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Interview mit Rudi Assauer : Schalke auf dem Weg zum reichsten Verein Europas

  • Aktualisiert am

Mann mit zündenden Ideen: Rudi Assauer Bild: dpa

Schalkes Manager Rudi Assauer erklärt im FAZ.NET-Gespräch, warum er 700.000 Quadratmeter Grund und Boden kaufen will, wie die Arena ausgelastet wird und weshalb Jörg Böhme auf Bewährung spielt.

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          Sein Wort zählt AufSchalke. Rudi Assauer ist der mächtige Mann beim FC Schalke 04, die Zigarre sein Markenzeichen. Im Gespräch mit FAZ.NET erläutert der Manager exklusiv die großen Vorhaben der Zukunft.

          Bald können Sie auf dem internationalen Markt groß einkaufen gehen. Es soll nicht mehr lange dauern, bis Ihnen 85 Millionen Euro überwiesen werden. Eine Anleihe bei amerikanischen und britischen Investoren, zurückzuzahlen mit Zins und Zinseszins bis 2026. Was ist daran so reizvoll?

          Die Überlegung ist ganz einfach: Wir haben auf diesem Gelände bis 2005 riesige Baumaßnahmen vor uns: Die neue Geschäftsstelle, neue Trainingsplätze, Abriss der Haupttribüne des alten Parkstadions, neuer Umkleidetrakt, Trainingshalle, Rehazentrum, Fußballmuseum. Da könnten wir natürlich jeweils zu den Banken laufen und um Kredite bitten. Da fragen die uns nach Sicherheiten. Spielerwerte als Sicherheiten können Sie vergessen. Da haben sie große Schwierigkeiten.

          Immer nah beim Trainer: Rudi Assauer

          Da haben Sie sich also nach anderen Finanzquellen umgeschaut?

          Unser Finanzchef Josef Schnusenberg wusste, dass es in England beispielsweise andere Formen der Finanzierung gibt. Also haben wir das Ding angeschoben - und siehe da: In den nächsten zwei Wochen wird die Sache abgewickelt.

          Und Sie laufen nun Gefahr, das viele Geld ganz schnell auszugeben, nicht nur für Steine, sondern auch für Beine, die vielleicht nicht so laufen, wie Sie dachten.

          Unsinn. Wir lösen bestehende Kredite kurzfristig ab. Wir haben dann nur noch einen Kreditgeber und sind auf der sicheren Seite. Wir müssen jetzt nicht mehr ständig bei Neu-Investitionen zu den Banken gekrochen kommen und bitte, bitte sagen. Diese Rennerei, dieses Kratzen ist nun nicht mehr nötig. Stattdessen haben wir Planungssicherheit für die nächsten 24 Jahre. Zu einem sehr akzeptablem Zinssatz. Das ist im Grunde sensationell. Das ist auch nur der erste Step.

          Plötzlich hat man unglaublich viel Geld cash zur Verfügung. Das kann auch verführen. Wird Schalke verschwenderisch?

          Was übrig bleibt, kommt in die Kriegskasse. Wir sind ein sehr profitables Unternehmen geworden. Wir haben unseren Umsatz von knapp 90 Millionen Mark auf rund 100 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Unser Ziel ist es, dass eines Tages dieses ganze Gelände, über 700.000 Quadratmeter, uns gehört. Dazu zählt, dass wir das Grundstück mit dem alten Parkstadion von der Stadt erwerben. Dann wären wir mit Abstand der reichste Verein in ganz Europa. Allein schon, was den Grund und Boden angeht.

          Dann wären Sie an Bayern München vorbeigezogen?

          Mein Ziel ist es, in den nächsten Jahren auch mal deutscher Meister zu werden. Aber dafür muss der Unterbau stehen.

          Geht der FC Schalke 04 dafür an die Börse?

          War nie ein Gedanke, auch jetzt nicht.

          Warum nicht?

          Erstens wären wir noch nicht börsenreif, unsere Konsolidierung ist nämlich noch nicht abgeschlossen. Außerdem ist das Börsenklima derzeit alles andere als geeignet. Die Fußball-Aktien sind momentan alle im Keller. Aber grundsätzlich gefragt: Ist ein Börsengang für uns überhaupt sinnvoll? Man kann dabei nur einmal Kasse machen. Und zukünftige Gewinne per Dividende an die Aktionäre zu verteilen, macht für mich weniger Sinn, als sie in den weiteren Ausbau des Vereins zu investieren.

          Ist es peinlich, wenn eine Fußball-Aktie von elf auf drei Euro sinkt?

          Natürlich ist das nicht angenehm.

          Es heißt sogar, die Liga steht vor dem finanziellen Kollaps.

          Ich frage mich, welcher Vollidiot kann so etwas behaupten. Und solche Meldungen sind auch für einen börsennotierten Verein schädlich. Das ist Schwachsinn und schlecht recherchiert. Natürlich gibt es den ein oder anderen Verein, der Einbrüche hat, und das auffangen muss. Wir haben auch mindestens fünf Millionen Euro verloren. Diese Liga, die Bundesliga, ist mit die gesündeste Liga in Europa. Ich weiß nicht, welche Liga im Schnitt besser dasteht. Ich sage: Sie werden in Europa keine bessere finden.

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