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Interview mit Fürst Albert II. von Monaco : „Ich setze mir meine Grenzen selbst“

  • Aktualisiert am

Albert bei der Vorbereitung auf seinen Start im Zweierbob bei Olympia 1988 in Calgary Bild: picture-alliance/ dpa

Fürst Albert II. von Monaco versuchte sich als Aktiver in insgesamt 14 Sportarten, im Bobsport wurde er sogar zum Olympioniken. Im Interview spricht der Regent des Zwergstaates über Angst, Nervenkitzel und warum ihn der Sport zu einem besseren Menschen gemacht hat.

          5 Min.

          St. Moritz, ein Wochenende im Februar. Oben an der Natureisbahn hat Fürst Albert II. von Monaco, seit März vergangenen Jahres Staatsoberhaupt des kleinsten Staates der Welt, zum „Monaco Historic Bob Race“ geladen. Albert, selbst viermal Olympiateilnehmer, will sich mit seinen alten Weggefährten und Konkurrenten noch einmal in der Bobbahn messen. Am Ende wird er bei seinem eigenen Jubiläumsrennen Siebter und Vorletzter. Der fürstlichen Laune tut das keinen Abbruch.

          Hoheit, vor kurzem noch haben Sie mit Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac im Elysée-Palast über die Rolle Monacos in der Welt diskutiert. Dann feierten Sie eine Party mit Hochleistungssportlern. Wie können Sie die bürgerlichen Ausflüge mit Ihrer Herkunft und Ihrem Amt vereinbaren?

          Ich habe so großartige Erinnerungen an diese Sportart, ich habe hier so viele Freunde gefunden, da ist es doch kein Wunder, dass ich ihre Gesellschaft so sehr genieße. Warum sollte ich diese normalen Freundschaften beenden mit Leuten, die ich sehr mag, mit denen ich so viel erlebt habe, nur weil ich jetzt als Fürst in einer anderen Position bin? Das spielt für mich überhaupt keine Rolle.

          „Meine Erfahrungen als Bobpilot haben mich gelehrt, wie man in der Position des einzigen Entscheidungsträgers wichtige Befehle sofort auszuführen hat”

          Ist Ihnen die staatsmännische Etikette nicht wichtig?

          Nein. Als ich noch jung war, war es mir immer wichtig, dass die Leute mich wie einen normalen Menschen behandeln. Deshalb möchte ich heute als Fürst für die Menschen immer erreichbar und verfügbar sein. Ich gehe sehr offen auf mir fremde Menschen zu, freue mich, sie kennenzulernen, kapsele mich nicht ab. Das sogenannte normale Leben macht auch mein Leben erst lebenswert. Ich lebe nicht im Museum, wo es heißt: „Anfassen verboten“. Mich gibt es wirklich.

          Das sehen viele sogenannte Celebrities ganz anders, die sich in Hollywood und sonst wo hinter meterhohen Mauern vor ihren Fans verbarrikadieren.

          Ich kann das nicht nachvollziehen. Wenn du eine Position mit so viel Verantwortung hast wie ich, hast du natürlich oft auch nicht die Zeit. Aber es hängt sehr viel mit deiner persönlichen Einstellung zusammen. Und ich denke: Es geht beides. Dazu bedarf es eines ausgeprägten Sinns für die Würde anderer Menschen, der man gerecht werden muss, um sich dann mit ihnen auf Augenhöhe treffen zu können. Ich kann mir nicht vorstellen, ohne diese Beziehungen zu leben.

          Was haben Sie durch den Sport für Ihr heutiges Leben gelernt?

          Der Bobsport ist seit zwanzig Jahren ein wichtiger Teil meines Lebens. Diese Zeit war für mich persönlich eine unglaubliche Erfahrung, ein unglaubliches Abenteuer. Ich mochte Sport schon von Kindertagen an. Aber ich hätte niemals gedacht, dass ich ihn einmal auf einem solchen Niveau betreiben könnte. Als Pilot ist der Bobsport sowohl Mannschafts- als auch Individualsport. Schließlich übernimmst du allein die Verantwortung dafür, dass am Ende unten alle gesund ankommen. Das geht nie ohne Gefahren, die entlang der Rinne lauern. Bobfahren war für mich der Weg, meine Grenzen und Möglichkeiten im Leben einschätzen zu lernen und, wenn nötig, darüber hinauszugehen.

          Sie haben sich in 14 Sportarten versucht, unter anderem Rallye, Judo, Rudern, Fechten, Bob. Und Sie unternahmen vergangenes Jahr im April als erstes Staatsoberhaupt der Welt eine erfolgreiche Arktisexpedition. Woher rührt diese Passion?

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