1 Sieger gegen VC Eintracht Mendig).

          Trotz des Rückschlages mit dem Auscheiden in der Vorrunde der Champions League hat der 50 jährige nichts von seinem Kampfgeist verloren. Mit dem Nationalteam, das in der Weltrangliste inzwischen hinter Trinidad/Tobago zurückgefallen ist, will Moculescu zu den Olympischen Spielen 2004 in Athen. Der gebürtige Rumäne gibt sich mit markigen Worten und Taten immer wieder als engagierter Vorkämpfer für eine aus seiner Sicht unterpriviligierte Sportart.

          Die deutschen Volleyballer waren nicht bei Olympia in Sydney dabei. Inwiefern ist das bezeichnend für den Status Quo im Männerbereich?

          Bezeichnend ist, dass wir diesen geringen Stellenwert in Deutschland schon länger haben. Es sagt doch alles, dass wir für das Pokal-Finalturnier noch keine Fernsehzeiten sicher haben. Das ist unser großes Problem: die fehlende Medienpräsenz. Solange es die nicht gibt, wird eine planbare Budgetierung immer schwierig sein.

          Aber hat sich zuletzt nicht einiges getan? Die Frauen-WM 2002 in Deutschland ist endgültig gesichert, die Männer-EM 2003 ohnehin. Und ihr Nationalteam darf schon in diesem Jahr wieder in der Weltliga starten.

          Es ist ja schön für die Leute zu wissen, dass es in Deutschland auch Volleyball gibt. Auf Sicht muss aber nicht nur die Nationalmannschaft ein paar Mal im Fernsehen sein, sondern auch die Bundesliga. Und zwar regelmäßig.

          „Wir brauchen Zirkus, Entertainemant auf hohem Niveau“

          Wie sehr schmerzt in dieser Hinsicht die vor Jahren verpasste Chance, mit dem DSF einen Fernsehvertrag abzuschließen?

          Sehr. Aber das soll keine Medienschelte sein - wir sind selbst Schuld. Denn damals war die Bundesliga gegen diesen Vertrag.

          Ist in absehbarer Zeit Besserung in Sicht?

          Nur mit viel Arbeit. Wir müssen erst den Rahmen schaffen. Schauen Sie sich unsere Hallen an: Das sind Schuhkartons, keine Volleyballhallen. Unser Erscheinungsbild ist einfach schlecht. Wie´s geht, machen zum Beispiel die Basketballer vor. Vom Fußball will ich ja gar nicht reden. Das ist eine andere Welt, Zirkus auf hohem Niveau, Entertainment pur.

          Sind das nicht strukturelle Probleme, die kurzfristig kaum zu lösen sein dürften?

          Sie müssen aber in den nächsten drei Jahren gelöst werden. Bis dahin muss ein Fernsehvertrag her. Dafür muss vieles geändert werden. Die unattraktiven Spielzeiten am Samstagabend, beispielsweise, sind Relikte aus überholten Zeiten.

          Sie fordern also eine ganz neue Geisteshaltung in der Volleyballszene?

          Richtig. Außerdem muss sich mit der Sportförderung in Deutschland etwas tun. Die ist generell nicht in Ordnung - Olympia hat´s doch gezeigt. Für uns Volleyballer gilt aber auch: Alles regelt sich über den Erfolg, der ist die Grundvoraussetzung.

          Medienpräsenz, Professionalität und mehr Geld für den Nachwuchs

          Erfolg hatten aber doch - gerade bei Olympia - die deutschen Frauen und vor allem die Beachvolleyballer. Wieso reicht Ihnen das noch nicht?

          Das ist ja alles schön und gut. Aber weitere Dinge müssen folgen, sonst wird auch der Olympia-Effekt verpuffen. Es ist halt leider so, dass letztlich nur der Männersport zählt. Die Handball-Frauen waren vor Jahren Weltmeister, das weiß aber kein Schwein. Die Männer haben es dann in der Bundesliga nachgemacht, machen da ein gutes Produkt. Da müssen die Volleyballer auch hin. Wir brauchen eine starke Männer-Liga und eine Männer-Nationalmannschaft, die Erfolg hat.

          Dafür muss in puncto Nachwuchs mehr kommen. Wie ist es denn um den bestellt?

          Der Nachwuchs ist gut, hat in den letzten Jahren und aktuell einige Erfolge gehabt. Das Problem ist nur, dass es dauert, bis er international einsatzfähig ist. Bis dahin müssen wir Spieler finden, die nicht so schnell zufrieden sind. Daran hapert es.

          Lässt sich dieses Problem überhaupt beheben?

          Wir müssen eben mehr Anreize setzen, so dass nicht nur ein paar verrückte Idealisten Volleyball spielen und die anderen nach zwei, drei Jahren Servus sagen. Dazu brauchen wir Medienpräsenz, finanzielle Mittel, Professionalität. Die Zeit des Ehrenamtes ist vorbei.

          Ist das Berliner Modell - die Kooperation des DVV mit einem Verein, der nur auf deutsche Spieler setzt - gescheitert? Immerhin spielen Toptalente wie Christian Pampel oder Björn Andrae mittlerweile bei Ihnen in Friedrichshafen.

          Das Modell ist nicht gescheitert. Wichtig sind nicht Titel, wichtig ist, dass gute, junge Spieler hervorgebracht werden. Dass ein Stefan Hübner von Berlin nach Italien gegangen ist, kann für seine Entwicklung nur gut sein. Und andere entwickeln sich eben bei uns. Pampel, Andrae oder Armin Dewes zum Beispiel. Und zwar, weil sie spielen dürfen - und nicht, weil die Luft so gut ist am Bodensee.

          Und Sie selbst: Wie lange tun Sie sich die Dreifachbelastung als Coach in Friedrichshafen, Bundestrainer und Hoffnungsträger einer ganzen Sportart noch an?

          Ich bin ja noch jung und belastbar. Planen kann man zwar relativ wenig, aber bis 2004 will ich das in dieser Form schon machen. So ist es mit dem DVV angedacht. Zu Olympia nach Athen müssen wir hin, die Qualifikation möchte ich gern noch spielen.

          Das Gespräch führte Christian Müller

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