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Interview : „Schalke ist ein Kultverein“

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Anlass zum Feiern: Eröffnung der Arena „AufSchalke” Bild: dpa

Stadionexperte Claus Binz ist optimistisch, dass die Finanzierung der am Montag eröffneten Arena „AufSchalke“ funktioniert. Interview.

          Am Montag eröffnet der FC Schalke 04 sein neues Stadion. Die Arena „Auf Schalke“ zählt zu den modernsten Sport- und Spielstätten Europas und bietet etwa 60.000 Zuschauern Platz. Das privatwirtschaftlich finanzierte Projekt hat ein Investitionsvolumen von 358 Millionen Mark und wird größtenteils als Kredit finanziert. Das bedeutet für den Verein rund 21 Millionen Mark Refinanzierungskosten jedes Jahr und auch der laufende Betrieb ist nicht umsonst. Alles kein größeres Problem solange der fußballerische Erfolg stimmt, aber das ist „Auf Schalke“ nicht sicher, wie ein Blick in die Vereinsgeschichte belegt. Stadionexperte und Geschäftsführer des Instituts für Sportstättenberatung, Claus Binz ist dennoch optimistsch. Das Projekt in Gelsenkirchen funktioniert. Skeptisch äußert sich Binz im FAZ.NET-Interview jedoch hinsichtlich der Nicht-fußballerischen Nutzung.

          Herr Binz, derzeit herrscht in Gelsenkirchen Hochstimmung und Zufriedenheit angesicht der neuen Arena. Lässt sich diese Freude auch in wirtschaftlicher Hinsicht verstehen?

          Dass aus dem Fußballgeschäft den Kosten entsprechende Einnahme zu erzielen sind, das sieht man. Es hat sich gezeigt, dass durch das neue Stadion der Andrang an Sponsoren erheblich größer geworden ist. Es ist mir bekannt, dass Wartelisten für bestimmte Bereiche existieren, weil man nicht mehr alle Leute mit Werbemöglichkeiten bedienen kann. Insofern kann man optimistisch sein.

          Der Himmel in königsblau und keine Wolken?

          Wo ich ein wenig skeptisch bin, auch bei Schalke, das ist der Nicht-Fußballteil. Denn während einer bestimmten Phase der Projektentwicklung wurde dieser Bereich vernachlässigt.

          Können sie das konkretisieren?

          Ein Beispiel. Normalerweise muss eine multifunktionale Arena, die für Konzerte genutzt werden soll, komplett verdunkelbar sein, damit sie die entsprechenden Lichteffekte erreichen können. Das ist in Schalke nicht möglich. Sie haben dort ein Membrandach, das noch etwa 16 Prozent des Außenlichts durchlässt. Damit wird die „Kiste“ nicht so dunkel, wie es manchmal wünschenswert wäre. Auch was die Lagerraumkapazitäten angeht, gibt es dort eigentlich nicht genug für eine multifunktionale Arena.

          Aber gefährden diese Mängel das Projekt?

          Das Konzept geht auf, aber hauptsächlich deshalb, so bin ich der Überzeugung, weil der Verein sowohl sportlich als auch wirtschaftlich so erfolgreich sein wird, dass es sich über diesen Weg finanzieren lässt.

          Was macht sie so optimistisch?

          Die Kreditbelastung liegt bei 21 Millionen, die im Jahr bedient werden müssen. Als über den Bau entschieden wurde, lagen die Einnahmen aus der Fernsehvermarktung nicht mal bei einem Drittel von dem, was heute eingenommen wird. Jetzt haben sie ja mittlerweile über 30 Millionen allein aus der Bundesliga. Jetzt, wo Schalke auch im internationalen Bereich spielt, sind die Einnahmen aus dem sportlichen Betrieb so groß, dass das Projekt nicht gefährdet ist.

          In der Saison 1999/2000 entging Schalke 04 knapp dem Abstieg. So etwas kann jederzeit wieder passieren. Was würde das für das Stadionprojekt und seine Finanzierung bedeuten?

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