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Interview : Rolf Aldag: Schicke SMS vom Sechstagerennen

  • Aktualisiert am

Spektakel Sechstagerennen Bild: dpa

Das Team Telekom trainiert auf Mallorca. Die Rad-Profis fahren Hunderte von Kilometern, um bald auf der Straße fit zu sein. Rolf Aldag unterscheidet sich von den Kollegen in der Saisonvorbereitung erheblich: Denn schneller will er diesem Winter mit Sechstagrennen werden: Bremen ist er schon gefahren, Berlin wird er noch fahren. „Das ist ein Versuch“, sagt er im Gespräch mit FAZ.NET, “ um schneller auf der Straße zu werden.“

          Die einen spulen fleißig auf Mallorca Hunderte von Trainingskilometern ab. Die anderen treten bei der „Tour Down Under“ in Australien Etappe für Etappe in die Pedale. Für die Radprofis vom Team Telekom führen verschiedene Wege zum Ziel. Einer fährt das Kontrastprogramm: Rolf Aldag, der gerne bei der Tour de France Helfer für Jan Ullrich und Erik Zabel wäre, versucht mit Sechstagerennen in Form zu kommen. Im Gespräch mit FAZ.NET äußert sich der 32-Jährige zu der umstrittenen Form der Saisonvorbereitung und seinen persönlichen Erlebnissen bei den Sixdays.

          Die meisten Telekom-Fahrer „fressen“ im sonnigen Süden Kilometer und bereiten sich auf die Saison vor, Rolf Aldag sitzt statt dessen bei den Sechstagerennen im Sattel. Warum?

          Auch wenn es sich blöd anhört, ist es so: Das ist dieses Jahr meine Art der Saisonvorbereitung. Ich bin in einem Alter, da muss ich nicht mehr die Ausdauer und die langen Distanzen trainieren. Bei den Sechstagrennen kann ich etwas für die Schnelligkeit tun, das ist ja mein Problem. Und das ist allemal besser, als stupide von Begrenzungspfosten zu Begrenzungspfosten zu sprinten. Außerdem verdiene ich ja auch etwas. Ich hoffe einfach, dass das für mich eine gute Vorbereitung ist. Mein Januar-Plan sieht so aus: Bremer Sixdays, Trainingslager auf Mallorca, Start beim Berliner Sechstagerennen.

          Aber die Spezialisten der Sechstagerennen sind selten gute Straßenfahrer.

          Die Anforderungen sind ja auch ganz anders: Auf der Straße ist es kein Problem, wenn einer 200 Meter vorfährt. Du hast alle Zeit der Welt zu entscheiden, ob du ihn verfolgst. Du kannst dich gar noch mit deinem sportlichen Leiter absprechen. Wenn du auf der Bahn so lange wartest, klopft er dir auf die Schulter, weil er dich schon überrundet hat. Aber grundsätzlich liegt die Unterscheidung jetzt daran, dass die Straßensaison so lang geworden ist. Da bleibt eigentlich für beides kein Platz mehr. Ich bin auch deshalb im Winter im Schnitt meist nur zwei Sechstagerennen gefahren, Dortmund und München. Aber es gibt andere wie Andreas Kappes, die sind auf der Bahn und Straße gut. Das müssen andere erst einmal schaffen, was der auch draußen erreicht hat.

          Stichwort Andreas Kappes: Um seinen Start in Bremen gab es wegen der Doping-Vorwürfe einigen Wirbel. Auch in Stuttgart fährt er munter mit. Ihre Meinung dazu?

          Ich fande es absolut richtig, dass er wieder startet. Die Fakten sprechen für ihn, dass er unschuldig ist. Er hat das mit den Nahrungsergänzungsmitteln aufgenommen. Es wäre aber nicht auszudenken gewesen, wenn das einem aus dem Team Telekom passiert wäre.

          Benutzen Sie diese Nahrungsergänzungsmittel auch?

          Wir Telekom-Fahrer werden über die Uni-Klinik Freiburg versorgt, da kann das eigentlich nicht passieren. Ich persönlich nehme aber nur Vitamintabletten. Die Pulverchen brauche ich nicht.

          Was ist eigentlich härter: Die Tour de France oder Sechstagerennen in verrauchten Hallen?

          Bei der Tour ist der Schmerz länger, beim Sechstagerennen intensiver. Wenn du bei der Tour 15 Kilometer lang eine Steigung vor dir hast, gehst du ja nicht so raus wie auf der Bahn bei den Sprints. Das mit dem verrauchten Hallen spüre ich übrigens gar nicht so. Ich bin zwar kein Mediziner und weiß nicht, ob ich passiv doch fünf oder sechs Zigaretten mitrauche, aber ich habe in Bremen manchmal sogar in der Halle gefroren. Ein Problem ist eher der andere Rhythmus, weil du spät nachts nicht einschlafen kannst. Ich habe meist nur von vier bis neun oder zehn Uhr geschlafen.

          Würden Sie sich als guten Sechstagefahrer beschreiben?

          Nein, taktisch bin ich ein Blinder. In Bremen haben wir den Sieg um einen Punkt verfehlt, weil ich den allerletzten Wechsel auf Silvio Martinello verpatzt habe. Und zweimal hätte ich fast denselben Kollegen von der engen Bahn gerammt. Da musste ich mich gleich entschuldigen. Sonst gilt für mich auf der Bahn dasselbe wie auf der Straße: Der letzte „Speed“ fehlt leider.

          Sechstagerennen verbinden Sport und Spaß. Wie erleben Sie diese Veranstaltungen?

          Gerade von Bremen war ich beeindruckt, ich war ja das erste Mal da. Wenn man die Stimmung miterlebt, hat man viel zu erzählen. Mich haben diese Tage viele aus dem Team Telekom über Handy gefragt, wie es denn sei. Ich habe etliche schicke SMS verschickt und so von den Sixdays berichtet. Immer wenn in Bremen nach Mitternacht Klaus und Klaus gespielt haben, saßen wir Fahrer meist oben auf der Bahn und schauten uns das an. Vielleicht brauchte man ein „gewisses Level“, um da mitfeiern zu können, aber ich hätte mir das auch gut vorstellen können. Und die Berliner können ja auch gut feiern.

          Einer wie Andreas Kappes macht das ganz gern in den Logen auch während der Rennpausen.

          Ja, ja, mag sein. Aber für mich kam das nicht in Frage. Man erlebt auch so genug.

          Das Gespräch führte Frank Hellmann

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