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Interview mit Fürst Albert II. von Monaco : „Ich setze mir meine Grenzen selbst“

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Was auch immer man im Leben tut, es sollte keine Grenzen geben für das, was man tut. Ich habe mich nie damit abgefunden, dass es für mein Leben irgendwelche Grenzen geben soll, die andere für mich gesetzt haben. Ich setze mir meine Limits lieber selbst. Natürlich musste ich lernen vorauszuschauen. Das war eine meiner ersten Lektionen, die ich im Bob von meinem Trainer Tommy gelernt habe, dass man vorausschauend fahren muss, nicht die Nase in den Bob stecken darf, sondern lernen, die Dinge zu antizipieren. Was für ein großartiger Transfer zum wirklichen Leben: Kümmere dich nicht nur um das, was unmittelbar vor deiner Nase passiert, sondern schau über dein Ego hinweg, dann wirst du lernen, Probleme frühzeitig zu erkennen und Lösungen dafür zu finden. Genau das ist mein Weg im Leben.

Welcher Sportler wären Sie gerne geworden, welcher Staatsmann möchten Sie gerne sein?

Gerade im Bobsport habe ich viele echte Champions bewundert. Christoph Langen zum Beispiel oder Wolfgang Hoppe. Ich wollte immer so wagemutig und furchtlos sein wie Ihre beiden Landsleute. Und natürlich auch so schnell. Bewundert habe ich immer auch die Zehnkämpfer, die so unglaublich gut sind in völlig verschiedenen Disziplinen. Allen voran Dan O'Brien (Olympiasieger 1996). Und natürlich einer, den viele bewundern, wegen seines Charakters, seines Spirits, niemals aufzugeben, dreimal wurde er Schwergewichtsweltmeister, obwohl er schon weg war - Muhammad Ali. Er war mehr als nur ein Boxer. Seinen Spirit gibt es heute nicht mehr.

Und welchen Staatsmann bewundern Sie?

Jemand, den ich sehr verehre, ist Nelson Mandela. Ich hatte das große Privileg, ihn persönlich kennenzulernen. Für mich war es eine prägende menschliche Erfahrung, mit ihm zu sprechen. Das vergesse ich mein Leben lang nicht mehr. Er ist für mich das Leitbild.

Ist es vorstellbar, dass Sie als erstes regierendes Staatsoberhaupt noch einmal an Olympischen Spiele teilnehmen?

Ich würde liebend gern, ganz egal in welcher Sportart. Aber Zeit für das Training zu finden ist sehr schwer geworden. Ich dachte schon mal daran, wenn Bobfahren zu aufwendig geworden ist, auf eine andere Sportart umzusteigen, die nicht ganz so viel athletisches Training voraussetzt. Schießen zum Beispiel. Auch ein sehr komplexer Sport, weil du deine Konzentration sehr schärfen musst. Realistisch betrachtet muss ich mir eingestehen, dass ich in meinem Amt wohl nicht mehr die Zeit bekomme, um mich für Olympia fit zu machen. Und am Ende ist es ja auch eine Frage des Alters.

Verbietet Ihnen das höfische Protokoll eine Teilnahme?

Nein, überhaupt nicht. Viele Leute denken, das Protokoll ist immer restriktiv. Bei manchen Zeremonien mag das auch stimmen. Aber so wie ich mein Leben heute organisiere, versuche ich mir immer ein bisschen Zeit für mich selbst freizuhalten.

Um in der Bobsprache zu bleiben: Wer ist denn Ihr Bremser im Staate Monaco?

Ich glaube nicht, dass es jemand gibt, der mich bewusst bremsen oder gar ausbremsen will. Glauben Sie mir: Ich bin nicht zu bremsen.

Aber noch einmal: Sie sind gerne unter Sportlern, selbst Ihre vom Boulevard geortete Lebensgefährtin Charlene Wittstock ist eine Weltklasse-Schwimmerin. Zufall?

Im Leben gibt es keine Zufälle. Der Eindruck ist nicht so falsch. Sportler sind ehrlicher, direkter, die machen einem nichts vor. Die sind das, was sie vorgeben zu sein. Da können Politiker noch eine Menge lernen.

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